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Kleve
Helden auf vier Pfoten

Kleve. Vier Tage lang trainierten Menschen und Hunde einer niederländischen Rettungshundestaffel im Tiergartenwald den Ernstfall. Wenn ein Wanderer sich verläuft, oder ein Kind vermisst wird, sind Menschen und Hunde zur Stelle. Von Natalja Bruck

Konzentriert und wieselflink windet sich die braune Labradordame Ivy durch das dichte Unterholz und führt ihre menschliche Partnerin Patricia Vercauteren zu dem bewusstlosen Mann, der auf dem feuchten Waldboden liegt. "Gut gemacht", lobt Vercauteren ihre achtjährige Hündin, bevor sie den Bewusstlosen an der Schulter berührt. Das ist das Zeichen für Rinus Sentse, den Vorsitzenden der "Delta Reddingshonden", dass er jetzt wieder aufstehen darf. Im Ernstfall hätte Ivy mit ihrem Einsatz ein Leben retten können. Während Ivy nun spielen darf, geht die Arbeit mit den anderen Hunden weiter.

Die Delta Reddingshonden –Gruppe ist auf die Suche nach vermissten Personen in Waldgebieten spezialisiert. Jeder Hund hat ein "Bringsel" am Halsband hängen, ein Stück Leder oder Seil. Wenn der Hund die vermisste Person aufgespürt hat, nimmt er das Bringsel ins Maul, läuft zu seinem Führer und führt ihn zu dem Vermissten. "Unsere Hunde werden ausgebildet, nur Personen zu melden, die am Boden liegen", erklärt Sentse, "sie ignorieren Personen, die noch stehen oder gehen."

Die Ausbildung eines Rettungshundes dauert zwei Jahre, je nach Begabung und Charakter des Tieres. Die Schwierigkeit dabei ist, dass die Hunde sehr gehorsam sein müssen. Sie dürfen sich nicht durch Futter oder ein anderes Tier von ihrer Suche abbringen lassen. "Andererseits", so Patricia Vercauteren, "sollen die Hunde auch selbstständig denken, wenn wir sie auf die Suche nach Vermissten losschicken."

Dies dem Hund beizubringen, braucht Geduld, Zeit und Ausdauer seitens des Ausbilders. "Es ist ein bisschen, wie mit einem Kind", lacht Patricia Vercauteren, "man achtet auf die Stimmung und stellt sich darauf ein." Die Bindung zwischen Mensch und Tier ist so eng, dass die meisten Rettungshunde nur ihren menschlichen Teampartner gehorchen. Damit die intelligenten Tiere sich nicht zu sehr an ein Übungsgebiet gewöhnen, müssen sie in verschiedenen Wäldern trainiert werden. "Wir sind ständig auf der Suche nach Waldgebieten, die unsere Hunde noch nicht kennen", erklärt Sentse. Die Delta Reddingshonden-Gruppe arbeitet rein ehrenamtlich, alle Mitglieder haben neben ihrer Arbeit mit den Hunden normale Berufe. Trotzdem stehen sie rund um die Uhr zur Verfügung, wenn Polizei oder Feuerwehr wegen einer vermissten Person anruft. Eine große Belastung für die ehrenamtlichen Hundeführer, die Freizeit und Geld in ihre eigene Ausbildung und die ihrer Hunde stecken. Verständnisvolle Familienmitglieder und Arbeitgeber sind ein Muss. "Die meisten von uns kommen aus dem Hundesport und wollten etwas Soziales mit ihren Tieren machen", erklärt Rinus Sentse. Dass man bereits vielen Menschen geholfen hat, ist dabei Motivation genug für die Rettungshundeführer. An einen Fall erinnert sich Sentse besonders gerne: "Über die Polizei bekamen wir den Dankesbrief eines Mannes, der sich umbringen wollte. Die Hunde haben ihn vorher gefunden und ihm so das Leben gerettet." Die "Delta Reddingshonden" – Gruppe finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und Sponsoren. Spenden sind willkommen.

www.people.zeelandnet.nl/cn.drg

Quelle: RP
 
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