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Kleve
Grafik im Klever Projektraum

Kleve: Grafik im Klever Projektraum
Carolin Koenders vor ihren Drucken im Projektraum25 in Kleve. FOTO: Evers Gottfried
Kleve. Sechs Künstler stellen im Kunstverein Projektraum25 an der Bahnhofstraße in Kleve ihre Werke aus. Zur Eröffnung spricht am Samstag Prof. Harald Kunde vom Museum Kurhaus Kleve. Von Matthias Grass

Wie tiefschwarze Löcher liegen die ovalen dunklen Farbflächen auf dem Blatt. Sie sind umgeben von einer samttonigen Aura, die flimmernd um das tiefe Schwarz liegt. Fein sind die dunklen Flächen aufs Blatt verteilt, geben ihm Gewicht und Tiefe - überhaupt ziehen diese schwarzen Ovale magisch in ihr dunkles Nichts, als zögen sie irgendwo in den Weiten des Alls alle Materie in sich ein.

Es ist eine Kaltnadelradierung von Carolin Koenders, bei der jede Linie mit einem Metallstift in eine Platte geritzt wird. Je stärker der Druck, desto tiefer die Linie, das Schwarz. Die "Löcher", die Koenders auf das Blatt setzt, sind nicht als Fläche gedruckt, sie sind schraffiert. Linie neben Linie neben Linie - bis jenes ungemein tiefe dunkle Schwarz entsteht. Von jedem Blatt gibt es nur zwei Abzüge, sagt die Niederländerin, deren Blätter bei einem "Art in Residenz"-Projekt in Griechenland entstanden.

Astrid Feusers Schimären treiben im hinteren Raum ihr Unwesen FOTO: Evers Gottfried

Die minimalistischen Blätter Koenders stehen zentral im zweiten Saal des Kunstvereins Bahnhof25. Die drei Projektraum-Organisatoren um Elisabeth Schink haben sechs Künstler eingeladen, die alle eins gemeinsam haben: Sie arbeiten grafisch oder zeichnerisch. Gleich neben Koenders Arbeiten hat Patrick Mangnus, Dozent in Enschede, eine Raumecke mit Digital-Drucken eingerichtet, die gleichberechtigt neben Holzschnitten und Collageartige Zeichnungen hängen. Es ist der verwischte, schemenhafte Blick auf eine Industriewelt, auf Fördertürme und Stollen, auf Industrieanlagen, auf Gesichter von Menschen die Atemschutzgeräte aus längst vergangener Zeit tragen. Angelehnt an David Bowies Space Oddity und seinem Major Tom heißt die Arbeit "We've lost all ground control". "Mensch und Natur haben sich weit voneinander entfernt", interpretiert Schink die Installation.

Die Künstler und Elisabeth Schink (links): Marco Henkenjohann, Astrid Feuser und Carolin Koenders (v.l.). FOTO: Gottfried Evers

Begrüßt wird der Besucher des Projektraums an der Bahnhofstraße 25 von einem Band "krabbelnder" Ameisen, die Marco Henkenjohann auf einen langen Papierstreifen gesetzt hat. Ein Raport von sechs Ameisen als Linoldrucke wird ins schier Endlose vervielfältigt und zieht sich als Ameisenstraße durch alle Räume des Kunstvereins.

Die Ameisen und die kleinen Drucke der Insekten, die bei Vir3 in Goch entstanden, blicken auf die großen Frauen des Kölner Künstlers und Richter-Schülers Werner Reuber. Seine Drucke sind Unikate, werden nur einmal von der Platte abgezogen. In Kleve zeigt er ernste, schlanke Frauen auf hohen Formaten, die in der Natur stehen. Seine Druckstöcke sind unterschiedlich eingefärbt und werden wie bei Munch in einem einzigen Druckvorgang abgezogen.

Damit wird jeder Druck anders, zumal Reuber sie von Hand abdruckt. Die Druckstöcke stammen aus Abbruchhäusern, waren einmal Schrankrückwände, Linoleumböden.

Die Ameisenstraße führt auch in den hinteren Raum, in dem Brigitte Gmachreich-Jünemann neue Arbeiten präsentiert. Ihre schmalen Querformate zeigen Farb-Quadrate, denen reliefartig ein anderes Papier gegenübergestellt wurde - gegen das leuchtende Gold des Quadrates liegt ein gleich großes Quadrat Büttenpapier mit horizontalen Linien wie Spiegelungen auf dem Wasser. Diesen schmalen kleinformatigen Blättern hängte Gmachreich-Jünemann einen Grafik-Teppich gegenüber, dessen überlappende längliche Rechtecke mit schwarzen Gravuren einen tiefblauen Untergrund freigeben, wenn sie sich im Luftzug bewegen.

Bleiben im vierten Raum jene narrativen Bilder von Astrid Feuser mit ihren Schimären: Affen mit Menschenköpfen, Menschen mit Affenköpfen oder Klauen, Tiere mit Menschenhänden, Bienenköniginnen. "3 extrem gefährliche Mutanten die putzig aussehen es aber faustdick hinter den Ohren haben" heißt beispielsweise ein Blatt mit drei Schimären. "Ich lasse der Phantasie freien Lauf, der Kreativität, wenn ich mich ans Zeichnen setzen", sagt Feuser und füllt ihre Bilder mit überbordenden Geschichten dieser Phantasiefiguren.

Die Ausstellung wird am Samstag, 22. Oktober, 16 Uhr von Kleves Museumsdirektor Harald Kunde eröffnet. Geöffnet Sa und So 13 bis 17 Uhr. Bis 13. November.

Quelle: RP
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