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Erfundene Vergewaltigungen von Kindern
Klever Bürgermeisterin zeigt Facebook-Hetzer an

Hetze auf Facebook: Angebliche Vergewaltigungen in Kleve durch Flüchtlinge
Diesen Artikel postete jemand in die Klever Facebook-Gruppe. Eine frei erfundene Falschmeldung. Die Bürgermeisterin der Stadt hat bereits Anzeige erstattet. FOTO: Screenshot Netzplanet
Kleve. Bei Facebook kursierte am Wochenende die Meldung, dass mehrere acht- bis zehnjährige Mädchen in Kleve von Flüchtlingen entführt und vergewaltigt worden seien. Die Polizei hat den Fall geprüft und sagt: Die Behauptungen sind frei erfunden. Die Klever Bürgermeisterin hat Anzeige erstattet. Der Staatsschutz ermittelt. Von Sabine Kricke

In der Facebook-Gruppe "Du bist Kreis Klever wenn..." hat ein Nutzer einen Beitrag über angebliche Vergewaltigungen von jungen Mädchen in Kleve verbreitet. Demnach sollen mehrere acht- bis zehnjährige Mädchen von Flüchtlingen "brutal entführt und vergewaltigt" worden sein.

Der Polizei Kleve liegen keinerlei Hinweise darauf vor, dass die in dem Artikel beschriebenen Vorfälle tatsächlich stattgefunden haben. Es handle sich "offenkundig um die gezielte Verbreitung eines falschen Gerüchtes", heißt es in einer Mitteilung der Polizei Kleve.

Sonja Norhting, Bürgermeisterin der Stadt Kleve, hat ebenfalls Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Bürgermeisterin war vor ihrem Amtsantritt die Leiterin des Sozial- und Jugendamtes in Kleve. FOTO: Gottfried Evers

Wie ein Sprecher der Polizei auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte, hat die Bürgermeisterin der Stadt, Sonja Northing, bereits Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die frühere Leiterin des Sozial- und Jugendamtes der Stadt Kleve war wie viele andere Nutzer im Internet auf die Falschmeldung aufmerksam geworden. "Über meine Facebook-Seite als Bürgermeisterin habe ich Samstagabend eine Nachricht mit dem Hinweis auf diese Meldung erhalten. Heute Morgen habe ich direkt Anzeige erstattet", sagte Northing im Gespräch mit unserer Redaktion. "Sowas muss man im Keim ersticken. Und ich weise alle Bürger darauf hin, solche Meldungen sofort zur Anzeige zu bringen", sagte die Bürgermeisterin.

Man müsse Personen, die so etwas verbreiten, zur Verantwortung ziehen. Wer in solchen Fällen nicht handle, mache sich selbst schuldig.  "Auch als Privatperson hätte ich das angezeigt." Nach Polizeiangaben haben auch bereits mehrere Eltern Anzeige erstattet. 

Angeblicher "Whistleblower" im Krankenhaus

Von den Vergewaltigungen will der Verfasser der Meldung von einem "Whistleblower aus der medizinischen OP-Abteilung" des Krankenhauses in Kleve erfahren haben.  Angeblich seien über die Vorfälle auch Sanitäter, Politiker und die Polizei informiert. Allen wirft der Verfasser "Stillschweigen" vor.

Seit einiger Zeit kommt es in den sozialen Netzwerken vermehrt zu solchen Falschmeldungen. Sie sind entweder frei erfunden oder werden aus dem Zusammenhang gerissen. Der Artikel über die angeblichen Vergewaltigungen in Kleve ist auf der für Falschmeldungen bekannten Website "Netzplanet" veröffentlicht worden. In diesem Fall hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren, das die strafrechtliche Relevanz der Veröffentlichung prüft, eingeleitet. Auch der Staatsschutz ist involviert. 

Aus der Facebook-Gruppe wurde der Beitrag bereits gelöscht. Wir haben mit dem Gründer der Facebook-Gruppe gesprochen. "Zum Schutz der Mitglieder und auch zu meinem eigenen Schutz werde ich auch in Zukunft solche Beiträge sofort löschen. Ich als Gründer der Gruppe trage auch die Haftung", sagte der Gründer der Gruppe, der namentlich nicht genannt werden möchte, im Gespräch mit unserer Redaktion.

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