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Weichenstellungen für Generationen (5)
Hafen Emmerich - eine Erfolgsgeschichte

Weichenstellungen für Generationen (5): Hafen Emmerich - eine Erfolgsgeschichte
Der Hafen Emmerich in voller Pracht aus der Vogelperspektive betrachtet. FOTO: Contargo
Kleve. Rhein-Waal-Terminal ist den Nordseehäfen Rotterdam sowie Antwerpen näher als jeder andere deutsche Binnenhafen. Inzwischen platzt die 35000 Quadratmeter große Anlage aus allen Nähten, die Kapazitäten müssen vergrößert werden. Von Dieter Ackermann

Der Rhein-Waal-Terminal Emmerich ist den bedeutenden Nordseehäfen Rotterdam sowie Antwerpen näher als jeder andere deutsche Binnenhafen. Bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts reicht seine Tradition zurück. Das erste Hafenbecken wurde 1640 urkundlich erwähnt. Heute umfasst die moderne Hafenanlage mehr als 35000 Quadratmeter mit einer Uferlänge von 1000 Metern zu Umschlagszwecken. Was diese Eckdaten für den wirtschaftlichen Stellenwert des Hafens bedeuten, weiß keiner besser als Geschäftsführer Udo Jessner.

Die Anlegestelle am Rheinpark, im Hintergrund zu sehen der Containerterminal. FOTO: Endermann

Im Gespräch mit der RP beeindruckt er zunächst mit der Entwicklung des wasserseitigen Containerumschlags von 1995 bis 2014. Als internationale Container-Vergleichsgröße ist hier stets von TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) die Rede. Wurden im Emmericher Hafen 1995 noch etwas mehr als 20000 TEU über die Wasserkante umgeschlagen, lag dieser Jahreswert im vergangenen Jahr - laut Jessner - schon bei 115583 TEU. Und diese Erfolgsgeschichte soll damit noch längst nicht abgeschlossen sein. Aber auch der bahnseitige Containerumschlag habe sich von 10225 TEU im Jahr 2011 auf 20053 TEU im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Insgesamt seien 2014 damit 135636 TEU in Emmerich umgeschlagen worden.

Interessant sei ferner ein Blick auf Ziel und Quelle der umgeschlagenen Container. Dabei stellt sich schnell heraus, dass die Logistikbranche jenseits der Landesgrenze (in Qs Heerenberg, Doetinchem und Arnheim) mit einem bedeutenden Anteil von etwa 35 Prozent am Container-Umsatz in Emmerich beteiligt ist. Die Spediteure aus Emmerich bringen es auf etwa 41 Prozent, die Bocholter auf neun Prozent, ihre Kollegen aus dem Raum Wesel auf 5 Prozent und vom linken Niederrhein gerade einmal auf zwei Prozent. Jessner weiß, dass zum Beispiel viele Logistiker aus dem Nachbarland unverblümt mit ihrer Nähe zum Emmericher Hafen werben, an dessen weiterem Wachstum sie folgerichtig stark interessiert sind.

Auch die Prognosen unabhängiger Institute lassen - so Jessner - keinen Zweifel daran, dass der Rhein-Waal-Terminal bis 2025 mit einem durchschnittlichen Jahres-Zuwachs von drei Prozent rechnen kann. Da sei sogar von einem prognostizierten Gesamtumschlag (im Jahr 2025) von 180000 TEU die Rede. Bei der Ansiedlung eines größeren Logistikers könnte dieser Umsatz noch deutlich früher erreicht werden. "Aber", so fährt der Geschäftsführer fort, "dieser Gesamtjahresumsatz wäre heute von uns gar nicht abzuwickeln." Der Hafen habe ein Problem: Die vorhandenen Kapazitäten seien bereits weitgehend ausgelastet und neue nicht von heute auf morgen zu beschaffen.

Voraussichtlich am schnellsten sei eine Verbesserung der Situation wohl durch die Kooperation mit dem Terminal Emmelsum (Wesel) zu realisieren. Mit der angedachten ersten Ausbaustufe könnte nach Auskunft Jessners eine Umschlagkapazität von etwa 60000 TEU erreicht werden, wodurch die Frachtströme auf dem Rhein zwischen beiden Häfen verteilt und gemeinsam abgewickelt werden könnten.

Ein anderer Lösungsansatz für die dringend benötigte Ausweitung der Umschlags-Kapazitäten wäre der Um- oder Ausbau der vorhandenen Hafenflächen in Emmerich. Zwar hielten die Stadt Emmerich und der Kreis Kleve diese Perspektive für zwingend notwendig - die Frage sei halt nur, wie dies umgesetzt werden könnte. Jessner: "Der nördliche Bereich unseres Grundstücks kann aufgrund der vorhandenen Bebauung nicht unmittelbar an das Hafenbecken angebunden werden." Dann gäbe es zwar noch eine Uferfläche südlich des Hafens, die sich als Entwicklungsfläche perfekt eignen würde - nur befinde sich dieser Bereich als FFH-Fläche unter Naturschutz. Und dem Geschäftsführer sind die mit einer solchen Planänderungen verbundenen Probleme durchaus bewusst: "Daher rechne ich nicht damit, dass wir mit diesem Projekt innerhalb der nächsten drei Jahre weiter kommen."

Aber die Rhein Waal Terminal GmbH hat noch weitere Pläne, um den trimodalen Standort (Wasser, Schiene, Autobahn) in Emmerich noch besser aufzustellen. "Mit dem Ausbau unserer Logistikregion rund um den Hafen akzeptieren wir ein Mehraufkommen von Verkehr, allerdings keinesfalls ohne die damit verbundene verbesserte Wertschöpfung durch den Hafen", und der Geschäftsführer hat da auch schon konkrete Vorstellungen von Entwicklungsflächen für die Logistik. So sollen eigene Gewerbeflächen an Logistiker vermarktet werden, die auf Dauer die Container-Umschläge im Hafen auf Wachstumskurs halten würden. Eine zentrale Rolle solle dabei ein grenzüberschreitendes Modell-Projekt an der Landesgrenze bei Qs Heerenberg spielen. Jessner: "Weil die Erschließung unserer dortigen Fläche von Emmerich aus zu aufwendig und damit zu teuer wäre, möchten wir diesen Bereich gerne in Kooperation mit der Stadt Qs Heerenberg von den Niederlanden aus erschließen." Höchster Anerkennung für seine erfolgreiche Arbeit kann sich der Emmericher Hafen auch vom Kreis Klever Landrat Wolfgang Spreen sicher sein. Er bedauerte es im RP-Gespräch sehr, dass diesem "hidden Champion" von der Landesregierung noch nicht der Stellenwert zugestanden werde, der ihm zustehe. "Dieser boomende Hafen platzt längst aus allen Nähten", und Spreen fuhr fort, "deshalb setzt der Kreis Kleve alles daran, die heutige Einstufung des Hafens Emmerich in der Landesplanung als nicht landesbedeutsam durch eine sachgerechte Einstufung mit den daraus resultierenden Konsequenzen zu korrigieren." Daran arbeite man nicht zuletzt mit Blick auf die zu erwartenden zusätzlichen Arbeitsplätze.

Quelle: RP
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