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Kleve
Heimatkalender entdeckt Anna neu

Kleve: Heimatkalender entdeckt Anna neu
Anna von Cleve im Renaissance-Kostüm: Wilhelm Diedenhofen hat darüber geschrieben. FOTO: Kalender
Kleve. Der neue Kalender für das Kleverland auf das Jahr 2017 ist herausgekommen. Beiträge über Kunst, Geschichte, Natur und diverse Erinnerungen sind enthalten. Zu haben für 12,90 Euro im Buchhandel. Von Anja Settnik

Verleger Frank Wohlfarth war zur gestrigen Vorstellung des 67. Heimatkalenders letztmals in der Runde vertreten, denn er hat seinen Duisburger Mercator- und Boss-Verlag an eine Nachfolgerin verkauft. Von nun an führt Jutta Nagels die Geschäfte und ist begeistert von der Aussicht, die Tradition fortzuführen, denn "Heimatliteratur ist schwer im Kommen", versichert sie. Deshalb ist der neue Kalender in einer Auflage von 4000 Exemplaren erschienen, 2500 davon seien vorbestellt gewesen. "Rechtzeitig vor Weihnachten", merkte Elke Sanders an, sei das reich bebilderte Buch auf dem Markt - "auch für Neubürger, die im Kreis Kleve schnell heimisch werden möchten, sicherlich ein gutes Geschenk", ergänzte Landrat Wolfgang Spreen.

Der Kreis Kleve unterstützt seit vielen Jahren sowohl den Klever als auch den Geldrischen Heimatkalender. Dem Redaktionsteam des Nordkreis-Kalenders gehören Wilhelm Diedenhofen, Ursula Geisselbrecht-Capecki, Hans-Joachim Koepp, Wiltrud Schnütgen und Bert Thissen an. Letztgenannter macht sich insbesondere um den "Service-Teil" verdient, indem er aktuelle Veröffentlichungen zur klevischen Landeskunde zusammenträgt. Wer immer also tiefer in historische Inhalte einsteigen möchte, kann sich auf Thissens Vorarbeit stützen.

Wolfgang Spreen (v.l.), Wiltrud Schnütgen, Jutta Nagels, Bert Thissen, Ursula Geisselbrecht-Capecki und Wilhelm Diedenhofen stellten gestern den neuen Kalender für das Kleverland vor. FOTO: Evers

Die meisten Leser dürften mit dem Angebot auf den 224 Seiten des Kalenders zufrieden sein, denn die Aufsätze betreffen sehr verschiedene Themen. Einige Geschichten und Gedichte sind auf Platt - zum Beispiel die in die Jahreszeit passende Erzählung von Haki van Hezik "Stille Nacht". Jutta Nagels betonte, ihr sei wichtig, dass zum Historischen auch moderne Aspekte kommen müssten, um aus den Kalendern nachhaltige Werke zu machen.

Wilhelm Diedenhofen "verteidigte" die Auswahl der Deckblatt-Illustration: "Obwohl eigentlich Bedburg-Hau an der Reihe gewesen wäre, haben wir uns für den Spiegelturm der Klever Burg entschieden, weil ja das Stadtjubiläum ansteht." Das Kalendarium auf den ersten Seiten wird mit sechs Aquarellen von Hans-Rudolf Kremer aufgelockert. Die übrigen Beiträge beleben meist farbige Fotos und Reproduktionen anderer Bilder.

Manche der Autoren des Buches sind "Kultur-Archäologen", sagt Ursula Geisselbrecht-Capecki und meint damit zum Beispiel Reinhard Karrenbrock, der über ein in der Emmericher St.-Martini-Kirche neu entdecktes Buchpult aus dem späten 15. Jahrhundert schreibt. Sein Beitrag macht Lust darauf, die einst prunkvoll spätmittelalterlich ausgestattete Kirche zu besuchen. "Im Kalender gibt es auch Aufsätze über Themen, die den echten Klevern nicht fremd sind", erklärt Wiltrud Schnütgen. Wenn über das Brunnenhaus der Schwanenburg, über Anna von Cleve oder "Et Krüss" (die Legende von einer am Treppkesweg ermordeten Landfrau) geschrieben werde, sei das für Menschen, die noch nicht so lange in Kleve und Umgebung leben, bestimmt spannend, auch wenn manch' alter Hase nicht ganz so viel Neues lerne. "Wir dürfen uns nicht immer selbst zum Maßstab machen." In diesem Zusammenhang erwähnte Spreen die Klever Studenten (potenzielle Empfänger von Buchgeschenken), von denen leider viele zu wenig Deutsch könnten, um den Kalender lesen zu können.

Gerne habe das Redaktionsteam auch Beiträge aufgenommen, die die Erinnerungen von Mutter oder Großvater wiedergeben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Viele Leser dürften die Kapitel über das 200 Jahre alte Stein-Gymnasium oder die toten Fische am Reeser Mühlenturm finden. "Aber ich empfehle der Lektüre auch Spezialthemen wie das Flüsschen ,Wild' in Elten, das Vielen vermutlich gar nicht bekannt ist", erklärt Wiltrud Schnütgen.

Quelle: RP
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