| 00.00 Uhr

Kranenburg-Nütterden
Hanfplantage - im Bauernhaus abgrasen

Kranenburg-Nütterden: Hanfplantage - im Bauernhaus abgrasen
In der alten Katstelle auf der Römerstraße in Nütterden wurde die Hanfplantage entdeckt. FOTO: Gottfried Evers
Kranenburg-Nütterden. Beim Löschen eines Dachstuhlbrandes entdeckten Feuerwehrleute etwa 600 Cannabispflanzen. Im Ober- und Untergeschoss hatte der Hausbesitzer die Nutzpflanze gezüchtet. Ein Kurzschluss war wohl die Ursache für das Feuer. Von Peter Janssen

"Die kamen meistens im Dunkeln", sagt Dachdeckermeister Jörg Matenaer (51). Die, das sind seine Nachbarn von der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit einem Transporter seien sie regelmäßig vorgefahren, berichtet der 51-Jährige. Das Auto war mit Schriftzügen eines Gartenbaubetriebs versehen, so Matenaer. "Ist ja auch was Wahres dran", sagt er. Denn mit Pflanzen hatten "die von Gegenüber" wirklich viel tun.

Die Gewächse, die in der Nachbarschaft des Dachdeckermeisters angebaut wurden, waren Hanfpflanzen. Am späten Donnerstagabend wurde die Plantage mit etwa 600 Pflanzen in dem alten Bauernhaus entdeckt - von der Feuerwehr. Die war alarmiert worden, weil ein an dem Haus vorbeilaufender Jogger Rauch gesehen hatte, der aus dem Dachstuhl aufstieg.

Das Material für die Aufzucht von Cannabis fanden die Ermittler im angrenzenden Schuppen des Hauses. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Für die erfahrenen Wehrleute aus Kranenburg und Nütterden dürfte die Anfahrt länger gedauert haben, als das Löschen des Brandes. In ein paar Minuten hatte man die Lage unter Kontrolle. Doch was die Brandbekämpfer im Haus fanden, beschäftigt seit gestern die Polizei.

Im Ober- und Erdgeschoss wurde Cannabis angebaut. Es war eine beachtliche Zucht. Bei dem Eigentümer des Hauses soll es sich um einen Iraner handeln, der in Kleve gemeldet ist. Wie man es in einer funktionierenden Nachbarschaft macht, hatte er sich im September bei Matenaer vorgestellt. "Der machte eigentlich keinen verkehrten Eindruck und sprach sehr gut Deutsch", sagt der 51-Jährige. Doch war der Iraner nicht der Einzige, der sich um Katstelle und Zucht kümmerte. Jeden Tag sei ein jüngerer Mann gekommen, meistens wenn's dunkel war, sagt Jörg Matenaer.

Die Männer hatten alle Fenster des ehemaligen Bauernhauses abgeklebt. Auf ein wohnliches und gepflegtes Eigenheim legten die Mieter keinen gesteigerten Wert. Am Tor hatte man ein Schild angebracht, auf dem ein Hund zu sehen war, versehen mit dem Schriftzug: "Hier wohne ich". Gewohnt hat dort nicht einmal ein Hund - hier wurde nur gezüchtet.

Gute Bedingungen fand die Polizei für den heimischen Anbau von Cannabis in der Kate vor. So wird für eine Aufzucht wird vor allem reichlich Licht benötigt. Trotz der großen Menge Energie, die dort verbraucht wurde, hielten sich die Abrechnungen des Versorgers in einem überschaubaren Rahmen. Den Strom für die Lampen hatten sich die Züchter illegal abgezapft.

Weil die Männer sich offenbar mit dem Thema Strom nicht so gut auskannten und dafür nicht die passenden Leitungen und Stecker gekauft hatten, ist es nach Informationen unserer Redaktion zu einem Kurzschluss gekommen, der den Brand auslöste. Das Equipment für die Aufzucht hatten die Männer im angrenzenden Schuppen untergebracht: Meterhoch waren dort Pflanzentöpfe gestapelt, Dämmplatten, Material für die Be- und Entlüftung und Elektroleitungen.

Die Kreativwirtschaft hätte für satte Gewinne gesorgt. Doch benötigten die Hanfpflanzen noch Zeit. Weniger als drei Monate konnten sie in Nütterden gedeihen. Zu wenig für den besten Ertrag. Sie hatten eine Höhe zwischen 60 und 70 Zentimeter erreicht. Die Ernte der ausgewachsenen Pflanzen dürfte etwa 60 Kilo bringen. Viermal im Jahr kann man den Bestand abgrasen. Für ein Kilo bekommt man durchschnittlich, je nach Güteklasse des Stoffs, etwa 5000 Euro. Demnach dürfte der jährliche Erlös bei ungefähr einer Million Euro liegen.

Die Gemeinde Kranenburg scheint kein gutes Pflaster für den Anbau von Hanfplantagen zu sein. Vor einigen Monaten hatte man im traditionsreichen "Hotel zur Post" auf der Großen Straße im Gemeindekern eine Hanfplantage entdeckt. Dort war im Erdgeschoss die Kegelbahn mit Cannabis ausgestattet worden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kranenburg-Nütterden: Hanfplantage - im Bauernhaus abgrasen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.