| 00.00 Uhr

Kreis Kleve
"Ich habe meine Komfortzone verlassen"

Kreis Kleve: "Ich habe meine Komfortzone verlassen"
Mit so einem gelben "School Bus" fuhr Anne Schönell zum Unterricht. Ein Jahr Amerika liegen hinter der Uedemerin. Sie bereitet sich auf ihren Schulabschluss in Goch vor. Ihr Kopf ist noch voller Erinnerungen an die neu gemachten Erfahrungen in den USA. FOTO: Markus van Offern / privat (2)
Kreis Kleve. Nach einem Schuljahr in Amerika ist Anne Schönell wieder zurück in Uedem. Eine Klasse wiederholt sie. Dafür ist sie mit einem Sack voll Erfahrungen und einem Hobby zurückgekehrt. Vorurteil: Alle Amerikaner sind dick, stimmt nicht. Von Bianca Mokwa

Der Jetlag lässt langsam nach. Bis Anne Schönell wieder zur Schule geht, hat sie die Zeitverschiebung zwischen Seattle und Uedem sicherlich verkraftet. Ein Jahr hat sie statt am Gymnasium in Goch im Klassenzimmer zu sitzen eine amerikanische Highschool in Amerika besucht.

"Das war eine gute Entscheidung", sagt die 16-Jährige im Rückblick. Ihren 16. Geburtstag, den hat sie übrigens in New York gefeiert. Das Jahr hat sie auch genutzt, um Vorurteile abzubauen, etwa: Alle Amerikaner sind dick. "Das kommt auf die Familie an", kann sie nach einem Jahr USA sagen. Allerdings habe sie sieben Kilo in diesem einen Jahr zugenommen. Das meiste sind Muskeln, die sie sich durch Leichtathletik antrainiert hat. Ihre zweite Gastfamilie habe sehr auf die Ernährung geachtet und war sportlich sehr ambitioniert. Was stimmt, "das größte Gericht essen die Amerikaner am Abend", sagt Anne. Und in Amerika ist alles etwas größer. Im Kühlschrank haben die Amerikaner eine Gallone Milch stehen. Eine Gallone, das sind vier Liter.

"Es macht schon einen Unterschied, wenn man in eine andere Kultur abtaucht. Man bekommt eine andere Sichtweise", sagt Anne über den Umgang mit Vorurteilen. Später würde sie gerne ihren Wunsch, viel von der Welt zu sehen, mit einem Beruf verbinden können und zum Beispiel Journalistin werden. Aber erst einmal geht es für sie zurück zur Schule, auf das Gocher Gymnasium. Trotz der Möglichkeit der Vorversetzung in Klasse 11, hat sich die 16-Jährige entschlossen, die 10. Klasse zu wiederholen. "Ich habe ein Jahr verpasst und die Schule in Amerika war nicht so anspruchsvoll", lautet ihre Begründung. Zum Vergleich: In Deutschland hatte die Uedemerin 15 verschiedene Fächer, verteilt auf fünf Tage inklusive Hausaufgaben zu bewältigen. "Also ordentlich was zu tun", stellt Anne fest. "Der Unterricht in Amerika ist einfacher. Die haben einen Stundenplan mit sechs Fächern, Naturwissenschaften, Mathe, Englisch, Geschichte und zwei Wahlfächern und kaum Hausaufgaben", sagt Anne. Wahlfach, das kann so was sein wie Kochen, Kunst oder Sport. "Dafür muss man in Amerika viel Geld bezahlen, wenn man weitergebildet werden möchte", sagt Anne über das andere Lernsystem. Nach der Highschool können die Amerikaner aufs College. Das koste 30 000 bis 60 000 Euro im Jahr.

Was Anne vermissen wird, ist der Schulsport, nach dem offiziellen Unterricht. "Es ist verrückt, wie viel Zeit die in Sportunterricht stecken", sagt die 16-jährige Uedemerin. Sie hat sich gerne davon anstecken lassen. "Vorher dachte ich übers Laufen: Wer macht denn sowas?", sagt Anne und lacht. Denn nach dem ersten Muskelkater und genügend Zusprache von ihrem Trainer, hat sie an vielen amerikanischen Leichtathletikwettbewerben teilgenommen. Sie hofft auch in Deutschland weiter im Training zu bleiben.

Was sie fasziniert hat, ist der "Teamspirit". "Zum American Football geht wirklich jeder hin und jeder fiebert für seine Schule, für seine Mannschaft mit", berichtet sie von den Sportveranstaltungen, bei denen sie Zuschauer war und nicht Teilnehmer. Die guten Sachen möchte sie auf jeden Fall bewahren. Auch wenn nicht alles im vergangenen Jahr einfach war. Sie musste sich selber um eine neue Gastfamilie kümmern, als es mit der ersten nicht richtig rund lief. "So eine Erfahrung, die macht einen stärker. Ich weiß, ich habe meine Komfortzone schon verlassen", lautet Annes Fazit. "Ich weiß wie es ist, wenn man sich um Dinge kümmern muss, die nicht soviel Spaß machen", sagt die 16-Jährige. Missen möchte sie diese Erfahrung nicht. "Dass meine Eltern meinen Bruder und mich so unterstützen, die Welt kennen zu lernen, ist echt toll." Allerdings habe sie doch etwas komisch geguckt, als ihre Eltern sie am Flughafen auf Deutsch begrüßten. Ein Jahr Amerika hat Spuren hinterlassen. "Ich träume noch auf Englisch", sagt Anne. "Da muss ich erst noch im Kopf umschalten." Tränenreich war der Abschied auf der anderen Seite des großen Teichs. Ein Gänsehautmoment ist, als sie erzählt, dass ihre Gastschwester Amy ihr in den letzten paar Tagen ihres Amerikaaufenthalts immer wieder sagte: "Ich will nicht, dass du gehst." "Ich weiß, die muss ich einfach wiedersehen."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Kleve: "Ich habe meine Komfortzone verlassen"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.