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Kleve-Griethausen
Griethausens Brücke wird 150 Jahre alt

Kleve-Griethausen. Die Eisenbahnfreunde Kleve/Goch und der Griethausener Heimatverein laden am 1. Mai zu einer Jubiläumsfeier an den Altrhein ein. Auch Franz-Josef Killewald aus Bimmen hat historische Fakten zu dem Denkmal gesammelt.

Sie rostet zwar seit vielen Jahrzehnten so langsam vor sich hin, aber sie ist dennoch etwas Besonderes: Die Eisenbahnbrücke über den Altrhein in Kleve-Griethausen gilt als älteste ihrer Art in Mitteleuropa - am 1. Mai wird das Denkmal 150 Jahre alt. Zu einer Jubiläumsfeier laden die Eisenbahnfreunde Kleve-Goch, denen das Bauwerk gehört, und die Heimatfreunde Griethausen gemeinsam ein.

Die Feier beginnt um 11 Uhr. Nach der Eröffnung durch Dietmar Reintjes, Vorsitzendes Heimatvereins Griethausen, wird der Bürgermeister der Stadt Kleve ein Grußwort sprechen. Im Laufe des Tages spielt nicht nur das Akkordeonorchester Bedburg-Hau, sondern auch Stadtführerin Hildegard Liebeton gibt als "Tante Minchen" manche historische Anekdote zum Besten. Die Mitglieder der Eisenbahnfreunde wollen in regelmäßigen Abständen zwischen 11.30 Uhr und 18 Uhr Wissenswertes über die Brücke vermitteln.

Und Historisches gibt es vieles über die älteste Eisenbahnbrücke Deutschlands zu berichten. Der Bimmener Franz-Josef Killewald, der sich als (Hobby-)Natur- und Tierfotograf in der Region seit Jahren einen Namen gemacht hat, hat aus unterschiedlichen Veröffentlichungen zahlreiche Fakten zur Geschichte der Brücke gesammelt.

Nur 30 Jahre nachdem die erste Dampflokomotive ("Adler") ihre Probefahrt von Nürnberg nach Fürth erfolgreich absolviert hatte, wurde von 1863 bis 1865 in Griethausen nach Planungen von E.H. Hartwich die 485 Meter lange Fachwerkbrücke gebaut. Für die Stahlkonstruktion verwendeten die Arbeiter Stahl mit langer Korrosionsbeständigkeit. (Puddelstahl). Die relativ schlanken Stahlprofile wurden mit Nietverbindungen gesichert.

Am 29. März 1865 erfolgte nach zweijähriger Bauzeit die Abnahme der Trajektlinie - der Rheinstrom wurde zwischen Spyck und Welle überquert - durch das preußische Ministerium. Güterverkehr rollte erstmals am 19. April 1865 über die Griethausener Brücke, am 21. April folgte der Personenverkehr. Vor der Eröffnung verkehrte bereits probeweise am 13. April der erste Güterzug und am 19. April der erste Personenzug auf der Strecke Zevenaar-Elten-Kleve zu ihrer Jungfernfahrt. Die offizielle Eröffnung der Trajektlinie fand am 1. Mai 1865 statt - ohne große Feierlichkeiten.

26 Jahre nach Fertigstellung der Altrheinbrücke fand am 22. und 23. Juni 1891 auf Anordnung der Betriebsverwaltung eine sorgfältige Untersuchung der Anlage statt. Zu diesem Zweck hatte man einen Zug mit drei der schwersten Lokomotiven und zehn schwerbeladenden Güterwagen zusammen setzen lassen, um damit bei einer Probefahrt die Belastbarkeit der Brücke zu überprüfen. Der Test verlief erfolgreich, die Brücke entsprach den statischen Erfordernissen.

Während zu Beginn der neuen Trajektlinie - besonders im Güterverkehr - Erfolge zu verzeichnen waren, kam es aus mehreren Gründen zu einem starken Rückgang bis zur völligen Einstellung der Fährverbindung im Jahre 1912. Dass Trajekt unter Eisgang und Hochwasser zu leiden hatte, mag ein Grund für die Aufgabe gewesen sein. Der Personenverkehr wurde bis 1960, der Güterverkehr zu den Ölwerken Spyck bis 1987 durchgeführt. Danach wurde die Strecke endgültig stillgelegt. Seit 1984 ist die Griethausener Eisenbahnbrücke in der Denkmalliste verzeichnet.

Ein späterer Plan zur Wiederbelebung der alten Bahnstrecke Griethausen - Spyck sah vor, historische Dampflokomotive mit Speisewagen langsam durch die niederrheinische Landschaft rollen zu lassen. Doch das Vorhaben kam aus wirtschaftlichen Gründen und wegen fehlender Sponsoren nicht zur Durchführung.

Viele Besucher des Jubiläumsfestes am 1. Mai in Griethausen werden sich wohl in einer Hoffnung einig sein: Dass in gewissen Zeitabständen die Stahlkonstruktion von Fachleuten auf ihre Standsicherheit überprüft und - falls erforderlich - durch Sanierungen erhalten wird, damit noch viele Generationen sich an dieses einmalige Baudenkmal bestaunen können.

Quelle: RP
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