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Kleve/Duisburg
Hetze im Netz hat ein Nachspiel vor Gericht

Kleve/Duisburg. Für eine Äußerung auf dem Internetportal Facebook muss sich ein 62-Jähriger aus Duissern nun vor dem Landgericht Duisburg verantworten. Volksverhetzung lautet der Tatvorwurf. Von Marc Cattelaens

Konkret geht es um einen Facebook-Eintrag vom Oktober 2015. Damals hatte der Frührentner in der Gruppe "Du bist Kreis Klever, wenn..." geschrieben, dass fünf acht- bis zehnjährige Mädchen in Kleve entführt und sexuell missbraucht worden seien. In dem Eintrag hieß es, dass die Mädchen, bei denen es sich um Schülerinnen des Klever Konrad-Adenauer-Gymnasiums gehandelt haben soll, von Flüchtlingen "brutal entführt und vergewaltigt" worden seien. Von den Vergewaltigungen will der Verfasser der Meldung von einem "Whistleblower aus der medizinischen OP-Abteilung" des Krankenhauses in Kleve erfahren haben. Angeblich seien über die Vorfälle auch Sanitäter, Politiker und die Polizei informiert. Allen wirft der Verfasser "Stillschweigen" vor.

Der Polizei Kleve liegen allerdings keinerlei Hinweise dafür vor, dass die in dem Artikel beschriebenen Vorfälle tatsächlich stattgefunden haben. Es handle sich "offenkundig um die gezielte Verbreitung eines falschen Gerüchtes", hieß es seinerzeit in einer Mitteilung der Polizei. Die Klever Bürgermeisterin Sonja Northing stellte direkt, nachdem sie vom dem Eintrag Kenntnis erhielt, Strafanzeige gegen Unbekannt.

Auch die Staatsanwaltschaft ist der Überzeugung, dass der 62-Jährige die Geschichte frei erfunden habe. Der Duisserner habe mit seinem Facebook-Eintrag nur hetzten wollen, so der Staatsanwalt vor Gericht. Der 62-Jährige hingegen blieb im Prozess bei seinen Behauptungen. Ein Beweis sei die Tatsache, dass die Leitung des Konrad-Adenauer-Gymnasiums, zu der Zeit, als in der schuleigenen Turnhalle Flüchtlinge untergebracht waren, einen Sicherheitsdienst eingestellt hatte, so der Angeklagte.

Der Prozess wird am Freitag, 10. Juni, fortgesetzt. Unter anderem sollen dann, auf Antrag der Verteidigung, mehrere Lehrer des Konrad-Adenauer-Gymnasiums zu den Behauptungen des Angeklagten gehört werden.

Quelle: RP
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