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Kreis Kleve
Helfer des DRK sorgen für Flüchtlinge

Kreis Kleve: Helfer des DRK sorgen für Flüchtlinge
FOTO: Markus van Offern
Kreis Kleve. Viele Notunterkünfte für Flüchtlinge haben Freiwillige der Hilfsorganisationen aufgebaut. Manche von ihnen wurden inzwischen eingestellt. Betreuungsgesellschaft hat in Werner Stage einen guten Manager gefunden. Von Anja Settnik

Werner Stage ist ein gefragter Manager. Bei der Arbeit sieht er nicht auf die Uhr, nicht selten ist er von 8 bis 22 Uhr im Einsatz. Dafür bekommt er 450 Euro - nicht in der Stunde wie andere Führungskräfte, sondern im Monat. Denn Stage leitet die Notunterkünfte für Flüchtlinge auf dem Weezer Airportgelände nebenamtlich. Der Kreisbereitschaftsführer des Deutschen Roten Kreuzes ist in erster Linie Ehrenamtler und zudem Frührentner - er darf nicht mehr als ein paar hundert Euro dazuverdienen. "Aber aufs Geld kommt es mir auch nicht an. Der Job muss getan werden, und offenkundig ist die Bezirksregierung mit uns vom DRK zufrieden."

Seit Februar nutzt das Land Nordrhein-Westfalen neben diversen anderen Örtlichkeiten auch Altgebäude aus der militärischen Vergangenheit Laarbruchs, um Flüchtlinge unterzubringen. In den ersten Wochen versorgten ausschließlich Ehrenamtler des DRK die Männer, Frauen und Kinder, die zunächst vorwiegend aus dem Kosovo kamen (und fast alle in ihr Herkunftsland zurückgeschickt wurden). "Wir haben deutlich gemacht, dass dies keine dauerhafte Lösung sein konnte, denn unsere Leute mussten zurück an ihre Arbeitsplätze." Deshalb hat die Bezirksregierung Arnsberg, die die Verteilung der Hilfesuchenden für das Land organisiert, begonnen, Mitarbeiter einzustellen. In Straelen, Kerken-Stenden, Weeze und vielen anderen Unterkünften.

FOTO: Gottfried Evers

Anja Martin, Sprecherin der Bezirksregierung, bestätigt, dass man sehr froh sei, im DRK und anderen Hilfsorganisationen Partner zu haben, die gut ausgebildet sind und wissen, wie man ein Lager für hunderte Menschen herrichtet. Aber nur mit Ehrenamtlern könne die Masse an Flüchtlingen natürlich auf Dauer nicht versorgt werden. "Deshalb gibt es eine Betreuungsgesellschaft für soziale Einrichtungen, die auf dem Markt Mitarbeiter sucht, einstellt und schult." Viele Helfer werden gebraucht, und bisher gibt es genügend Interessenten.

Solche wie Anna Steinke, bislang freiberuflich im sozialen Bereich tätig. "Seit ich für das DRK in der Flüchtlingsunterkunft tätig bin, habe ich ein regelmäßiges Einkommen, das ist schon gut." Wenn die Mitarbeiter auch mit Zeitverträgen vorlieb nehmen müssen, die monatlich verlängert werden. "Niemand weiß ja, wie lange die Notunterkünfte bestehen werden. Aber allzu schnell werden wir wohl nicht überflüssig werden", ahnt Stage mit Blick auf seine 250 Schützlinge. Die kommen inzwischen übrigens längst nicht mehr aus dem Kosovo, sondern aus vielen anderen Ländern mit guten Asyl-Gründen.

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Ähnlich wie Anna Steinke hat auch der Sozialpädagoge Jurie Chiriacor, der mit russischen und rumänischen Sprachkenntnissen trumpfen kann, sich gerne einstellen lassen. Oder Sarah Hassan aus Goch, die in Ägypten Betriebswirtschaft studiert hat, damit in Deutschland bisher aber nichts anfangen konnte. Jetzt führt sie Gespräche, hilft in der Kleiderkammer, gibt denen, die in Deutschland noch viel fremder sind als sie es einmal war, Halt.

Die Frauen beruhigen, geben Spielzeug aus, organisieren die Kleiderkammer. Erste-Hilfe-Kenntnisse, wie sie Rotkreuzler besitzen, helfen ihnen zu entscheiden, wann ein Hausarzt konsultiert werden muss und wann besser ein Krankenwagen zu rufen ist. Eigentlich, wissen die Mitarbeiter, müssten sie alle Psychologen sein. Für Amir zum Beispiel, dessen Frau in Syrien geblieben ist und zu der er keinen Kontakt hat. Viel mehr als ihm ab und zu mal den Arm um die Schulter legen können die Helfer nicht.

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"Hier in Weeze geht es den Flüchtlingen vergleichsweise gut, wir sind eine familienfreundliche Unterkunft", sagt Anna Steinke mit Verweis auf die kleinen Zimmer mit meist vier Betten. Wenn Werner Stage daran denkt, wie Männer, Frauen und Kinder ohne jede Intimsphäre anderswo - auch in Kleve - in Turnhallen oder gar in Zelten ausharren müssen, fühlt er tiefes Mitleid.

Stage hat schon die Einrichtungen in Straelen, Stenden, dann in Weeze und parallel dazu in Bonn eingerichtet. Er habe eine Anfrage für eine weitere Großunterkunft für 1000 Menschen. "Ich mache weiter, so lange ich es schaffe und gebraucht werde", sagt er. Das kann noch eine Weile andauern.

Quelle: RP
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