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Kalkar
Kalkar besuchen - aber ohne Führung

Kalkar. In Kalkar wie in anderen Städten beklagen die Touristiker, dass deutlich weniger Gruppen als früher eine klassische Stadtführung buchen. Die meisten Gäste entscheiden spontan vor Ort, was sie unternehmen und wo sie essen wollen. Von Anja Settnik

Klassische Stadtführungen sind nicht mehr sehr gefragt. Deutlich rückläufig ist das Interesse an begleiteten Spaziergängen, die lediglich die Historie zum Gegenstand des Vortrags haben. Damit wird es Kommunen schwerer gemacht, Einnahmen aus dem Tourismus zu erzielen. Kalkars Fachmann für Kultur und Touristik, Harald Münzner, berichtete im Kulturausschuss jetzt über das Thema.

Die Tourismusinformation an sich wird gut besucht. "Deutlich besser, seit sie im Museum untergebracht ist. Eine vorteilhafte Symbiose für beide Einrichtungen", betonte Münzner. Fast 10 000 Besuche zählte die Stadt im vergangenen Jahr, etwa doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Die Gäste nehmen sich Broschüren mit und stellen Fragen nach ihren Interessen. Was es kaum mehr gibt: Die telefonische oder schriftliche Anfrage nach Infomaterialien. Vorab machen sich Ausflügler lieber übers Internet schlau. Oder warten, bis sie die Flyer vor Ort auswählen können. Eine Zahl aus diesem Bereich: 213 mal wurden Infobroschüren per Post erbeten, vor zehn Jahren waren es noch 434 mal.

Weitgehend stagnierend sind die Übernachtungszahlen im Bereich Wohnmobile. Da der Platz an der Wayschen Straße außerhalb liegt und nicht mit der Kapazität der Mitbewerber-Plätze in Goch oder Xanten konkurrieren kann, müsse man mit 3787 Übernachtungen im Jahr 2015 zufrieden sein. Wobei die Zahlen schon seit dem Jahr 2006 ähnlich sind.

Noch keine Lösung hat Münzner für das Problem Stadtführungen. Gerade mal 3662 Personen haben sich im Vorjahr einer Führung angeschlossen, deutlich weniger als in den Vorjahren. "Dass im Jahr 2012 insgesamt 6567 Gäste mitliefen, hatte sicherlich mit der restaurierten St.-Nikolai-Kirche zu tun, aber auch 2013 und -14 waren es noch über 5000. Es ist schade, dass das Interesse derart nachlässt", sagt der Kultur- und Tourismus-Verantwortliche. Tagesarrangements wie "Kunst & Kulinarisches" seien ebenfalls nur noch wenig gefragt. "Die Leute sind individueller geworden, suchen sich lieber vor Ort aus, was sie unternehmen und wo sie essen wollen", bemerke er immer wieder. Das Museum besuchten 3032 Personen, wobei 1714 im Rahmen einer Stadtführung Sammlung und jeweilige Wechselausstellung ansahen.

Auch das Kalkarer Stadtarchiv liegt in Münzners Zuständigkeit, wenngleich die Fachfrau vor Ort natürlich Anna Gamerschlag ist.

Insgesamt 109 Besucher hatten im vergangenen Jahr ein Anliegen, 142 schriftliche Anfragen gingen ein, 211 stellten ihre Frage am Telefon. Dabei gehe es sehr häufig um Familienforschung. Themen- und Sonderführungen neben den ständigen kulturhistorischen, Kirchen- und Mühlenführungen gibt es etwa alle zwei Wochen, neu ist inzwischen die jederzeit buchbare Hanse-Pauschale.

Und: Für Menschen, die individuell, also ohne Gruppe kommen, findet im Sommerhalbjahr an jedem Sonntag um 14.30 Uhr ein begleiteter Rundgang statt. Wer früh genug da ist, kann gegen 12 Uhr schon an einer öffentlichen Kirchenführung teilnehmen.

Quelle: RP
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