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Kleve
Gottesdienst im Schwurgericht

Kleve: Gottesdienst im Schwurgericht
Die Schwanenburg wird am 10. September Schauplatz eines ganz besonderen Gottesdienstes. FOTO: Markus van Offern
Kleve. Am 10. September findet in der Schwanenburg ein ganz besonderer Gottesdienst statt. Das Thema: "Alles was R/echt ist". Von Antje Thimm

Es ist ein Ort, der zunächst einmal nichts mit Kirche und Gottesdienst nach herkömmlichem Verständnis zu tun hat: der große Schwurgerichtssaal im Landgericht auf der Schwanenburg. Ein Ort, wo Menschen oftmals schlimme Stunden ihres Lebens verbringen oder eindrückliche Szenen ansehen müssen, die sie kaum vergessen. Genau in diesem Raum findet am Sonntag, 10. September, ab 18 Uhr ein Gottesdienst statt. Der Frauenfachausschuss des Evangelischen Kirchenkreises in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Kleve lädt hier ein zum "besonderen Gottesdienst am besonderen Ort".

"Alles, was R/echt ist!" lautet das Thema des Gottesdienstes. "Wir werden den Themenzusammenhang Rechtsprechung aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchten", beschreibt Pfarrerin Elisabeth Schell von der Evangelischen Kirchengemeinde Kleve das Konzept. Mit im Vorbereitungsteam sind außerdem die Vorsitzende des Frauenfachausschusses Rose Wecker, Stellvertreterin Ulla van Haaren, Pfarrerin Gabi Schwärzl und Lucie Weinert von der evangelischen Kirchengemeinde Goch. "Unsere Idee, in einem Gerichtssaal Gottesdienst zu feiern, traf bei Landgerichtspräsident Gerd Waldhausen auf offene Ohren. In der Organisation und Vorbereitung unterstützt er uns sehr", sagt Ulla van Haaren. Zwei Fachfrauen werden auch dabei sein: Bettina Trenckmann, Richterin am Landgericht, und Cornelia Zander, Bewährungshelferin und Zeugenbetreuerin am Klever Amtsgericht. Sie werden aus ihrer beruflichen Erfahrung berichten, Texte lesen, einen Dialog führen. Viele Aspekte der Rechtsprechung werden zur Sprache kommen: Wie fühlen sich Opfer, wie die Täter? Wie kann man überhaupt Recht sprechen? Kann man es überhaupt allen "recht" machen? Gibt es gerechte Urteile? "Wir beziehen auch den alltagssprachlichen Umgang mit dem Wortfeld Recht-Unrecht-Gerechtigkeit mit ein", erklärt Rose Wecker. Dabei werde auch die Frage gestellt, was eine Haftstrafe bewirkt, was sie nützt. "Gnade vor Recht ist auch ein Stichwort", so Wecker. Der Schwurgerichtssaal als Raum, wo Urteile gesprochen werden und Schicksale sich entscheiden, inspiriere zu vielen Sichtweisen. Dass es der Fachausschuss für Frauenfragen ist, der diesen Gottesdienst vorbereitet, impliziert naturgemäß Fälle, in denen besonders Frauen die Betroffenen sind.

"Unsere Fachreferentinnen sagten uns, dass 90 Prozent aller Täter Männer sind", sagt Rose Wecker. Frauen also in der Rolle der Opfer - das wird sicher ein Thema sein. Dennoch sollen mit dieser Veranstaltung ganz bewusst nicht nur Frauen angesprochen werden, sie ist offen für alle. In der Struktur wird es ein ganz normaler evangelischer Gottesdienst sein, bestätigt Pfarrerin Schell. Eventuell werde die Liturgie etwas abweichen. Die musikalische Gestaltung übernimmt Gabriele Schepers-Wittich an der Orgel und eine Klarinettistin als Begleitung. "Wir ziehen auch eine Verbindung zu Bibeltexten, zum Beispiel den sogenannten ,Rachepsalmen', die in ihrer Direktheit zum Nachdenken anregen", erklärt Elisabeth Schell. Im Gerichtssaal sind etwa 100 Plätze, der Weg dorthin ist innerhalb der Schwanenburg gut ausgeschildert.

"Besondere Gottesdienste an besonderen Orten" sind eingebunden in die Veranstaltungsreihe der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Jubiläumsjahr der Reformation. So gab es bereits im Mai einen Gottesdienst am "Steinkreis", einer Skulptur von Christoph Wilmsen-Wiegmann im Xantener Stadtpark. Am Samstag, 16. September, wird es einen Stationen-Gottesdienst innerhalb der Stadt Goch zum Gospel-Day geben.

Quelle: RP
 
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