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Kleve
Holzwurm-Befall in der Bibliothek des Landgerichts

Kleve. Heute will der Bau- und Liegenschaftsbetrieb entscheiden, wann mit der Säuberung begonnen wird. Von Alexander Triesch

Eine Mitarbeiterin des Landgerichts hat den Übeltäter auf frischer Tat ertappt. Auf einem Lesetisch in der Bibliothek entdeckte sie feine Holzspäne. Nach einer fachmännischen Untersuchung durch einen Schreiner war schnell klar: Der gemeine Holzwurm hat die Justizbücherei befallen. Schädlinge fressen sich im Deckenbereich ein Netz aus Bohrgängen durch Bretter und Balken. Im schlimmsten Fall könnte der Konstruktion der Einsturz drohen. "Davon sind wir aber Gott sei Dank noch weit entfernt", sagt Alexander Lembke, Pressesprecher und Richter am Landgericht Kleve.

Dennoch, der Umgang mit dem Ungeziefer gestaltet sich schwieriger als zunächst gedacht. Mit herkömmlichen Mitteln wird die Stadt die Plage nicht beseitigen können. "Eigentlich können Holzwürmer mit chemischen Mitteln bekämpft werden", sagt Lembke. "Dafür sind die Deckenbalken der Bücherei aber zu massiv." Weil die Schädlinge zu tief im Holz sitzen, bleibt nur ein thermisches Verfahren: Eine mobile Heizung soll die Raumtemperatur auf 75 Grad Celsius erhöhen, bis die Hitze die Würmer und vor allem die Eier und Larven abgetötet hat.

Dazu wird eine eigens verpflichtete Firma im Außenbereich der Schwanenburg ein Spezialgerät aufstellen. Über Heizrohre soll die Wärme so in den befallenen Raum geleitet werden. "Wie lange dieser Prozess dauern wird, ist aufgrund der Größe der Bibliothek noch nicht abzusehen", sagt Lembke. Möglich seien aber mehrere Tage. Damit die Deckenbalken kein Feuer fangen, soll immer eine Person in der Nähe bleiben. "Wir werden sozusagen eine Brandwache einsetzen", sagt Richter Lembke.

Heute will der Bau- und Liegenschaftsbetrieb, der Immobiliendienstleister des Landes Nordrhein-Westfalen, entscheiden, wann mit der Säuberung der Bücherei begonnen wird.

Bis dahin können die Juristen den Raum noch in Anspruch nehmen, dann werden die Bücher übergangsweise an einen neuen Ort geschafft. Lembke: "Wir arbeiten noch an einer Lösung. Notfalls müssen wir die gesamte Bibliothek auf dem Flur zwischenlagern." Der Zugang zu den Büchern soll während der Arbeiten aber dauerhaft bestehen bleiben.

Dass der Holzwurm sich ausgerechnet die Schwanenburg ausgesucht hat, ist übrigens keine Überraschung. Der Käfer mag kühle und feuchte Orte - da bietet sich ein mittelalterlicher Bau aus dem 11. Jahrhundert geradezu an.

Quelle: RP
 
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