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Kleve
Großes Wiedersehen am "Stein"

Kleve: Großes Wiedersehen am "Stein"
Beim Tag der offenen Tür zum 200. Geburtstag des Freiherr vom Stein-Gymnasiums konnte das Schulgebäude ausgiebig begutachtet werden. FOTO: van Offern Markus
Kleve. Hunderte ehemalige Schüler feierten gemeinsam mit vielen Lehrern den ganzen Tag über im ältesten Gymnasium der Stadt Kleve. Sie alle sind Teil der 200-jährigen Geschichte der Schule. Viele Erinnerungen wurden ausgetauscht. Von Marc Cattelaens

In langen Reihen im strömenden Regen vor der Schule anstehen, nur um reingelassen zu werden - auf diese Idee wären viele Schüler früher bestimmt nicht gekommen. Jetzt, mit vielen Jahren oder gar vielen Jahrzehnten Abstand haben sich die Dinge geändert. Man nimmt das lange Warten, die nasse Kleidung gerne im Kauf, denn drinnen warten weder Hausaufgabenkontrollen, Tests noch Klausuren, sondern Freunde, die man lange nicht wiedergesehen hat, gute Gespräche - und Bier vom Fass.

Anlässlich des 200-jährigen Bestens des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums hatten die Schulleitung um Rektor Timo Bleisteiner für Samstagabend, im Anschluss an das Schulfest, zum Klassentreffen im Riesenformat geladen. Einige Monate hatten die Vorbereitungen gedauert. Zunächst kamen die Anmeldungen im Online-Verfahren nur schleppend. Etwa eine Woche vor dem großen Fest war dann aber klar: Der Andrang ist riesig, das wird ein Fest der Superlative.

Vor Aberhunderten von Gästen beim Ehemaligen-Treffen gab auch die ehemalige Lehrerband Kostproben ihres Könnens. FOTO: Markus van Offern

Obwohl Bleisteiner schon seit 2007 am Stein-Gymnasium ist, stellte er sich zur Begrüßung erst einmal vor. Denn viele der Gäste hatten ihr Abitur schon weit früher gemacht und und wussten gar nicht, wer da vor ihnen steht. "Viel werden jetzt sagen: ,Ich erkenne Herrn Risse gar nicht wieder'", sagte Bleisteiner in Anspielung an einen ebenfalls Anwesenden, der das "Stein" 20 Jahre lang geleitet hatte. Dann legte die ehemalige Lehrerband los. Sänger Joachim Marx gab extra für das "Stein"-Jubiläum umgedichtete Rock-Songs zum Besten.

Wer lange nicht mehr in seiner alten Schule war, hatte eigentlich keine großen Probleme sich zurechtzufinden. Denn allzuviel hat sich - zumindest räumlich - in den vergangenen Jahrzehnten nicht verändert. Doch weil die Neugier meistens siegt, begaben sich fast alle Gäste, angeführt von jeweils einem Lehrer, in Gruppen auf eine Reise durch das Gymnasium. Religions- und Physiklehrer Christian Lennartz berichtete den "Ehemaligen", dass die Abitur-Stufen heute weit mehr als 100 Schüler zählen. Das erstaunte Viele, denn ihre alten Jahrgangsstufen waren damals deutlich kleiner. Ein Problem, das noch vor 20 Jahren keines war: Mobiltelefone. "Für den Unterricht ist der Gebrauch erlaubt, außerhalb des Unterrichts konfiszieren wir die Handys. Sie kommen dann für eine Woche in den Tresor", sagte Lennartz.

Moderne Technik hat inzwischen in vielen Klassenräumen Einzug gehalten. Da gibt es W-Lan, Smart-Boards und im Musiksaal Dolby Surround. Vorbei die Zeiten, in denen Schüler oder Lehrer quadratmetergroße Landkarten durch die Schule schleppten. Heute liegt der Diercke Weltatlas nicht mehr im Tornister, sondern wird digital an die Wand projiziert.

Andererseits wirken besonders die großen Säle, Musiksaal, Kunstsaal und Aula wie konserviert. Das Klavier aus den 50er Jahren, ebenso die langen Gardinen und das Rednerpult.

Immer noch da: das Versteck hinter der losen Holzvertäfelung in der Aula. Der bevorzugte Ort, um sich einzuschließen und später dann die Mitschüler nachts zum Abisturm in die Schule zu lassen. Doch Lennartz machte zukünftigen Generationen wenig Hoffnung: "Wir kennen das Versteck."

Verschwunden hingegen ist das Sprachlabor. Dort, wo "Englischlehrer Mr. Harper, der Magier, seine Zuhause aufgenommen Kassetten abgespielt hat", so Lennartz. "Und wo der Lehrer gnadenlos das Mikrofon auf einen Schüler freischalten konnte, so dass jeder hören konnte, welch schlechtes Englisch der da gerade von sich gab", ergänzte ein ehemaliger Schüler älteren Jahrgangs sehr zum Schmunzeln der übrigen Gäste. "Irgendwann stellte die Schulleitung dann fest", so Lennartz, "dass es keine Ersatzteile mehr gab und dass Mr. Harper der einzige war, der das Sprachlabor noch nutzte, und dann wurde es eben abgebaut."

Nach den Rundgängen war dann noch viel Zeit für Gespräche über die alte Schulzeit. Im Bio-Raum fanden sich die ehemaligen Jahrgangsstufen zusammen, um Fotos von sich machen und später per E-Mail zuschicken zu lassen.

Es wurde noch eine lange Nacht, in der sich gute und manchmal auch schlechte Erinnerungen an die alte Schule vermischten, in der häufig angestoßen wurde, auf eine Zeit, die nicht mehr wiederkommt, und auf alles andere, was jetzt noch vor uns liegt.

Quelle: RP
 
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