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Interview: Jürgen von der Lippe
"Mir haben sie die Gürtellinie um die Ohren gehauen"

Jürgen von der Lippe: "Mir haben sie die Gürtellinie um die Ohren gehauen"
Belesen, schlagfertig, unter der Gürtellinie? Jürgen von der Lippe kommt mit seinem neuen Buch "Beim Dehnen singe ich Balladen" am Sonntag, 30. November, 19 Uhr, in die Klever Stadthalle. FOTO: katt
Kleve. Der Altmeister der deutschen Comedy kommt nach Kleve. Mit der RP spricht er über Hawaii-Hemden und Salafisten-Witze. Von Ludwig Krause

Am 30. November kommen Sie mit Ihrem neuen Buch in die Stadthalle. Beworben wird es mit "bösartigen" Glossen. Worauf dürfen sich die Klever freuen?

Jürgen von der Lippe So ist das immer mit den Klappentexten und dem begrenzten Wortschatz der Menschen. Das "bösartig" würde ich natürlich sofort streichen. Mein Buch besteht aus Glossen und Geschichten. Die Glossen kann man sich so ähnlich vorstellen wie meine Standup-Monologe. Die Geschichten sind fiktional mit meist überraschende Wendungen.

Das Werk trägt den klangvollen Namen "Beim Dehnen singe ich Balladen"...

Von der Lippe Man braucht natürlich eine Zeile, die auffällt. Ich habe mich für den Titel einer Glosse entschieden, in der ich bei jeder Gelegenheit singe. Das gibt gibt mir die Möglichkeit, es auch auf der Bühne zu tun. Mein Favorit für die Titelgebung war aber eine Westerngeschichte mit der Zeile "Pferde würden nie f... sagen" (Natürlich sagt von der Lippe das Wort, Anm. d. Red.). Das wollte der Verlag aber nicht so gerne.

Sie nehmen kein Blatt vor den Mund...

Von der Lippe Warum auch? Wir haben schließlich das Jahr 2014. Ich liebe immer noch den Auftritt von Marcel Reich-Ranicki im "Literarischen Quartett", bei dem er das Wort viermal sagt, um Karasek zu ärgern. So etwas finde ich wunderbar.

Ihr Kollege Dieter Nuhr hat kürzlich für Aufsehen gesorgt, weil ihm Islam-Feindlichkeit vorgeworfen wurde. Dürfen wir bei Ihnen Ähnliches erwarten?

Von der Lippe Nicht, dass ich wüsste. Wenn, kommt das eh spontan. Berührungsängste habe ich da nicht. Aber es ist ja nicht so, dass ich mich hinsetze und überlege, mit wem man Streit anfangen könnte. Mir haben sie immer die Gürtellinie um die Ohren gehauen. Das Schlimmste wäre ja, wenn alle sagen: "Das Programm ist ganz gut."

Also polarisieren Sie gerne?

Von der Lippe Ich finde es schön, wenn 80 Prozent des Publikums richtig Spaß hat und 20 Prozent sagt: "Iiih, was für eine alte Sau." Weder Filmemacher noch bildende Künstler müssen sich rechtfertigen, wenn sie Sexualität zum Thema machen. Wir Komiker müssen uns immer dafür entschuldigen. Das hängt mir zum Halse raus.

Bei Ihrem Programm bekommt auch die Kirche ihr Fett weg.

Von der Lippe Ich habe etwas gegen die Amtskirche, weil sie mir den Höhepunkt meiner sexuellen Leistungsfähigkeit verdorben hat. Damals war ich noch gläubig, mittlerweile bin ich ein alter Agnostiker.

Für das Online-Format "Disslike" haben Sie in die Kamera vorgelesen, wie sich Menschen im Internet abfällig über sie äußern. Ist das ihrer Meinung nach die beste Art, mit Kritikern umzugehen?

Von Der Lippe Die Idee fand ich ausgesprochen toll. Die Macher des Formats haben das ganze Internet abgesucht, um etwas über mich zu finden. Das soll gar nicht so leicht gewesen sein. Anscheinend lade ich nicht mehr so sehr dazu ein, dass man über mich herfällt. Mit was für einer Verbitterung manche Menschen da unterwegs sind, ist jedoch bemerkenswert. Aber es macht Spaß, damit umzugehen.

Sie werden zuweilen als "Altmeister" der deutschen Comedy" beworben. Wie alt fühlt man sich da?

Von der Lippe Das lese ich auch ständig. Aber ich bin schließlich 40 Jahre dabei und war einer der ersten überhaupt. Otto Waalkes hat parallel mit mir angefangen, dann kam Mike Krüger dazu. Mein großes Vorbild war immer Ulrich Roski. Er war der Anstoß für mich, überhaupt erst auf die Bühne zu gehen.

Gibt es junge Kollegen, die dem "Altmeister" besonders gut gefallen?

Von Der Lippe Ich suche ja nicht das Haar in der Suppe, sondern die Fettaugen. Jeder hat seine Talente. Johann König hat seine Stärken, genau wie Carolin Kebekus auf ihrem Gebiet ihresgleichen sucht. Ingo Appelt oder Matze Knop können viel besser parodieren, als ich es jemals konnte.

Auf dem Cover Ihres neuen Buchs sind Sie mit einem Affen abgebildet.

Von der Lippe Ist das nicht gut? Ein tschechischer Fotograf ist damit an uns herangetreten. Er macht Aufnahmen von Prominenten und setzt sie dann in einen anderen Zusammenhang. Normalerweise lasse ich mich nicht gerne fotografieren, aber das war sensationell. Von den Anweisungen während der Aufnahmen bis zum fertigen Produkt. Das Bild hat mich dann auch richtig angemacht. Auf so ein Cover würde man ja nie kommen, wenn man es sich überlegen müsste.

Dort tragen Sie auch ein schwarzes Hemd. Bleiben die Hawaii-Hemden in Kleve im Schrank?

Von der Lippe Ich mache da schon einen Unterschied. Auf der großen Bühne und im Fernsehen kommen die Hawaii-Hemden aus dem Schrank, bei der Lesung trete ich ein wenig gedeckter auf. Die Veranstaltungen sind etwas intimer und knuffiger, genau ideal. Lustig wird es aber trotzdem. Versprochen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: RP
 
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