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Kleve
Hier müssen Kinder Sport treiben

Kleve. Die Substanz etlicher Turnhallen der Stadt Kleve ist seit Jahren schlecht. Die Sporthochschule Köln hatte 2012 in einem Gutachten etliche Mängel festgestellt. Eine besonders sanierungsbedürftige ist die Sporthalle der Grundschule "An den Linden". Eine Stätte, die dem Verfall preisgegeben wird. Von Peter Janssen

Harmlos formuliert lautet die aktuelle Situation: Es herrscht ein Sanierungsstau in den Klever Turnhallen. Doch sind die Verhältnisse in mehr als einer bedenklich. Großschadensfälle gibt es mehrere. Einer davon ist die Sporthalle an der Römerstraße, die 57 Jahre alt ist. In einem Gutachten aus dem Jahr 2012 hatte die Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS) festgestellt, dass hier akuter Handlungsbedarf bestehe. In der Untersuchung hieß es damals: Bisherige Sanierungsmaßnahmen seien die Erneuerung der Heizungsanlage und ein Anstrich gewesen. Vormittags wird die Sportstätte von den Kindern der Grundschule "An den Linden" genutzt. Nachmittags von Sportvereinen. Die Auslastung beträgt im Sommer 88 Prozent und im Winter 95 Prozent.

Die Ergebnisse der Kölner Expertise decken sich mit den Aussagen von Sportvereinen und Schule, die da lautet: Die Halle ist schrottreif. Das Parkett löst sich an mehreren Stellen ab. Zwischen den Stäben klaffen Lücken. Die Abdeckungen für in den Hallenboden eingelassene Ständer sind zu klein und kippen hoch, wenn man darüber läuft. Das Bauwerk ist eine gewagte Mischung aus Beton, Holz und Löchern.

Bei dem Ergebnis, dass erheblicher Sanierungsbedarf besteht, ist es geblieben. Christian Gerritsen (44) kennt die Situation. Er trainiert den Karate-Nachwuchs des 1. FC Kleve und ist auch selbst regelmäßig in der Halle an der Römerstraße. Auf die Zustände angesprochen nennt er als erstes den Sanitärbereich. "In den Toiletten stehen ständig Pfützen. Wobei man noch nicht einmal weiß, um was es sich da handelt. Die Halle ist eine Katastrophe", sagt er. Geduscht würde zu Hause. Ein weiteres Manko, das im Gutachten beschrieben wird: Nur von einer Umkleide aus gibt es einen Zugang zum Sanitärbereich. Montags von 17.30 Uhr bis 19 Uhr trainieren 20 Kinder mit drei oder vier Übungsleitern in der Halle. Laut Gerritsen ist der Zustand auch für Verletzungen verantwortlich: "Die Kinder treten in Holzsplitter, bleiben mit den Zehen in den Öffnungen des Hallenbodens hängen und knicken um." Mehrere Tage wird die Halle von der Karate-Abteilung genutzt.

Ein weiteres Problem für die Sportler ist, dass sie ständig über Kleve verteilt Hallenzeiten zugewiesen bekommen. "Die Vereine streiten sich hier um Trainingsmöglichkeiten. Es gibt einfach viel zu wenige", sagt Gerritsen. Und wenn es welche gibt, dann befinden sich die Stätten auch in einem schlechten Zustand, so wie etwa die alte Turnhalle der früheren Johanna-Sebus-Schule. Auch dort trainieren die Kampfsportler.

Jens Willmeroth hat täglich mit der Sportstätte an der Römerstraße zu tun. Er ist Rektor der Schule "An den Linden". Von seinen Grundschülern muss die Halle genutzt werden. Wenn sie denn eine Schulstunde frei ist. Für Willmeroth ist die Situation schnell beschrieben: "Eine Sanierung ist ebenso dringend notwendig wie wir auch mehr Kapazitäten brauchen."

Im Juni 2012 wurde im Sportausschuss der Stadt Kleve über das Gutachten der Kölner Fachleute diskutiert. Das Gremium stellte daraufhin eine Prioritätenliste auf. Zunächst sollte 2013 mit dem Bau einer Turnhalle für den VfL Merkur Kleve am Gustav-Hoffmann-Stadion begonnen werden. In einem zweiten Schritt sollten dann die Turn- und Sporthallen der Stadt verbessert werden.

Als unsere Redaktion gestern eine Anfrage zur Situation der Sporthalle an der Römerstraße an die Klever Verwaltung stellte, antwortete diese, dass bereits geprüft werde, ob diese bautechnisch und sportfachlich saniert werden kann oder ob ein Neubau aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine bessere Alternative wäre. Dem Rat der Stadt Kleve würden die Ergebnisse nach Abschluss der Prüfung vorgestellt.

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Quelle: RP
 
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