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Bedburg-Hau-Moyland
Joseph Beuys und die starken Frauen

Bedburg-Hau-Moyland: Joseph Beuys und die starken Frauen
"Frau" titelt das Blatt, das Beuys 1956 mit Beize und Bleistift zeichnete (Ausschnitt). FOTO: Gottfried Evers
Bedburg-Hau-Moyland. Drei Säle widmet Museumsdirektorin Dr. Bettina Paust dem "weiblichen Prinzip". Die Frauen auf den Bildern des Künstlers sind mit der Natur verbunden, sind Aktricen, Zauberinnen und Verführerinnen. Von Matthias Grass

Lange schlanke Beine, schmale Taille und ein breites Becken, die Beine zur schmalen Silhouette übereinandergeschlagen: Im eleganten Schwung ist der Akt mit Beize und Bleistift auf ein Blatt gesetzt. Zart und stark zugleich wirkt die nackte Frau. Stark, weil sie mehr als das für Beuys-Zeichnungen vergleichsweise große Blatt mit ihrer Aura besetzt, zart in ihrer schlanken Figur. 1956 zeichnete Beuys die "Frau", so der Titel. Das Bild hängt zentral auf der Stirnwand des ersten von drei Sälen, die Moylands Museumsdirektorin Bettina Paust den "Starken Frauen" bei Joseph Beuys gewidmet hat.

Ab heute ist die Ausstellung zu sehen. Von Mitte der 1950er Jahre bis etwa 1960 waren die Frauen ein zentrales Thema für die Zeichnungen von Beuys, sagt Paust. Aus dem großen Konvolut dieser Bilder aus der Moyländer Sammlung hat sie rund 30 große Blätter zu dem Thema herausgeholt, das letztmals in einer Ausstellung Anfang der 1980er behandelt wurde. 30 Blätter, die jetzt, teils einzeln, teils in kleinen Gruppen gehängt, ihre Wirkung entfalten können. Es sind jene schlanken Figuren wie "Frau", Geburtsdarstellungen, schlanke Torsi mit zartem Strich sowie kräftig mit Farbe aufs Blatt gemalte Figuren. Die Präsentation der Bilder auf einer dunkel-farbigen Wand ist gelungen: Paust ließ den ersten Saal für die Ausstellung in erdigem Aubergine streichen. Hat man sich an die karge 50-Lux-Beleuchtung gewöhnt, scheinen die Zeichnungen zu strahlen, wirken vor der dunkel-zurücktretenden Wand geradezu plastisch.

"Um geistige Kraft und Potenzial auszudrücken, verwende ich oft die weibliche Figur", sagte Beuys in einem Interview 1979. Das Weibliche sei ein Element, das auf jedem Gebiet Kräfte besitze, die in der Vergangenheit zu wenig eingesetzt wurden, fuhr er fort, als habe er vor knapp 40 Jahren einen Kommentar zur gegenwärtigen Diskussion um die Stärke der Frauen gegeben.

Es sind keine bestimmten Frauen, die auf den Blättern porträtiert werden, keine klassischen Akte. Viele sind als Torsi ausgebildet oder haben keine Gesichtszüge. Manche der dargestellten Frauen wirken wie frühgeschichtliche Idolfiguren. Es gehe in den Bildern eben um das weibliche Prinzip: "Beuys sah die Frau als Trägerin von Lebensenergien und -prozessen", sagt Paust.

Die drei Säle der Ausstellung sind thematisch geordnet: Nach dem "Weiblichen Prinzip" im ersten Raum folgt das Thema "Frau und Natur". Hier trifft frau mit Elch und Rentieren zusammen oder trägt Bienenkörbe. Auf der großen Collage "Zersplitterter Eisberg mit Elch und Faunesse" schwebt eine Frau in Monroe-Pose (1953) über dem Elch, der über das in Stücken gefügte weiße Blatt (der zersplitterte Eisberg) schreitet. Das Blatt stammt von 1957. Beuys' Frau liegt wie Marilyn auf rotem Grund. Bleiben im dritten Raum die namengebenden "Starken Frauen", die größtenteils mit Braunkreuzfarbe gemalt wurden. "Diese mythischen Frauen deuten auf eine vorgeschichtliche Welt mit matriarchalischen Strukturen, die das Weibliche in seinem ganzheitlichen Dasein vorstellt", sagt Paust.

Einen Katalog gibt es leider nicht. Paust hofft aber auf Wissenschaftler, die dieses Thema grundlegend bearbeiten. "Dazu könnte dann auch eine Publikation erscheinen", sagt sie mit Blick auf den Moyländer Beuys-Forschungspreis.

Quelle: RP
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