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Kleve
Hier lebt Adenauer weiter

Kleve: Hier lebt Adenauer weiter
Auch die Gymnasiasten durften über den Namen ihrer Schule abstimmen. Mit 50 Stimmen Vorsprung siegte der Vorschlag "Konrad Adenauer". FOTO: G. Evers
Kleve. Mehr als ein Jahr wurde ab 1976 nach einem Namen für Kellens Gymnasium gesucht - in einer Wahl entschied man sich für den des ersten Bundeskanzlers. Der ehemalige Direktor Lascho findet damalige wie heutige Diskussion übertrieben. Von Peter Janssen

Auseinandersetzungen bei der Suche nach Namen für Schulen haben in Kleve Tradition. So war es bereits bei dem Gymnasium in Kellen. Der Findungsprozess gestaltete sich in vergangenen Zeiten ebenso kontrovers wie heute, jedoch war er wesentlich langwieriger.

Auf der Suche nach einem großen Namen für die nicht mindergroße Schule in der Niederung fiel die Wahl am Ende auf Konrad-Adenauer-Gymnasium. Während heutzutage in ein paar Stunden Titel für Bildungsstätten vergeben werden, wurde vor 40 Jahren monatelang in der Öffentlichkeit darüber diskutiert. So plädierte die eher als linksliberal geltende Lehrerschaft für den Namen "Präsident-Heinemann-Schule". Ein Problem dabei war, das auch nicht kurzfristig gelöst werden konnte: Damals konnten nur Namensgeber in Betracht gezogen werden, die schon das Zeitliche gesegnet hatten. Heinemann erfreute sich zu Beginn der Diskussion noch bester Gesundheit.

Doch wurde auch über etliche Personen diskutiert, die die Voraussetzungen "nicht mehr von dieser Welt" erfüllten. So schickte etwa ein Kunstlehrer der Schule den Namen Govaert Flinck (1615 - 1660) ins Rennen. Govaert wer? Genau so dachte auch Wilhelm Lascho, der damalige Leiter des Gymnasiums: "Den kennt doch kein Schüler." Flinck war Schüler Rembrandts und in Kleve geboren. Zu den Taufpaten-Aspiranten gehörten außerdem: Erasmus von Rotterdam und der Pädagoge Bernhard Heinrich Overberg. Auch nur bedingt nachvollziehbare Vorschläge wie Delta-Schule, in Anlehnung an das Flussdelta, standen zur Diskussion.

Was schließlich dazu führte, dass am Ende der Suche nach einem Patron eine Wahl stand: Schüler, Eltern und Lehrer stimmten ab. 530 votierten für Konrad-Adenauer, nachdem vor allem die Elternvertreter klar Stellung für "den Alten von Rhöndorf" bezogen hatten. Nur 50 Stimmen weniger erhielt Overberg. Dem Kollegium passte der Name Adenauer im neuen Briefkopf nicht.

Lascho kann die damalige wie auch die aktuelle Diskussion über die Namensgebung nicht nachvollziehen: "Was sollen die Kinder mit Namen aus einer tiefen Vergangenheit anfangen? Für mich geht diese Auseinandersetzung an der heutigen gesellschaftlichen Wirklichkeit vorbei. Für eine funktionierende Schule ist nicht der Namensgeber ausschlaggebend." Der ehemalige Direktor plädiert dafür, Namen von Schulen generell nicht zu ändern: "Wenn eine Schule über Jahre hinweg so genannt wird, dann sollte man es dabei belassen. Diese endlose Suche nach einer passenden Person ist deplatziert. Bei uns wurde nach Richtlinien unterrichtet und nicht nach den Grundsätzen von rechter oder linker Politik."

Nachdem die Entscheidungsfindung 1977 abgeschlossen war, musste der Rat den Namen ebenso beschließen wie heute. Ein Unterschied: Auch in dem Gremium wurde in den 70ern nochmals heftig diskutiert. Locker durchgewunken wurden vor 40 Jahren nichts.

Der damalige Sprecher der CDU, Rudolf Kliver, erinnerte sich an die Auseinandersetzung mit den anderen Fraktionen. Adenauer sei damals als der Kanzler der Alliierten gesehen worden, dabei zeige sich, dass sein Weg der richtige gewesen sei, hatte Kliver einst argumentiert. Der Name, so der Christdemokrat später, hätte der Schule zweifellos nicht geschadet. Für die FDP ließ Dr. Heidemarie Schmidt keinen Zweifel aufkommen, was sie vom ersten Bundeskanzler der Republik als Namensgeber hielt. Bei allem Respekt sei er zu sehr Parteipolitiker gewesen und habe Züge von Intoleranz gezeigt, so Schmidt.

Das Konrad-Adenauer-Gymnasium wird im Volksmund KAG genannt. Zuvor trug die Bildungseinrichtung den Namen: "Mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium im Entstehen mit neusprachlichem Zweig Kleve-Kellen". Dann doch lieber KAG.

Quelle: RP
 
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