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Kreis Kleve
Hendricks stellt sich besorgten Bauern

Kreis Kleve: Hendricks stellt sich besorgten Bauern
Der Praxistest: Landwirt Reiner Hans (l.) demonstriert Ministerin Barbara Hendricks (r.) die nicht mehr zeitgemäßen Arbeitsbedingungen in dem zu engen und dunklen Melkstand. FOTO: Gottfried Evers
Kreis Kleve. Als Bundesministerin für Umwelt und Naturschutz ist Barbara Hendricks für Gesetze mitverantwortlich, die es den Landwirten schwer machen. Die SPD-Abgeordnete des Kreises besuchte den Betrieb der Familie Hans in Nierswalde. Von Anja Settnik

Umweltministerin Barbara Hendricks muss die Interessen aller Menschen, Tiere und Pflanzen im Blick haben und den Bauern deshalb streng auf die Finger gucken. Bei einem Besuch des Milchviehbetriebs von Annette und Reiner Hans in Nierswalde wurden die Positionen ausgetauscht. Vertreter des Bauernverbandes und Fachleute aus dem Ministerium waren ebenfalls vor Ort.

Josef Peters, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, vertritt die Interessen seiner Berufskollegen mit großem Einsatz. "Nirgendwo gibt es mehr Berührungspunkte als zwischen Landwirtschaft und Umweltministerium", stellte er nach der Begrüßung auf dem Hof fest, und zumindest zu dieser Bemerkung gab es von Hendricks ein klares "Stimmt". Auch der Hofrundgang bot noch die Chance auf einige Verständnis-Äußerungen, denn dass ein Unternehmen gelegentlich modernisiert werden muss, wenn es am Markt bestehen will, das wird kaum jemand bestreiten.

Hendricks sah ein, dass der dunkle, enge Melkstand, der vor mehr als 30 Jahren für 40 Kühe gebaut wurde, für 170 Milchkühe heute nicht mehr ausreicht. Zumal auch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter nicht mehr zeitgemäß seien. Und gute, zufriedene Angestellte zu haben, ist für die Zufriedenheit der bäuerlichen Familie absolut wichtig, betonte Annette Hans selbstbewusst. Erst, seit ein verlässlicher Mitarbeiter zum Betrieb gehöre, sei es möglich, auch mal Feierabend oder sogar Urlaub zu machen. "Das war früher nicht denkbar."

Worauf es Annette und Reiner Hans mit dem Betriebsrundgang ankam, war unter anderem, dafür zu werben, dass privilegiertes Bauen im Außenbereich möglich bleiben muss. Sowohl der Melkstand braucht mehr Platz als auch die Tiere in ihrem Stall. Wie groß der Besatz denn werden solle, wollte die Ministerin wissen. "Etwa 190 Kühe werden es wohl werden", erfuhr sie vom Landwirt.

Aus dem Thema Viehbestand ergibt sich gleich das nächste Problem: die Gülle, die weggeschafft werden muss. Die eigenen oder gepachteten Felder sind dafür längst nicht Fläche genug. Die Düngeverordnung regelt, wieviel tierische Ausscheidungen auf die Felder gebracht werden dürfen. "Die Kollegen haben viel Geld investiert, um die Gülle immissionsarm aufzubringen", wetterte Peters. Wozu, wenn sie nun auf der Jauche sitzen blieben? "Wir haben das Glück, in der Nähe Abnehmer für die Gülle zu haben", sagte Reiner Hans. Andere Landwirte müssen dafür weit fahren, was teuer und wiederum ökologisch nachteilig ist.

In Nierswalde gibt es große Gartenbaubetriebe. Einer in der Nachbarschaft nimmt für seine Treibhäuser die Wärme ab, die die betriebseigene Biogasanlage als "Abfallprodukt" produziert. Das findet auch die Ministerin gut, die ansonsten ernst guckt, als Hans erklärt, dass er die Anlage nicht nur mit Gülle, Mist und Gras beschickt, sondern auch mit Mais. Der könnte auch wertvolles Tierfutter sein, sagen die Gegner dieser Verwendung, die zudem die Monokulturen auf niederrheinischen Feldern anprangern.

Barbara Hendricks ist froh darüber, dass der Nordkreis Kleve sein sauberes Wasser aus tiefen Schichten unterhalb des Reichswalds bezieht. Aber weiß man, welchen Weg sich das nitratbelastete Wasser im Laufe der Zeit sucht, und ob es sich nicht doch irgendwann mit dem sauberen Trinkwasser vermischt? Da müsse man schon vorsorgen.

"Aber wir müssen auch Geld verdienen", wehrte sich Annette Hans, die vorrechnete, dass eine verschärfte Düngeverordnung ihr Unternehmen zusätzliche 30.000 Euro im Jahr kosten werde. Schon jetzt sei doch mit der Milch kein Geld mehr zu verdienen. Von den 32 Cent pro Liter, die der Bauer mindestens bräuchte, um seine Kosten zu decken, ist derzeit nur zu träumen. Maximal 26 bekommt er. "Es ist einfach nicht fair. Wir sind auch von der Kammer auf Wachstum beraten worden", sagt Landwirtin Hans, und jeder dieser Wachstumsschritte sei von großen Investitionen begleitet worden. Ihren Söhnen könne sie nicht mehr guten Willens raten, in den Beruf einzusteigen. Allenfalls mit bester Ausbildung und ganz viel Leidenschaft, wie sie und ihr Mann sie aufbrächten, sei dieser Beruf noch eine Option.

Quelle: RP
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