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Kranenburg
Grenzfeste über sich hinausgewachsen

Kranenburg: Grenzfeste über sich hinausgewachsen
So sah die Grenzfeste für den Fotografen in einem angloamerikanischen Aufklärungsflugzeug am 18. Oktober 1944 aus. Auf den Auslöser gedrückt hat er, als die Maschine aus Richtung Niel den Ort Kranenburg mit der Frasselter Straße bis zur Ortsmitte im Visier hatte. FOTO: archiv
Kranenburg. Eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1944 zeigt: Das Umland des Kranenburger Ortskerns war noch weitgehend unbebaut. In einer ersten Maßnahme wurden Siedlungen auf Kirchenland errichtet. Von Hans Rühl

Die Luftaufnahme stammt vom 18. Oktober 1944, wohl aus der Kamera eines alliierten Aufklärungsflugzeuges. Unschwer ist der mittelalterliche Charakter der kleinen Grenzstadt zu erkennen. Die Kranenburger wohnen fast alle innerhalb der einstigen Mauern und Gräben. Aus dem dichten Baumbestand ragen die Spitzen der beiden Kirchen und des Mühlenturms heraus. Nur wenige Häuser findet man außerhalb der Umwallung. Innerhalb gab es einst mindestens einen Bauernhof, wie die Stadtscheune bezeugt. Das einen Monat nach der Luftlandung jenseits der nahen Grenze entstandene Kriegsfoto vom damals schon evakuierten Kranenburg hat einen singulären topografischen Wert. Nach sieben Jahrzehnten kam es aus Groesbeek von der SOHE-Stichting, einer niederländischen Organisation, die sich um historisches Erbgut kümmert, erstmals hierher.

Seit Kriegsende sind rund um den Stadtkern Neubaugebiete entstanden, die heute wie ein Kranz das historische Kranenburg einfassen. Schon nach 1950 boten katholische Pfarren interessierten Bauwilligen vielerorts Siedlungsland auf Pachtbasis an, was die Kosten für den Hausbau drückte.

Hier entstand so die Demersstraße. Fast diagonal durchzieht seit 1865 die Eisenbahn das Kranenburger Umland. Bäume verdecken den ehemaligen Bahnhof. Vom unteren Rand her betrachtet, zeigt das Foto rechts die Einmündung des Hett-steegs und links der Tiggelstraße in die Nimweger Straße. In dem kleinen Dreieck liegen heute unter anderem der Bauhof, am Eckpunkt nahe dem Rondell das Hotel Nimweger Tor. Links sieht man deutlich den einstigen Standort des Stadtschlosses. 1962 wurde auf diesem Grundstück die neue Christophorus-Volksschule erbaut (seit 1968 Grundschule). An die "Alde Börg" erinnert heute die nördliche Umgehungsstraße. Das dort 1975 errichtete Schwimmbad verschied im Jugendalter, das Gelände dient jetzt den Camping-Freunden.

Dicht an dicht stehen im Rohde-Baugebiet Häuser, während östlich davon der Sport seine Anlagen mit Fußball- und Tennisplätzen bekam. Von der Kurve an reihen sich heute entlang dem Großen Haag die Filialen des Einkaufszentrums aneinander. Anbauten erweiterten das Rathaus, während für die Klever Straße durchweg eine Lückenbebauung galt.

Ganz anders lief die Entwicklung ab Schnittpunkt Alte Bahn / Bahntrasse (oben links) in Süd- und Ostrichtung. Gegenüber der Neuenhofer Mühle, seit Ende 1944 ohne Flügel, hat der Gartenbaubetrieb M. Peters sich entfaltet. Zum Galgensteeg hin und darüber hinaus sind ganze Viertel entstanden.

Im "Dichterviertel" (die Straßen tragen Dichternamen) ging die Initiative von privater Seite aus. Ihr Begehren griff das Bauamt auf. Die 1973 fertiggestellte Hanna-Heiber- Schule bewog die Gemeinde, beiderseits des Galgensteegs durch Tausch oder Kauf neue Baugebiete zu erschließen.

In jüngster Zeit kam das Baugebiet Kranenburg-Süd hinzu. Vor allem die vor Jahren starke Nachfrage von Niederländern führte dazu, dass auch der Hettsteeg nördlich der Bahnstrecke rasch zugebaut war, so dass nach Westen auch das Baugebiet Richtersgut schnell seine Käufer fand, ebenso die Grundstücke nahe dem Klostergarten. Heute umgibt also ein Gürtel aus Neubaugebieten die Grenzfeste. Im Ortsbereich Kranenburg gibt es heute ca. 4470 Einwohner, 1953 bringen es Kranenburg (758) und Scheffenthum (1569) zusammen auf 2327. Das Haus im Grünen hat Konjunktur.

Quelle: RP
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