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Kreis Kleve
Impfstoff für Säuglinge ist Mangelware

Kreis Kleve. Der Sechsfach-Impfstoff, der Babys unter anderem vor Diphterie und Kinderlähmung schützen soll, ist derzeit nicht lieferbar. Gleichzeitig gibt es große Vorräte in den Flüchtlingsheimen, die zurzeit kaum benötigt werden. Von Anja Settnik und Marc Cattelaens

Die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, bundesweit zuständig für Infektionskrankheiten, ist eindeutig: Impfungen sind wichtig, damit schon Babys einen ausreichenden Schutz gegen schwere Infektionen entwickeln, und zweitens, damit keine schweren epidemischen Krankheiten ausbrechen, für die es keine geeignete Therapie gibt. Zurzeit sind Impfungen kleiner Kinder auch im Kreis Kleve oftmals jedoch nicht möglich, denn eine entscheidende Impfstoff-Kombination ist Mangelware. Ohne "Infanrix hexa" müssen die Kleinen mehrfach gepiekst werden.

Ist das Baby gesund, sollte es mit zwei Jahren zum zweiten Mal geimpft werden. Damit es nicht unnötig oft geärgert werden muss, wird ein einziger Impfstoff gegen sechs verschiedene Infektionskrankheiten gleichzeitig verwendet: Diphtherie, Hepatitis B, Hib (Haemophilus influenzae Typ B), Keuchhusten, Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Wundstarrkrampf (Tetanus). Dieser Impfstoff ist in vielen Praxen ausgegangen, weil er zurzeit nicht lieferbar ist.

"Wir können den Sechsfach-Impfstoff einfach nicht bekommen. Ich weiß auch nicht, wann sich das wieder ändern wird", sagt Ulrich Schlotmann, Sprecher der Apotheker im Kreis Kleve. In der Praxis der Kinderärztin Jutta Brüggemann ist der Sechsfach-Impfstoff komplett ausgegangen. "Ich habe gehört, dass es Ende Juli wieder Nachschub geben soll", sagt Brüggemann. In den vergangenen Wochen hat sie viele Eltern vertrösten müssen, weil sie die Impfung nicht durchführen konnte. "Es ist schon wichtig, dass die Zeitpunkte für die Impfungen eingehalten werden. Besonders gegen Keuchhusten sollten Säuglinge rechtzeitig geimpft werden", sagt die Kinderärztin. Der Gocher Allgemeinmediziner Dr. Karl-Heinz Krause, der auch viele Kinder unter seinen Patienten hat, weiß, wie er an "Infanrix hexa" herankommt, denn er hat andere Möglichkeiten als viele Kollegen: Krause versorgt mit einem Team von Ärzten und Helferinnen die Menschen in Flüchtlingsunterkünften. Als 2015 die große Flüchtlingswelle nach Deutschland schwappte und Zentrale Unterbringungseinrichtungen geschaffen wurden, war der medizinische Aspekt ein besonders wichtiger.

Auf die Untersuchung der Menschen, die aus verschiedensten Teilen der Welt auch an den Niederrhein kamen, folgten Impfungen. Tausende Einmaldosen haben Dr. Krause und seine Kollegen "gebunkert", wie er selbst sagt. "Die haben einen Wert von fast einer Dreiviertelmillion Euro." Und weil neue Flüchtlinge jetzt nur noch in sehr geringer Anzahl kommen, drohen die Präparate an die Haltbarkeitsgrenzen zu geraten. "Ich borge sie also für die Praxis aus und erstatte sie dann natürlich. Aber es wäre sinnvoll, wenn die Bezirksregierung als Eigentümerin sie mal abholen würde, bevor sie verfallen."

Die Bezirksregierung bestätigt die Lieferengpässe, versichert aber, dass die Mengen, die in Flüchtlingsunterkünften gelagert würden, keinesfalls der Grund für das Problem seien. "Die Engpässe sind ein bundesweites Problem, dass bundeseinheitlich geregelt wird." Bei einem amtlich festgestellten Mangel könnten gleichwertige Ersatzstoffe als Reimporte zugelassen werden.

Quelle: RP
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