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Kranenburg
Iskandar Mahmudov ist Vorbild für viele

Kranenburg: Iskandar Mahmudov ist Vorbild für viele
Iskandar Mahmudov ( 22) kam im Oktober vergangenen Jahres nach Kranenburg. FOTO: Klaus-Dieter Stade
Kranenburg. Der 22-Jährige aus Tadschikistan setzt sich als Sprecher für andere Flüchtlinge ein. Der Zuwanderer spricht Russisch, Persisch, Englisch, Urdu und Tadschikisch und ist ein gefragter Übersetzer. Von Werner Stalder

Er ist das Vorbild einer geglückten Integration: Iskandar Mahmudov (22), ein Zugewanderter aus Tadschikistan in Kranenburg. Seine Heimat ist in Dusti, 6421 Kilometer und 78 Autostunden von Kranenburg entfernt. Zusammen mit seinem Vater Ayomudin (47), seiner Mutter Chamangul (44), seinem Bruder Makhmadovut (24), seiner Schwägerin Mavluda (20) und seinem kleineren Bruder Alijon (11) kam die Familie am 30. Oktober 2015 mit einem Minibus aus einem Übergangslager in Schöppingen in der Grenzfeste an. Nach der Registrierung beim Sozialamt brachte sie die Mitarbeiterin Adelheid Bachmann zur ersten Wohnung in der Roghmannstraße. Dort hatte die Familie drei kleine Zimmer und teilte Küche und sanitäre Anlagen mit anderen Familien aus diesem Haus. Sechs Kinder im Stockwerk über ihnen sorgten bis tief in die Nacht mit lebhaftem Getrappel dafür, dass an Schlaf nicht zu denken war. Dennoch war man froh, nicht in einer Massenunterkunft zu wohnen. Inzwischen hat man etwas mehr Platz in einem Haus, das sie sich mit einer albanischen Familie teilen. Dann kam, angeregt durch den "Runden Tisch", die erste Vollversammlung der Flüchtlinge im Bürgerhaus mit dem Ziel, Sprecher für die verschiedenen Nationen zu wählen. Die Verständigung erfolgte in Englisch. Dabei war Iskandar, der Russisch, Persisch, Englisch, Urdu und seine Muttersprache Tadschikisch spricht, für verschiedene Länder ein gefragter Übersetzer. Neben seiner Familie aus Tadschikistan wurde er Sprecher von je vier Flüchtlingen aus der Ukraine und aus Aserbaidschan. Ihre Interessen vertritt er bei den regelmäßigen Sprechertreffen. Vorbildhaft ist sein Kontakt mit dieser ihm anvertrauten Gruppe. Einer seiner ersten Vorschläge war, das Konzept der Mülltrennung im Kreise der Zugewanderten bekannt zu machen. In einem Sketch mit dem Theaterlehrer Romeo Bryant schlüpfte er in die Rolle eines entnervten "Mülltrenners".

Auf seine Anregung wurde das Thema ebenfalls in der Integrationsveranstaltung "Leben in Deutschland" umgesetzt. Marjet de Boer, eine Mitarbeiterin des Runden Tisches mit schauspielerischer Erfahrung, setzte dieses Thema sehr unterhaltsam um. Ein wertvoller Begleiter für die Zugewanderten in Kranenburg ist der Newsletter "Kranenburg International", der jetzt in der sechsten Folge in verschiedenen Sprachen vorliegt. Iskandar besorgt die russische Übersetzung. Große Verdienste hat sich die Familie Mahmudov, Vater und zwei Söhne, bei der Einrichtung des Internet-Cafes erworben. Sie erledigten alle praktischen Arbeiten. Jetzt ist Iskandar der Betreuer der Software und sein Bruder der Spezialist für die Hardware. Auch bei den Schach- und Spieleabenden ist der junge Flüchtling engagiert. Er unterstützt die Aktivitäten des "Runden Tisches", dessen Koordinator Fred Kahm voll des Lobes ist: "Für mich ist Iskandar ein wertvoller Helfer, der nicht nur redet, sondern tatkräftig mit anpackt." Hin und wieder finden er und seine Brüder Entspannung beim Badespaß in GochNess. Seine Deutschkenntnisse hat er bei Ursula Beuger im Trainstop Kranenburg erworben, parallel zu einem Kurs bei der Caritas Kleve mit Wilfried Stuckmann. Danach besuchte er zwei Monate und zehn Tage täglich sieben Stunden den Deutschkurs der Akademie Klausenhof in Kleve, eine Leistung, die auch während des Ramadans durchgehalten wurde. Sein Wunsch ist es, ein Praktikum und eine spätere Ausbildung als Elektriker zu beginnen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Wenn sich ab Ende September die Zugewanderten aus den einzelnen Ländern den Kranenburgern mit einem monatlichen kulturellen Beitrag vorstellen, werden Familienmitglieder von Iskandar ihr Land Tadschikistan vertreten.

Natürlich sind die jüngsten Ereignisse des Terrorismus nicht spurlos an der Flüchtlingsfamilie aus Kranenburg vorbeigegangen. "Nach den Ereignissen in Köln während der Silvesternacht haben wir deutlich gespürt, wie die Reserviertheit der Bevölkerung zugenommen hat", sagt der junge Mann aus Tadschikistan, der diese Vorkommisse zutiefst verabscheut und alles unternimmt, um mit den deutschen Mitbürgern in Kranenburg gute Kontakte zu haben.

Quelle: RP
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