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Kranenburg
Hörsteine am Weg in die Freiheit

Kranenburg. 23 Findlinge am Weg der Alliierten 1944/45 -Morgen Enthüllung in Frasselt - Kurzinfos in Texten, Bildern und Hörszenen Von Hans Rühl

Vor der Antoniuskirche in Frasselt wird morgen am 25. März um 10 Uhr im Beisein vieler Gäste durch Bürgermeister Günter Steins ein weiterer Hörstein am "Weg in die Freiheit" enthüllt. Wichtige Stationen und Ereignisse des Frontgeschehens in unserer Grenzregion während der letzten Monate des Zweiten Weltkriegs finden sich sozusagen in einer einzigartigen, in grenzüberschreitender Kooperation entstandenen mehrmedialen Kriegschronik wieder. Die 23 Hörsteine folgen der "liberation route", auf der die Westalliierten nach der Invasion durch Westeuropa und Deutschland vorrückten. Ein Zeitzeuge berichtet dabei besonders aus der für den Niederrhein so unheilvollen Endphase des Krieges. Die Bevölkerung ist dazu herzlich eingeladen.

"Reichswald in Flammen" - diesen Dateinamen liest man, googelt man "liberation route.de/route.de/historischer-ort" in den PC. Beim Öffnen erscheint ein Bild mit der zerstörten Frasselter Ortsmitte und einer Kurzinfo. Durch Scrollen kommt man zur Galerie mit Fotos und einer Achtelnote im grünen Rechteck. Ein Klick darauf lässt ein kleines Hörspiel laufen, das eine Szene vom 17. September 1944 schildert - hier mit zwei Frauen, zwei der fünfzehn Todesopfer bei der damaligen Bombardierung des Reichswaldrandes, die nur Zivilisten traf. Darunter verweist eine Karte auf Hörstellen in der Umgebung.

Siebzig Jahre sind ins Land gegangen, seitdem angloamerikanische Truppen auf dem Marsch nach Berlin auch im hiesigen Grenzraum zwischen Rhein und Maas eine Winterpause einlegten. Von hier aus setzten sie am 8. Februar 1945 mit der größten Truppenbewegung auf kleinstem Gebiet zum Todesstoß auf das Hitler-Reich an. Genau drei Monate später schwiegen die Waffen. Viele Menschen am unteren Niederrhein fanden nach der Evakuierung ihre Häuser weithin zerstört oder schwer beschädigt vor. Entbehrungen prägten die Aufbaujahre. Aber man konnte nachts wieder durchschlafen, war wieder frei, wenn auch zu einem hohen Preis.

An geschichtsträchtigen Orten unserer Region markieren 23 Findlinge den "Weg in die Freiheit", erinnern so an die bitteren Kämpfe in unserer Heimatregion und mahnen zum Frieden. Über Smartphone abrufbare Hörszenen holen damaliges Geschehen in die Gegenwart. Jeder Hörstein greift in gleicher Gliederung eine Situation auf und bewahrt sie vor dem Vergessen.

An den "Judenschmuggel" in Grafwegen kurz vor Kriegsbeginn erinnert "Rettender Engel an der Grenze". Diese Datei (und andere) findet man, wenn man die eingangs genannte Google-Zeile durch einen Flash und "Kranenburg" ergänzt. Dokumentiert ist auch die Ermordung von zwei gefangenen Amerikanern gegenüber dem Rathaus. Fügt man "Groesbeek" an, so dürfte sich in "Bauernhof im Niemandsland" im häufigen Besitzerwechsel die Härte der Kämpfe spiegeln. Kaum weniger berührt einen in "Ein Dorf hält sich versteckt" die Evakuierung des Ortes "De Horst". Die Luftlandung "Market Garden" scheiterte bei Arnheim. Kaum zu glauben: In der ersten Frontnacht rollt noch ein Zug mit Gütern und Vorräten aus Nimwegen unbehelligt durch das bereits befreite Groesbeek nach Kranenburg. Unter "Goch" erfährt man auch einiges über benachbarte Orte. Kleine, teils dramaturgisch bedingte Ungenauigkeiten, die sich beheben lassen, schmälern nicht den historischen Wert dieser singulären "Denk-mal"-Reihe.

Quelle: RP
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