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Kleve
Heimspiel: Jean Paul gastiert in Kleve

Kleve: Heimspiel: Jean Paul gastiert in Kleve
Seit fast 25 Jahren begeistern Ulf Schneider, Eckard Heiligers und Martin Löhr (v.l.) als Trio Jean Paul das Publikum mit ihrem zeitgenössischen Werk. FOTO: Stadt Kleve
Kleve. Das Trio Jean Paul rund um den gebürtigen Klever Pianisten Eckard Heiligers zählt zu den profiliertesten Kammermusikformationen der Gegenwart. Am Donnerstag, 14. April, gibt das Ensemble ein Konzert in der Stadthalle. Von Beate Wyglenda

"In Freundschaft" lautet der Titel des Konzertabends in der Stadthalle Kleve. Kaum passender hätte das charismatische Kammermusiktrio Jean Paul diesen auswählen können: Denn Freundschaft verbindet nicht nur die seit einem Vierteljahrhundert gemeinsam spielenden Musiker Eckard Heiligers (Piano), Ulf Schneider (Geige) und Martin Löhr (Cello). Freundschaftliche Verbindungen prägen auch nicht nur das exquisite Konzertprogramm mit einer "Fremden Szene" von Wolfgang Rihm, einer Triofassung des Streichsextetts Nr. 2 von Johann Brahms und dem 1. Klaviertrio seines Vertrauten Robert Schumann. Eine tiefe Verbindung hält der Pianist Eckard Heiligers auch zu der Schwanenstadt selbst.

Hier ist er geboren und aufgewachsen. Hier entflammte seine Leidenschaft für Kammermusik. "Ich freue mich darauf, wieder einmal in Kleve zu spielen", betont der international gefeierte Kammermusiker. "Ich fühle mich auf der Bühne der Stadthalle sehr zu Hause und bin gespannt darauf, viele bekannte Leute wieder zu sehen."

Bereits mit fünf Jahren begann Heiligers Klavier zu spielen. Seine Eltern schon hegten eine Liebe zu diesem Instrument. Gerne erzählt der heutige Spitzenpianist: "Als ich geboren wurde, hat mein Vater meiner Mutter ein Klavier geschenkt." Das Talent ist Heiligers also schon in die Wiege gelegt worden. Der Weg des Sprösslings war vom Schicksal bestimmt. "Meine Eltern haben mich immer gefördert, aber Druck oder Zwang hat es nie gegeben." Stattdessen lief der Privatunterricht spielerisch und locker ab. Heiligers Liebe zur Musik wuchs beständig.

Mit neun Jahren wechselte er zur Musikschule des Kreises Kleve (KMS) und genoss den Unterricht bei der Budapester Pianistin Julia Hechtl. "Ein großes Glück", wie Heiligers betont. "Sie war eine hervorragende Lehrerin und hat die Grundlagen sehr gut vermittelt, was mir später hilfreich war." Unter anderem hat ihr Gehörbildungsunterricht dazu geführt, dass Heiligers schon mit 15 Jahren besser hören konnte, als es die Anforderungen für einen Musikabschluss an einer Hochschule verlangen. Darüber hinaus motivierte sie das junge Talent, nebenbei noch Schlagzeug zu spielen. "Ich habe viele Jahre im Musikschulorchester gespielt", erzählt Heiligers. "Das war eine sehr anregende Zeit."

Schon damals gehörte Heiligers zu den Besten, so dass er sich mit 15 Jahren einen Platz als Jungstudierender am Robert-Schumann-Institut in Düsseldorf ergattern konnte. Nach seinem Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium verließ er Kleve endgültig und nahm mit 19 Jahren sein Studium bei Karl-Heinz Kämmerling in Hannover auf. "Zu dieser Zeit war für mich entschieden, dass ich meinen Weg in irgendeiner Weise mit Musik beschreiten wollte." Zahlreiche Konzerte und erfolgreiche Wettbewerbe bestärkten ihn. An einen kann sich Heiligers noch gut erinnern: Er war 22 Jahre alt und in Italien. "In der Vorrunde hat sich alles so verzögert, dass ich erst um 1.15 Uhr nachts zu spielen begann. Am nächsten Morgen ging es um 10 Uhr weiter", erzählt er lachend. "Da ich letztlich aber gewonnen habe, war es dann doch ein schönes Erlebnis."

An das Jetset-Leben musste sich Heiligers schnell gewöhnen. Drei Jahre lang absolvierte er ein Aufbaustudium bei Leon Fleisher in Baltimore, USA. Zurück in Europa, bekam er eine Stelle an der Züricher Hochschule der Künste angeboten, wo er noch immer als Professor für Klavier und Kammermusik tätig ist. "Neben dem Unterricht war es aber immer mein Wunsch, weiterhin aktiv Musik zu machen." Also gründete Heiligers 1992 zusammen mit Ulf Schneider und Martin Löhr das Trio Jean Paul, benannt nach Schumanns Lieblingsdichter. Seitdem reist das Spitzenensemble um die Welt, spielt rund 50 Konzerte im Jahr und begeistert das Publikum mit ihrem zeitgenössischen Werk. Auf den Bühnen der USA, Südamerikas, Australiens und Chinas sind sie schon gewesen - nun kommt das Trio an den Niederrhein. Etwas nervös ist Heiligers schon. "Doch ganz ohne Nervosität ist es schwer, seine Bestleistung zu bringen", sagt er.

Und die darf in der Stadthalle Kleve erwartet werden: Hier spielt das Trio eine Interpretation des Komponisten Wolfgang Rihm, dessen Werke dieses oft und auf beeindruckende Weise aufführte. Rihms Credo: Er plädiert "für eine undurchschaubare, klar, verwirrte und leidenschaftliche Musik, eine präzise und erstaunte, wie es die menschliche Existenz auch ist." Also ganz wie bei Schumann - von dem inspiriert, Rihm auch die Komposition der "Fremden Szene" entwickelte.

Quelle: RP
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