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Düsseldorf/Bedburg-Hau
Haus Ausblick zieht um

Düsseldorf/Bedburg-Hau: Haus Ausblick zieht um
Die Tage von Haus Ausblick in Till-Moyland sind gezählt. Für die Bewohner geht es zunächst nach Düsseldorf. FOTO: Evers, Gottfried
Till-Moyland . Die fünf auf dem Tiller Hof betreuten Kinder und Jugendlichen, oft Mehrfachstraftäter, werden auf andere Einrichtungen nach Düsseldorf verlegt. Jetzt sucht die Diakonie eine neue Immobilie im Kreis Kleve. Von Matthias Grass

Drei Jahre hat Haus Ausblick, die Wohngruppe für jugendliche Intensivtäter, überstanden. Jetzt steht die Einrichtung der Kaiserswerther Diakonie in dem alten Bauernhof zwischen Till und Kleve vor dem "Aus". Die derzeit noch fünf hier betreuten Kinder und Jugendlichen und die Mitarbeiter werden vorübergehend nach Düsseldorf ziehen. Man habe das intensivpädagogische Konzept weiterentwickelt, sagte gestern Diakonie-Sprecherin Melanie Bodeck. Für eine Zukunft mit dem weiterentwickelten Konzept sei der Hof in Till aber nicht geeignet. Jetzt suche man nach einer größeren Immobilie im Kreis Kleve

In dieser Hofanlage im Kreis Kleve hatte die Kaiserswerther Diakonie seit 2008 die straffällig gewordenen Kinder und Jugendlichen mit dem Ziel betreut, sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Knapp 300 Euro kostete einer dieser Plätze pro Tag pro Person. Pro Kind stand ein pädagogischer Mitarbeiter bereit. Es gab einen Hausmeister/Techniker, eine Hauswirtschafterin, eine halbe Stelle für eine Psychologin. "Wir dürfen Kinder, die bis zu 70 Straftaten begangen haben, nicht alleine lassen", begründete Hilde Benninghoff-Giese, Fachreferentin der Kaiserswerther Diakonie ein Jahr nach der Eröffnung den enormen Aufwand. Aber der sei letzen Endes billiger als eine sonst vorprogrammierte Knast-Karriere. Bezahlt werden die Plätze von den Jugendämtern der Heimatgemeinden. Der Einzugsbereich ist fast 200 Kilometer groß.

Trainingsgruppe

"In Zukunft wollen wir den Bewohnern von Haus Ausblick an Ort und Stelle ein differenziertes Angebot zur Verfügung stellen", erläutert Thomas Pütz, Leiter des Bereichs Soziale Dienste der Kaiserswerther Diakonie, das neue Konzept. Nach Abschluss der Intensivmaßnahme sollen die Jugendlichen in eine Trainingsgruppe wechseln, in der die Betreuungsintensität flexibel an den individuellen Bedarf angepasst werden soll. Daran schließe sich eine weitere Verselbstständigungsphase an. Doch dazu fehlen die Räume in Till.

Um den Bewohnern von Haus Ausblick in Zukunft noch bessere Hilfestellungen zu geben, sollen sie in Zukunft in der ersten Verselbständigungsphase in kleineren Gruppen in einer Wohnung zusammenleben und in der nächsten Phase sogar die Möglichkeit haben, im eigenen Appartement den Sprung ins normale Leben zu schaffen. Damit wird sich die Zahl der verfügbaren Plätze von derzeit sieben auf 15 erhöhen. Das geht in Till nicht – und das sei ein wichtiger Stolperstein für die Therapie, sagt Bodeck.

Also benötigt die Kaiserswerther Diakonie eine neue Immobilie, die das erweiterte Angebot auch ermöglicht, so die Sprecherin weiter. "Ideal wäre eine Immobilie mit verschiedenen Gebäudeteilen umgeben von Wald und Wiese", sagt Thomas Pütz. Derzeit sucht die Kaiserswerther Diakonie im Umfeld des aktuellen Standortes. "Wir haben im Kreis Kleve ein sehr gutes und funktionierendes Netzwerk mit der Stadt, dem Kreis, der Polizei sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie des LVR und den Schulen aufgebaut. Darauf möchten wir weiter bauen", sagt Thomas Pütz.

(RP/jul)
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