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Kleve
Großes bewirkt - bescheiden geblieben

Kleve. Maria Kisters starb am Montag im Alter von 86 Jahren. Die Ehrenbürgerin der Stadt Kleve wird am kommenden Dienstag auf dem Klever Friedhof beigesetzt. Ein Kondolenzbuch liegt ab Sonntag für alle Bürger in der Unterstadtkirche aus. Von Marc Cattelaens

Diejenigen, die dabei waren, werden sich in diesen Tagen an einen großen Moment erinnern. Es ist mucksmäuschenstill im Museum Kurhaus, als Karl und Maria Kisters am 28. April 2006 die Ehrenbürger-Urkunde der Stadt Kleve entgegennehmen. Als Karl Kisters die ersten Worte seiner Dankesrede spricht, geht ein Raunen durchs Publikum: "Diese Ehrung zeigt mir, dass wir offensichtlich in der Vergangenheit nicht alles falsch gemacht haben." So war das Unternehmer-Ehepaar, das in Kleve wahrlich Großes bewirkt hat: bescheiden und bodenständig.

Am Montag ist Maria Kisters ihrem 2008 verstorbenen Mann in den Tod gefolgt. 86 Jahre alt wurde die Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann so viel Gutes für die Stadt Kleve und ihre Bürger getan hat. Die Eucharistiefeier für Maria Kisters ist am Dienstag, 19. April, ab 10 Uhr in der Unterstadtkirche St. Maria Empfängnis in Kleve. Anschließend findet die Beisetzung auf dem Klever Friedhof statt. Gebetet wird für die Verstorbene am Sonntag, 17. April, ab 18 Uhr in der Unterstadtkirche.

Zusammen mit seiner Frau gründete Karl Kisters 1957 im Menke-Haus am Ufer des Spoykanals eine Firma für Verpackungsmaschinen. 1967 zog der Betrieb in das frühere Klever Wasserwerk an der Flutstraße. 1984 wurde das Gelände an der Boschstraße, auf dem die heutige KHS angesiedelt ist, bezogen. 50.000 Quadratmeter Grund hatten Kisters dort gekauft. Die Unternehmer waren in der Firma mehr als bloß Chefs: Karl und Maria Kisters hatten eine Vater- und Mutterrolle für die Mitarbeiter inne. Und noch mehr zeichnete den rührigen Erfinder und die tüchtige Geschäftsführerin aus, wie Kleves damaliger Bürgermeister Theo Brauer bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft so treffend beschrieb: Verantwortungsbewusstsein, Treue, Vertrauen und Großherzigkeit.

Als die Rheinische Post im Jahr 2011 ihre Leser fragte, wer für sie der größte Sohn der Stadt sei, mussten sie nicht lange überlegen - die Wahl fiel auf Karl Kisters. Die Verdienste für die Stadt Kleve, die er sich gemeinsam mit seiner Frau Maria erwarb, sind groß: Im Laufe der Zeit stellte das Ehepaar für verschiedene Projekte ein Vermögen von mehr als 20 Millionen Euro zur Verfügung. Beide setzten sich für ihre Heimat ein. Die Karl-und-Maria-Kisters-Stiftung half zum Beispiel beim Bau von Kindergärten oder der Klever Klosterpforte, auch ein Beatmungsgerät für die Neugeborenen-Station im St. Antonius-Hospital spendete die Stiftung. Als 1987 das alte Kolpinghaus abgerissen wurde, war das Ehepaar Kisters zur Stelle. Als Förderer der Kolpingsfamilie und dessen Ehrenmitglied schenkte ihr Karl Kisters gemeinsam mit seiner Frau Maria ein neues Gebäude. Damit hatte das Ehepaar der Klever Kolpingsfamilie wieder ein Zuhause und der Stadt mit ihren vielen Vereinen eine "gute Stube" gegeben.

Als sein Unternehmen verkauft werden sollte, hatte das Ehepaar Kisters zur Bedingung gemacht, dass der Standort Kleve erhalten bleibt und die Mitarbeiter in der Kreisstadt ihren Arbeitsplatz behalten konnten. So kam es dann auch. Es war schon immer ein Wunsch von Karl und Maria Kisters, dass im Kleverland in den technischen Berufen ausgebildet wird, dass die Kompetenz vor Ort bleibt, dass die jungen Leute in der Region Arbeit finden und wohnen bleiben. Also gründete das Unternehmer-Ehepaar die Stiftung für Aus- und Weiterbildung, die auch heute noch vielen jungen Menschen einen guten Start ins Berufsleben ermöglicht.

Bei allen Auszeichnungen und dem großen beruflichen Erfolg lebte Karl Kisters und seine Frau Maria stets nach einem Ausspruch Adolph Kolpings, der lautet: "Die wahre Frömmigkeit ist demütig und bescheiden."

Die Stadt Kleve wird anlässlich des Todes ihrer Ehrenbürgerin ein Kondolenzbuch auslegen, in das sich die Bürger eintragen können. Das ist zu folgenden Zeiten in der Unterstadtkirche St. Mariä Empfängnis an der Kavarinerstraße möglich: Sonntag, 17. April, von 10 bis 12.30 Uhr und von 16 bis 18 Uhr, Montag, 18. April, von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, Dienstag, 19. April, von 10 bis 12 Uhr sowie Mittwoch, 20. April, von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
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