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Paul-Heinz Böhmer
"Investitionen müssen getätigt werden"

Paul-Heinz Böhmer: "Investitionen müssen getätigt werden"
Der Nütterdener Paul-Heinz Böhmer gibt heute seinen Dienstwagen, einen Audi A 6, ab. Zwölf Jahren stand er an der Spitze der Kreis Klever Wehren mit ihren 2500 aktiven Feuerwehrmännern. FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Kleve. Nach zwölf Jahren als Kreisbrandmeister wechselt der 62-Jährige heute in die Ehrenabteilung der Feuerwehr.

Kreis kleve Nach zwölf Jahren an der Spitze der Kreis Klever Feuerwehren wechselt Kreisbrandmeister Paul-Heinz Böhmer (62) heute in die Ehrenabteilung der Wehr. Kurz vor seinem "Ruhestand" sprach RP-Mitarbeiter Stephan Derks mit ihm.

Heute übergeben Sie das Amt des Kreisbrandmeisters an Ihren Nachfolger Reiner Gilles. Ein Abschied mit Wehmut oder Vorfreude auf die kommende Zeit?

Paul-Heinz Böhmer Der Abschied kommt ja nicht überraschend. Da meine zweite Amtszeit am 31. März endet, war seit Jahren klar, dass ich dann aus dem aktiven Feuerwehrdienst ausscheide. Der Stabwechsel war langfristig vorbereitet. Allerdings gebe ich zu, dass mich eine gewisse Wehmut berührt. Es gehen nicht nur zwölf Jahre im Amt des Kreisbrandmeisters zu Ende. Davor lagen 20 Jahre in der Funktion des Wehrleiters der Gemeinde Kranenburg und parallel dazu 24 Jahre als Löschzugführer in meinem Heimatort Nütterden. Diese Stationen haben mich geprägt.

Haben Sie für Ihren Nachfolger Ratschläge, wie ein solches Amt geführt werden sollte?

Böhmer Reiner Gilles war zehn Jahre einer meiner beiden Stellvertreter. Er hat in dieser Zeit viele Aufgabenfelder eigenständig bearbeitet und genießt durch seine Fachkompetenz ein hohes Ansehen. Unser Verhältnis war in den Jahren von Offenheit und Loyalität mir gegenüber geprägt. Ich bin der Überzeugung, dass Reiner Gilles für sein Amt bestens vorbereitet ist. Er wird und soll seinen Führungsstil entwickeln. Ich möchte ihm keine Ratschläge geben, stehe aber zur Verfügung, wenn ich um Rat gebeten werde.

Rückblickend auf die zwölf Jahre als Kreisbrandmeister, welche Höhen und Tiefen haben Sie erlebt?

Böhmer In der Rückschau erinnert man sich spontan immer an die schönen Ereignisse. Als besonders angenehm habe ich vor allem die Zusammenarbeit mit der Verwaltungsspitze des Kreises Kleve empfunden.Einer der Höhepunkte meiner Laufbahn war im vergangenen November, als ich als Delegierter des Landes NRW in Berlin erstmalig einen Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes aus NRW mitwählen konnte. Höhepunkte waren aber auch die kameradschaftlichen Veranstaltungen im Kreise der aktiven und ehemaligen Wehrleiter. Regelrechte Tiefen habe ich in den Jahren nicht erlebt. Unangenehm waren gelegentlich Personalentscheidungen. Wenn ich Führungskräften gegenüber Loyalität entgegenbrachte, erwartete ich im Gegenzug auch Loyalität mir und meinem Amt gegenüber.

An welches herausragende Schadensereignis erinnern Sie sich, bei dem Sie als Kreisbrandmeister gefordert waren?

Böhmer Einer meiner größten Einsätze an der Spitze der Wehr war der Brand des Bahnhofs in Emmerich. Wir hatten eine Rauchentwicklung, die durch Satellitenaufnahmen belegt bis in den Weltraum erkennbar war. Erst eine Hochleistungspumpe der Berufsfeuerwehr Duisburg, mit der Wasser aus dem Hafenbecken zum Bahnhof gepumpt wurde, brachte den erhofften Löscheffekt. Mittlerweile verfügen wir im Kreis Kleve selbst über eine derartige Pumpenanlage, die in Emmerich stationiert ist.

Wie würden Sie die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehren im Kreis beurteilen? Gilt sie aus Ihrer Sicht als personell gut aufgestellt und technisch gut ausgerüstet?

Böhmer Die personelle und technische Ausstattung aller 16 Feuerwehren im Kreis ist als gut zu bezeichnen. Wir haben mit mehr als 2500 aktiven Mitgliedern schlagkräftige Feuerwehren. Dazu kommen mehr als 400 Mitglieder in den Jugendfeuerwehren. In einigen Kommunen müssen in den nächsten Jahren Investitionen getätigt werden, um Gerätehäuser zu sanieren oder zu erneuern. Der Brandschutz im Kreis wird ausschließlich mit Freiwilligen Feuerwehren gewährleistet. Mein Ziel war es immer, diesen Zustand zu erhalten. Ich hoffe, dass es auch in Zukunft gelingt, die fünf größeren Städte unseres Kreises von der Einrichtung einer hauptamtlichen Feuerwache zu befreien und damit enorme Personalkosten einzusparen. Damit zeigt sich aber, welche Bedeutung die Unterstützung des Ehrenamtes hat.

Welche Dinge haben Sie in Ihrer mehr als 40-jährigen Zeit als Feuerwehrmann erlebt, an die Sie sich gerne oder nicht so gerne erinnern?

Böhmer Gerne erinnere ich mich an gesellschaftliche und kameradschaftliche Veranstaltungen außerhalb des Einsatz- und Übungsdienstes. So veranstaltete etwa der Löschzug Nütterden während meiner Tätigkeit als Zug- und Wehrführer 13 Jahre lang eine vielbeachtete Karnevalssitzung mit mir als Sitzungspräsidenten. Auch die zahlreichen Fahrten mit Partnerinnen waren Veranstaltungen, die ich stets in guter Erinnerung habe. Einige Personalentscheidungen würde ich aus heutiger Sicht ausgewogener treffen. Aber hier gilt der alte Spruch: Aus Erfahrung wird man klug.

Was macht Kreisbrandmeister a. D. Paul-Heinz Böhmer ab dem 1. April, wenn der Terminkalender beinahe leer ist?

Böhmer Ich bin noch eine kurze Zeit als Schulleiter in Nütterden tätig. Eines steht fest: Ich werde nicht in ein Loch fallen. Seit Anfang des Jahres bin ich Ortsvorsteher meiner Heimatgemeinde Nütterden. Die Jagd, meine Vereinstätigkeiten und die Mitgliedschaft in der Ehrenabteilung werden weiterhin für die gesellschaftliche Einbindung sorgen. Entscheidend aber ist der Zuwachs unserer kleinen Familie. Eine unserer beiden Töchter hat Ende Januar unseren ersten Enkel zur Welt gebracht, und unsere zweite Tochter wird im August unser zweites Enkelkind bekommen. Somit werde ich gemeinsam mit meiner Frau der Familie deutlich mehr Zeit widmen können. Ich freue mich auf eine Zeit ohne den ständigen Termindruck und gehe somit in wohldosierten Raten in den Ruhestand.

Quelle: RP
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