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Feuerwehr in Kleve
Gut aufgestellt

Feuerwehr in Kleve: Gut aufgestellt
Die Lehrgangsteilnehmer und ihre Ausbilder sind vor der Klever Wache angetreten. Ganz vorne steht Andrea Jansen aus Nütterden, neben ihr noch sieben weitere angehende Feuerwehrfrauen. FOTO: MVO
Kleve. Bundesweit geht die Zahl der freiwilligen Feuerwehrleute zurück. Im Kleverland ist sie auf hohem Niveau stabil. Doch es gibt auch hier Probleme. Von Peter Janssen

Es ist kurz vor 19 Uhr, dunkel, diesig und unter dem Gefrierpunkt. Einfach ungemütlich. Andrea Jansen (18) steht mit einer Gruppe in der Klever Feuerwehrwache. Sie trägt eine Arbeitshose mit breiten Trägern. Unter diesen ist auf ihrem blauen Sweatshirt halb verdeckt die Aufschrift "Löschzug Nütterden" zu lesen. Vor der Wache wird es unruhig. Die 18-Jährige zieht eine Jacke mit reichlich Reflektorenstreifen über. Die Kleidung ist dick und unbequem.

"Antreten", ruft eine Stimme über den Hof. Die Frauen und Männern stellen sich in zwei Reihen vor dem Feuerwehrhaus auf. Alle, die hier in der Dunkelheit auf dem Platz stehen, haben ein Ziel: Sie wollen Feuerwehrmann oder -frau werden. Voraussetzung dafür ist die erfolgreiche Teilnahme an der Grundausbildung, die im Fachjargon Modul 1 genannt wird. 80 Lehrgangsstunden müssen innerhalb von zwei Monaten absolviert werden. Montags oder mittwochs vier Stunden und samstags noch einmal sechs, geben der Woche Struktur. Andrea Jansen ist eine der 34 Kursteilnehmer. So viele waren es lange nicht mehr. Sonst werden höchstens 25 zugelassen. Doch war die Nachfrage zu groß. Ausschließlich Kranenburger und Klever Kameraden dürfen an der Fortbildung teilnehmen.

Andrea Jansen wohnt in Nütterden und studiert Physiotherapie in Nimwegen. Sie ist, was die Feuerwehr betrifft, familiär vorbelastet. Ihr Vater Norbert Jansen ist stellvertretender Kreisbrandmeister und Chef der Kranenburger Wehr. Mit zehn Jahren wurde sie Mitglied im Löschzug Nütterden. "Ich bin da hineingewachsen. Zusammen mit Freundinnen, von denen ich einige seit der Krabbelgruppe kenne, nehme ich jetzt an der Ausbildung teil", sagt sie. Das Hobby Feuerwehr kostet der 18-Jährigen vor allem eins: Zeit. Neben dem Kursus ist an jedem Freitag noch Übungsabend. Wer bei den Einsätzen dabei sein will, muss hier die geforderte Stundenzahl vorweisen können. Denn das Wesen der freiwilligen Feuerwehr ist geprägt von Vorgaben und Disziplin. Ein ungeschriebenes Gesetz lautet hier: Nur Eintritt und Austritt sind freiwillig. Dazwischen gibt es ausschließlich den Dienst.

Auf diesen Dienst freut sich auch Valon Ahmeti (32). Er kommt aus dem Kosovo. Seitdem er in Deutschland ist, will er zur Wehr. "Schon bevor feststand, dass ich hier bleiben kann, habe ich mich gemeldet", sagt er. Andern helfen, ohne sofort etwas dafür zu bekommen, ist ein Grund für sein Engagement. Auch die Kameradschaft ist ihm wichtig: "Hier musst du dich immer auf den anderen verlassen können."

