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Kleve
Grieth - ein Dorf mit Skyline

Kleve. Statt mit Auto oder Fahrrad lässt sich Grieth auch mit der Fähre erreichen. So machte es gestern die Kommission des Dorfwettbewerbs. 90 Minuten Information und Erleben. Von Anja Settnik

So seemännisch wie gestern kam der Fischerort Grieth schon lange nicht mehr daher: Alles, was mit Schiffen, Fischfang und dem Rhein zu tun hat, wurde gestern ins Spiel gebracht, um die Mitglieder der Kommission "Unser Dorf hat Zukunft" von der Qualität des alten Hansestädtchens zu überzeugen. Schon der Start war sehr originell: Mit der Rheinfähre "Inseltreue" wurde die Jury von der anderen Seite des Flusses abgeholt. Grietherort gehört bekanntlich zur Stadt Rees und wurde nur ausgesucht, weil die Überfahrt bestens geeignet ist, einen Blick auf die "Skyline" Grieths zu werfen.

Thomas Verfürden begrüßte die Kommissionsmitglieder an Bord der Fähre, die während der Sommermonate mittwochs, freitags und am Wochenende über den Rhein pendelt. Aufmerksame Passagiere sahen von Ferne den Kühlturm des Wunderlandes - auch ein touristisch interessantes Stück Kalkar - und ansonsten viel Grün, Kühe und bunte Fahnen. Grieth grüßt mit Kirchturm, Stadtmauer, einer schönen Ausflugsgaststätte, einigen weiteren Häusern und dem bunten Schiffermast.

Kaum an Land, legte der Shanty-Chor von Lilly Kostiv los und vermittelte mit Liedern von Heimweh, Fernweh und sonstigen Träumereien Seefahrerromantik. Wenige Momente später kam die Gruppe an Norbert Lamers vorbei, der in Matrosenhemd und Gummistiefeln bis heute im Nebenberuf (und im Auftrag der Forschung) Aalfischer ist und zeigte, dass er auch noch Netze flicken kann. Doch nur Sekunden hatte die Gruppe Zeit für ihn, denn mehr als 90 Minuten stehen auch den nettesten Dörfern für die Präsentation nicht zur Verfügung.

Die Historie von Grieth war den Besuchern zu diesem Zeitpunkt schon einigermaßen vertraut, denn Jochem Reinkens hatte bereits die schaukelnde Überfahrt genutzt, um den Gästen zu erklären, warum Grieth 1250 von Graf Dietrich VI. die Stadtrechte verliehen bekam, dass es Klevische Zollstation wurde und bekannt für seine Schilfproduktion war. Der alte Treidelweg, auf dem früher die Segelschiffe von Pferden zu Berg gezogen wurden, dient heute als Spazierweg. Apropos Treidel-Schifffahrt: Weil damals etwa 400 Pferde im Dienst waren, hatten auch zahlreiche Schmiede ihr Auskommen.

Willkommener Zufall, dass gerade am Donnerstag Wochenmarkt ist. Bis der Dorfladen, dessen Konzept auch vorgestellt wurde, fertig ist, können sich die Menschen immerhin dort versorgen (später natürlich auch noch). Frisches Obst und Gemüse, Brot und Fleisch ist bei den Marktbeschickern regelmäßig zu haben.

Bürgermeister Gerhard Fonck, der die Gäste erst am Steinboot begrüßte, das der Kalkarer Künstler Christoph Wilmsen-Wiegmanns geschaffen hat, musste sich ebenso wie die anderen "Werber" kurz fassen. Vielmehr als ein Dank für den Besuch der Jury und der Wunsch, man möge "schöne Eindrücke aufnehmen", war nicht unterzubringen. Und genau darauf kommt es bei der Bereisung ja auch an: Die Dörfer sollen zeigen, was sie haben und sich nicht in umfänglichen Wortbeiträgen verstricken.

Selbst im "maritimen" Grieth gibt es aber noch Themen außerhalb von Rhein und Fischfang. Die Gäste bekamen die Kirche St. Peter und Paul zu sehen, deren Ursprünge auf das 13. Jahrhundert zurückgehen und die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde. Die Griether sind stolz darauf, dass sie mit ganz viel bürgerschaftlicher Hilfe zu den ersten Gotteshäusern gehörte, die wiederaufgebaut waren. Der schöne Griether Markt mit dem Seniorenheim, der Kindergarten und die alten Straßenzüge des Ortes waren weitere Stationen auf der Tour.

Die Kommission gilt als unbestechlich und wird nach streng formulierten Kriterien entscheiden, wer die begehrten Plaketten des Landeswettbewerbs bekommt oder sogar weiter gewunken wird Richtung Bundesentscheid. Annegret Dedden, die Leiterin der Bewertungskommission, nimmt Eindrücke von vier schönen Kreis Klever Dörfern (und vielen anderen) mit nach Hause.

Quelle: RP
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