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Kleve
Hans-Uwe Schmidt: Maler, Lehrer, Politiker

Kleve. Schon 1975 waren seine Bilder im städtischen Museum Haus Koekkoek zu sehen. Seine prominenteste Schülerin ist Barbara Hendricks. Von Matthias Grass

Menschen in der Kiste. Eingepfercht wie ungeschützt. Der Karton ist offen, aber er beengt. Es sind entblößte, größtenteils nackte Figuren, die wie verloren in diesen Kartons mehr hängen, knien, gebeugt sind wie unter einer Last. Es sind strenge Zentralperspektiven, in die Schmidt seine Akte in den Karton setzt. "Es ist auch ein Rückgriff auf den Existenzialismus", sagt der Maler. Auf Nobelpreisträger Albert Camus und dessen "Unbehauste".

Seine neuen Bilder sind auch ein Rückgriff auf die Kunstgeschichte: "Ich war in s'Hertogenbosch in der Ausstellung zu Hieronymus Bosch", sagt er. Und in diesem Moment sieht man Boschs Panoptikum vor sich in den Kisten des Hans-Uwe Schmidt. In der für den Klever typischen Malerei, mit dezentem Farbaufstrich, eher grau-braunen Tönen, immer wieder freien Flächen auf der Leinwand. Es sind ganz neue Bilder, die Schmidt jetzt zeigt. Bilder von Menschen in der Kiste, in der die eigentliche Schönheit des Aktes durch das Eingesperrtsein in der unbehausten, offenen Kiste gebrochen wird.

Hans-Uwe Schmidt ist im Sommer 80 Jahre alt geworden. Bilder des Jubilars, des Künstlers, Lehrers und Politikers sind im Haus Koekkoek und ab Samstag im Projektraum.Bahnhof25 zu sehen, hier wie dort zusammen mit weiteren Künstlern. Im Projektraum hat Schmidt mit neuen Bildern aus 2017 den vorderen Raum (die Eröffnung ist heute um 16 Uhr durch Ron Manheim).

Schmidt lebt im Irgendwo der Niederung zwischen Griethausen und Kellen in einer zurückliegenden Kate, die Lebensraum und Atelier ist. Der gebürtige Wuppertaler hatte an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Bruno Goller studiert und gehörte zu den wenigen, die, auch angeregt durch seinen Lehrer Goller, wider den Trend gegenständlich malte und malt. Der mit seinen Szenen, mit seinen Reihen, mit seinen Eindrücken von Reisen Gesellschaft abbildete und politisch dachte - wie seine kleine Serie zum Kapp-Putsch zeigt. Schmidt kam 1963 als Kunsterzieher an das Johanna-Sebus-Gymnasium, diskutierte mit seinen Schülern nicht nur über Farbe und Perspektive. Seine prominenteste Schülerin war Barbara Hendricks, noch Bundesumwelt- und Bauministerin. Beide hatten eine große gemeinsame Freundin: Die SPD. Schmidt war für die Sozialdemokraten lange Jahre im Kreistag. Und doch fiel bei ihm neben dem Lehrer und dem Politiker der Künstler, der Maler nie hintenüber.

1975 öffnete Museumschef Guido de Werd ihm das Haus Koekkoek. 1977 lebte der Filmemacher Lutz Mommertz eine Zeit lang bei Schmidt, als er "Garten Eden" drehte. Seine Bilder waren weiter präsent, auch als Schmidt sich aus der Politik zurückzog. Jetzt, im Jahr seines 80. Geburtstags, gleich in zwei Ausstellungen.

Quelle: RP
 
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