Es sind genau diese Bevölkerungsgruppen, zu denen Andrea Jansen und Valon Ahmeti gehören, mit denen es die Feuerwehr schafft, die Mannstärke hoch zu halten. Auf Einwanderer und Frauen will und muss die Wehr verstärkt zugehen. Im aktuellen Klever Lehrgang ist bereits jeder vierte Teilnehmer eine Frau. Sie sorgen mit dafür, dass es im Kreis zu keinen großen personellen Engpässen kommt. Bundesweit hingegen nimmt die Zahl der Freiwilligen rasant ab. Tausende Männer gehen den Wehren jedes Jahr verloren. Jürgen Buil (53) ist Stadtbrandinspektor in Kleve und Lehrgangsleiter. Er ist seit 35 Jahren bei der Wehr und betont: "Klar, es könnten immer mehr sein. Aber klagen können wir hier nicht." Über Jahre hinweg gibt es in Kleve 350 aktive Kameraden und in Kranenburg 150. Es ist nicht die schwindende Mitgliederzahl, die der hiesigen Feuerwehr zu schaffen macht.

"Die Tagesverfügbarkeit macht uns große Sorgen", sagt Norbert Jansen (55). Was bedeutet: Waren früher auch tagsüber immer ausreichend Brandbekämpfer vor Ort, fehlen jetzt ständig mehr. Der Grund dafür ist, dass die Arbeitsstelle etlicher Kameraden nicht mehr vor der Haustüre liegt. "Zwischen sieben und 17 Uhr ist die problematische Zeit", erklärt Jansen. Man versucht die Engpässe dadurch auszugleichen, indem jetzt stets mehrere Einheiten parallel alarmiert werden.

Ebenfalls große Schwierigkeiten bereitet die Einhaltung einer gesetzlichen Vorgabe. Nach der Alarmierung müssen die ehrenamtlichen Helfer innerhalb von acht Minuten - je nach Gefahrenlage - in vorgeschriebener Mannschaftsstärke vor Ort sein. Kreisbrandmeister Reiner Gilles (57) gibt zu: "Die acht Minuten sind nicht immer einzuhalten." Es dauert allein schon deshalb länger, weil jetzt Wachen zu Einsätzen gerufen werden müssen, die weiter entfernt liegen. Das kostet wertvolle Zeit. Ein Hauptgrund für die längeren Anfahrtszeiten ist die Situation auf der Straße. So ärgert es die Feuerwehr, dass die Sucht nach dem Einbau verkehrsberuhigender Maßnahmen keinen Halt macht. Wo es nur gehe, würden Schwellen eingebaut oder Blumenkübel auf die Straße gestellt. Auch jeder Kreisverkehr verlangt den Fahrern der Löschfahrzeuge besondere Fähigkeiten ab. Deshalb fordert Gilles, dass die Feuerwehr bei der Verkehrsplanung dringend mit an den Tisch gehört. Denn der Verkehr zwischen Kranenburg und Wachtendonk nimmt stets zu. Nach Informationen unserer Redaktion ist die Zahl der auf den Kreisstraßen Verunglückten 2017 sogar gegen den Landestrend stark gestiegen.

Damit die Anfahrtszeiten so kurz wie möglich sind und weil eine schnelle Hilfe auch Leben retten kann, dafür treten Andrea Jansen und Valon Ahmeti zweimal in der Woche vor der Klever Wache an. Heute endet der Unterricht für sie um 22.10 Uhr. Thema war die FwDV 3, die Grundvorschrift der Gruppe im Einsatz. Es ging darum, wer wo im Einsatzwagen sitzt und welche Aufgaben er damit hat.

Als sich alles auf den Heimweg macht, kommt eine junge Feuerwehrfrau auf Lehrgangsleiter Buil zu. Sie hat Probleme mit ihren Handschuhen und fragt: "Gibt es die denn nicht ein paar Nummern kleiner?" Buil ist skeptisch, verspricht jedoch, sich darum zu kümmern. Denn geholfen wird jedem, egal wo's brennt.

Quelle: RP
 
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