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Kreis Kleve
Immer mehr Asylbewerber lernen Deutsch

Kreis Kleve: Immer mehr Asylbewerber lernen Deutsch
Dr. Myrtan Xhyra (rechts) berät zwei Migranten, die ihr Deutsch verbessern wollen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Bei Null anfangen wie die Asylbewerber müssen sie dabei nicht. FOTO: Friedel Evers
Kreis Kleve. In einem Punkt gibt es, was die Situation der Flüchtlinge betrifft, größte Einigkeit: Wenn ihre Integration gelingen soll, müssen die neuen Mitbewohner die Sprache erlernen. Dabei helfen Volkshochschule und Internationaler Bund. Von Anja Settnik

Als Dr. Myrtan Xhyra vor rund zwei Jahren den Fachbereich Schulabschlüsse/Sprachen bei der Volkshochschule Goch/Kevelaer/Uedem/Weeze übernahm, ahnte er schon, dass er da einiges zu tun bekommen würde. "Deutschland war damals schon ein Einwanderungsland, auch wenn das manche noch nicht wahrhaben wollten. Welches Ausmaß der Zuzug annehmen würde, konnte natürlich auch ich nicht abschätzen." Xhyra, als Albaner selbst "mit Migrationshintergrund", kennt beide Seiten: die derjenigen, die fremd und unsicher einen Neustart wagen, und die der Bürger, die sich um die Zukunft "ihrer" Gesellschaft sorgen.

Xhyra ist aber auch einer, der selbst dafür gesorgt hat, im neuen Land Fuß zu fassen. Er hat studiert, promoviert und sich Arbeitsstellen gesucht, wo er seine Kenntnisse einbringen konnte. Anders als bei seinen VHS-Vorgängern liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit nicht mehr so sehr darin, reisefreudigen Niederrheinern Französisch oder Italienisch für den Urlaub zu vermitteln (das gibt es natürlich auch noch), sondern für Migranten passende Deutschkurse anzubieten. Das geht nicht nur Xhyra so, sondern natürlich ebenso seinen Kollegen in Kleve und bei anderen Weiterbildungseinrichtungen.

Öffentlich geförderte Integrationskurse, zu denen auch Kenntnisse der Kultur und der hiesigen Rechtsordnung gehören, sind nur für solche Flüchtlinge vorgesehen, die bereits anerkannte Asylbewerber sind. Und das sind die wenigsten. Der Großteil der im Kreis untergebrachten Flüchtlinge wartet noch auf den Abschluss des Verfahrens - häufig vermutlich sorgenvoll, denn viele dieser Menschen werden nicht bleiben können, weil sie aus sogenannten sicheren Herkunftsländern kommen und damit rechtlich keinen Asylgrund haben.

In Zusammenarbeit mit der VHS Kleve und dem Internationalen Bund in Geldern hat es auch in Goch schon einen Integrationskursus gegeben, einen weiteren in Eigenregie hat Xhyra beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beantragt. "Es ist nicht leicht, geeignete Lehrer zu finden, denn sie müssen besonders qualifiziert sein und hohe Anforderungen erfüllen", sagt er. Ehrenamtler, so ambitioniert sie auch sein mögen, seien da nicht die richtigen Partner. Wenn allerdings andere Institutionen zusätzliche Angebote schafften, sei das natürlich eine schöne Sache.

Etwa 80 Asylbewerber besuchen derzeit die Kurse "Deutsch für Flüchtlinge" bei der VHS Goch. "Bei der Finanzierung hilft uns der Verein ,Pro Asyl', einen Sprachkursus für Frauen hat die Gleichstellungsbeauftragte möglich gemacht", erklärt Xhyra. Die Kosten beschränkten sich auf die Bezahlung des Lehrers. Jeder, der Interesse zeige und bereit sei, zweimal in der Woche dabei zu sein, könne teilnehmen, unabhängig davon, wie seine Chancen auf Asyl stehen. Hilde Fielenbach von der Flüchtlingshilfe und Monika Risse, die Fachfrau der Stadt Goch, führten der VHS die Kandidaten zu - wenn sie nicht aus eigenem Antrieb plötzlich vor der Tür stünden. Xhyra hat schon wieder neue Anmeldungen, ist sicher, dass immer mehr Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, Iran und Irak nach Sprachkursen fragen werden. Was ihn nicht zuletzt vor das Problem stellt, geeignete Unterrichtsräume bieten zu können. Die Klassenräume liegen verstreut in verschiedenen Schulen. Das ist unpraktisch, bedauert Xhyra. Er träumt von einem zentralen Lernort. "Im Bildungssystem sind Strukturen wichtig, man braucht Schnittstellen und eine gute Organisation." Auch die Asylbewerber müssten einen klaren Ordnungsrahmen erkennen, um zu verstehen, dass Zuverlässigkeit und Fleiß unerlässlich sind, um weiterzukommen. Andere Migranten, die etwa aus Polen, Slowenien oder Ungarn kommen und an Fortgeschrittenen-Kursen teilnehmen, machten das vor. "Als EU-Bürger dürfen sie in Deutschland arbeiten und wissen, dass sie die Sprache brauchen."

Beim Internationalen Bund in Geldern und bei der VHS in Kleve ist es ebenso wie in Goch und Kevelaer: Die Fachleiter machen sich ein Bild von den Sprachkenntnissen des Migranten und gruppieren ihn in einen geeignet scheinenden Kursus ein. Wer dabei bleibt, kann nach entsprechenden Prüfungen Zertifikate wie B1 oder sogar B2 erwerben.

Quelle: RP
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