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Kranenburg
Gleiche Regeln, nicht gleiche Menschen

Kranenburg. Auch der 3. Katharinentag hinterfragt den luxuriösen Lebensstil. Bazon Brock: Warum weniger mehr ist - Kritische Fragen an Gesellschaft und Politik. Anspruchsvolle Referate vor breitem Publikum Von Hans Rühl

Zum 3. Mal lud das Titus Brandsma Institut Nimwegen zu einem Katharinentag in den Katharinenhof ein, um über sinnvolles menschliches Leben und Verhalten zu diskutieren. Es knüpft somit an die Reformbewegung der Devotio Moderna am Niederrhein an, deren bekanntester Vertreter Thomas von Kempen war. Hatte vor zwei Jahren Prof. Dr. Ernst-Ulrich von Weizsäcker den verschwenderischen Umgang mit den Ressourcen unseres Erdballs angeprangert, so thematisierte die "Katharinenpredigt" (so bezeichnet man traditionsgemäß das Hauptreferat dieser Tagungen) nun Grundgedanken zum menschlichen Weltverständnis. Dafür war mit Prof. Bazon Brock ein Experte in das frühere Beginenkloster gekommen, der mit klaren Formulierungen und geschliffener Eloquenz fast zwei Stunden seinen Finger auf so manche Wunde unseres Denkens und Miteinanders legte.

Wenn er von Asketen des Luxus sprach, darlegte, warum weniger mehr sei, und Luxurieren als Optimierung des ökonomischen, ökologischen, medizinischen und spirituellen Weltverhältnisses betrachtete, so bot er den Zuhörern keine leichte Kost. Dr. Hann Wupper von der Universität Nimwegen hat daheim die wesentlichen Aspekte der vorgetragenen Ansichten und gemeinsamen Erörterungen übersichtlich zusammengefasst.

Dass die neue, gegen die Armut in Zeiten des Überflusses gerichtete Empörung eine Ursache in der Überbetonung von wirtschaftlichen Interessen und finanziellem Gewinn habe, blieb in allen Beiträgen ein Hintergrund mit der Frage, was jeder einzelne in dieser Situation tun könne. Da ging es mit Blick auf die Bevölkerung daheim und weltweit um den Denkfehler eines übergewichtigen Gleichmachereibestrebens. Als fatale Beispiele wurden die "Inklusion" und der "Umgang mit Behinderten" genannt. Die Natur gehe da nicht mit. In unseren Kulturen würden Männer vor allem für den Krieg erzogen. Ihr Ruhm wachse mit der Zahl der Getöteten, hingegen könnten nur Frauen neues Leben hervorbringen. Statt alle Menschen gleich zu machen, müsse man lernen, mit der Verschiedenheit zu leben, den anderen im Unterschied zu sich selbst zu kennen. Erforderlich seien gemeinsame Regeln, um sich friedlich austauschen zu können. Unlösbare Probleme müsse man richtig anpacken, riet der schon bisweilen als Spezialist für unlösbare Aufgaben bezeichnete Redner. Vielseitig streifte Brock die Fehler unserer Zeit. Man müsse immer wieder umdenken. Eröffnet hatte das Treffen Inigo Bocken, der Direktor des Brandsma-Institutes, der in seinem Grußwort rückblickend daran erinnerte, dass christliche Orden und Gemeinschaften zu allen Zeiten sich der Hilfsbedürftigen angenommen hätten. Hedwig Meyer-Wilmes stellte Katharina als Beispiel dafür heraus, was im hohen Mittelalter eine Frau zwischen Politik und Spiritualität für andere geleistet habe. Mit eigenen Ansichten widmete sich Dr. Hans-Jürgen Arens, Vorsitzender der Vinzenz-Konferenzen im Kreis Kleve, ausgehend von den acht Seligkeiten in der Bergpredigt Jesu, den veränderten Aufgaben der Caritas von heute, die neben Liturgie und Wortverkündigung nach wie vor eine wesentliche Aufgabe der Kirche sei. Er umriss die Grenzen des durch die Flüchtlingswelle noch stärker unter Druck geratenen Sozialstaates, nannte Fehlentwicklungen im "Wohlfühldeutschland" und argwöhnte hinter der sozial, aber nicht biologisch determinierten Homoehe als deren Ziel die Vernichtung der Familie. Das Gespräch mit Prof. Dr.Tjeu van Knippenberg zeichnete den Weg des Vinzenz de Paul nach. Es waren lohnende 10 Stunden, aufgelockert durch Kaffeepause, gemeinsames Abendessen im Gewölbekeller (mit der Tischrede von F. L. van der Grinten, der die künstlerische Offenheit des Hauses in jeder Epoche bis zu Joseph Beuys erwähnte) sowie durch die umrahmende bzw. unterteilende Musik (Antonia Ferderer, Gitarre - Ekatharina van Eyckels, Klavier - Annette Regnitter, Sopran - hoben die Aufmerksamkeit.

Quelle: RP
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