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Kleve
Heroinsucht als Raubmotiv

Kleve: Heroinsucht als Raubmotiv
Der 30-jährige Angeklagte wurde gestern in Handschellen in den Klever Gerichtssaal geführt. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Weil er in Kleve Parfüm stahl und mit einem Messer auf Raubzug ging, muss sich seit gestern ein 30-jähriger Gocher vor dem Klever Landgericht verantworten. Der Angeklagte gestand die Taten und schilderte seine lange Drogenkarriere. Von Jens Helmus

Unter dem Stichwort "Beschaffungskriminalität" sind wohl die Straftaten einzuordnen, die ein 30-jähriger gebürtiger Gocher im Frühling dieses Jahres in Kleve begangen haben soll. Der Angeklagte, der nach eigener Aussage seit zehn Jahren heroin- und kokainabhängig ist, soll am 18. April eine Parfümflasche aus einem Geschäft in der Klever Innenstadt gestohlen haben.

Am 1. Mail soll es dann laut Anklage gleich in drei Fällen zu bewaffneten Straftaten gekommen sein: Um die Mittagszeit soll der 30-Jährige in der Klever Innenstadt zunächst einen 79-jährigen Pkw-Fahrer unter Vorhalten eines Butterfly-Messers zur Herausgabe von Geld aufgefordert haben. Nach dem erfolglosen Versuch habe er sich in Richtung Materborn begeben und dort zunächst einen 37-jährigen Mann mit dem Messer bedroht. Da dieser kein Geld bei sich trug, begab der Angeklagte sich weiter in Richtung Materborn und entriss einer Spaziergängerin deren Handtasche, bevor er von mehreren Passanten überwältigt und schließlich der Polizei übergeben wurde.

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe gleich zu Beginn der Verhandlung umfassend ein und erklärte, er habe sich aufgrund seiner Drogensucht in dringender Geldnot befunden. "Ich habe nicht viel nachgedacht, bin durch den Suchtdruck verzweifelt gewesen. Erst in Haft habe ich realisiert, was ich den Opfern angetan habe, und ich bin mittlerweile sehr schockiert über meine eigenen Taten", so der Angeklagte, der sich seit seiner Festnahme am 1. Mai in Untersuchungshaft befindet.

Die Geschädigten sagten gestern als Zeugen aus und bestätigten die Anklagevorwürfe sowie die Schilderungen des Angeklagten im Wesentlichen. Eine Parfümerie-Mitarbeiterin schilderte, dass sie den Räuber noch festhalten wollte, dieser sich jedoch in Besitz des 85 Euro teuren Duft-Flacons von ihrem Griff losreißen und flüchten konnte.

Der 79-jährige Pkw-Fahrer kam gerade vom Brötchenkauf, als der Angeklagte plötzlich auf dessen Beifahrersitz Platz nahm und das Messer vorhielt. Als der Rentner - der bei dem Vorfall eine leichte Verletzung an der Hand davontrug - um Hilfe rief, habe sich der Angeklagte entfernt. "Ich hatte den Eindruck, dass er in großer Not war", so der Zeuge.

Auch der 37-jährige Geschädigte erinnerte sich im Gerichtssaal an das Klappmesser, das ihm der Angeklagte auf der Hoffmannallee an die Jacke gedrückt habe. "Ich sagte ihm, dass ich kein Geld bei mir habe, danach ging er weiter", so der Zeuge.

Die vierte Zeugin schilderte, dass sie in Begleitung ihres Hundes von hinten gepackt wurde und dabei zu Boden ging. Um Hilfe schreiend, sah sie, wie der Angeklagte sich mit ihrer Handtasche entfernte und dabei fünf Euro aus ihrem Portemonnaie entnahm.

Angenehme Szene am Rande der Verhandlung: Als der Angeklagte, der sich zuvor bei allen Opfern entschuldigt hatte, von den Justizbeamten aus dem Gerichtssaal geführt wurde, klopfte der 79-jährige Rentner ihm warmherzig auf die Schulter und wünschte ihm alles Gute.

Fortgesetzt wird der Prozess morgen um 11 Uhr. Dann wird der Sachverständige Rudolf Schlabbers ein psychiatrisches Gutachten zum Zustand des Angeklagten vortragen, da dieser sich zur Tatzeit aufgrund der starken Drogenabhängigkeit womöglich im Zustand verminderter Schuldfähigkeit befand. Dem Angeklagten droht eine Verurteilung wegen räuberischen Diebstahls, versuchter räuberischer Erpressung in zwei Fällen sowie Körperverletzung in Tateinheit mit Raub.

Quelle: RP
 
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