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Rp-Serie Unsere Seelsorger Max Opheys (19)
Glaubenslehre in der Wellblechbaracke

Kleve. Max Opheys war 25 Jahre Pastor von Frasselt, Schottheide und Grafwegen. Er war ein treuer Diener im Weinberg des Herrn und stets für jedermann ansprechbar. Eine seiner Aufgaben war die Renovierung der Kirche. Auch Religion unterrichtete er. Von Hans Rühl

KRANENBURG-FRASSELT "Wer mit Max Opheys Ärger kriegt. ist selber schuld daran!" Mit diesen Worten charakterisierte der betagte Pastor Bergmann aus Wesel-Büderich seinen bisherigen Kaplan Max Opheys bei dessen Einführung am 5. Dezember 1954 als Pfarrer der St.-Antonius-Gemeinde mit den drei Ortschaften Frasselt-Schottheide-Grafwegen. Still und bescheiden wirkte Opheys hier im Sinne des guten Hirten ein Vierteljahrhundert und blieb auch nach seiner Emeritierung der Pfarre sogar bis über den Tod hinaus verbunden.

Im linken Seitenschiff des 1862 geweihten Gotteshauses sind auf einer großen Sandstein-Platte vor der Außenwand die Namen der 13 Pfarrer eingraviert, die seit der Abtrennung dieser Kirchengemeinde von Kranenburg 1834 hier tätig waren und nach der Fusion 2005 weiterhin die pastorale Verantwortung tragen. Diese große Steinmetz-Arbeit ist eine testamentarische Schenkung des am 25. Januar 1996 fast 91-jährig verstorbenen Max Opheys, der seinen Lebensabend in seiner Heimatstadt Straelen verbrachte und auf dem dortigen Friedhof im Priesterrondell seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Dieser letzte Gruß an seine ihm ein Vierteljahrhundert anvertraute Pfarre steht am Ende der vielen Maßnahmen, mit denen er voller Geduld der im letzten Kriegsjahr 1944/45 schwer beschädigten Kirche ihre würdevolle Schönheit zurückgab. Zuerst erhielt 1955 das provisorisch aufgebaute rechte Seitenschiff wieder seine frühere Gestalt - Außenmauern aus Klinkern, Gewölbe statt Flachdecke. Anfang 1956 überbrachten Pallotiner-Patres eine Antonius- Reliquie. Zu seinem silbernen Priesterjubiläum Weihnachten 1956 - vor dem Krieg war Opheys auch in Asperden einige Jahre Kaplan - gratulierte ihm die Pfarre mit einer zweiten, dem Kirchenpatron Abt Antonius gewidmeten Glocke, die seither mit der 1854 gegossenen kleineren Marienglocke zum Gottesdienst ruft. 1958 wurde die durch Krieg und Witterung strapazierte Orgel umgebaut. 1959 kam eine neue Turmuhr, das Marienschiff erhielt neue Fenster. 1967 gab es die jetzigen Hochchorfenster mit dem durchgezogenen Kreuz (Entwurf: J. P. Heek, * 1934 in Frasselt, + 1994 in Kranenburg) und die Lautsprecheranlage. Zwei Jahre später wurde das Geläute elektrifiziert. 1972 folgte der Liedanzeiger. 1976 wurde das bis dahin mit Ziegeln gedeckte Kirchendach beschiefert. In seinen beiden letzten Amtsjahren erlebte Pastor Opheys den neuen Innenanstrich mit der weitgehenden Wiederherstellung der Jahrzehnte übertünchten Ornamentik aus der Kevelaerer Stummel-Schule. Nicht mehr teilnehmen konnte er im Dezember 1994 nach der Erweiterung des Chorraumes am Pontifikalamt mit der Altar-und Orgelweihe als krönendem Abschluss einer 50-jährigen Aufbauarbeit. Die kleine Bau-Chronik darf nicht die primäre Aufgabe des Seelsorgers übergehen. Seine Bilanz: 250 Taufen (ohne im Krankenhaus gespendete), 150 Trauungen, 336 kirchliche Begräbnisse Anderthalb Jahre erteilte er Religionsstunden in allen drei Orten. Nach Auflösung der Schule in Grafwegen 1956 blieben bis zur Schulreform 1968 Frasselt und Schottheide. Ein gutes Jahrzehnt war er Dekanatspräses der Kirchenchöre im Kranenburger Raum. Den Wald kannte er wie seine Westentasche. Mit Gelassenheit und Humor nahm er auch die sich wandelnden Verhältnisse hin. Als es bei einer Taufe mal wieder viel Blitzlicht gegeben hatte und sein Küster meinte, dass man bei ihm keine Kamera gezückt habe, sagte ihm der Pastor: "Das können wir nachholen. Aber wer wird Sie tragen?" Ebenso hatte er stets ein Ohr für die Meinung anderer. Als Papst Paul VI. den Heiligen-Kalender neu gestaltete und manche Heilige strich, fragte der Pastor seinen Küster nach dessen Meinung. Die kam prompt: " lch hätte zuerst die Eisheiligen abgeschafft!"

Quelle: RP
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