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Kalkar
Kalkar sucht "Buftis" für Flüchtlinge

Kalkar. Mit dem Personal bei der Stadtveraltung ist die Betreuung so vieler Menschen nicht zu schaffen. Von Anja Settnik

Die Anzahl der in Kalkar untergebrachten Flüchtlinge ist in jüngster Zeit auf 332 angestiegen: Im September und Oktober kamen 130 neue hinzu. Mit dem Personal bei der Stadtverwaltung ist die Betreuung so vieler Menschen nicht zu schaffen, sagt Andreas Stechling, der Leiter des Fachbereichs Soziales. Weil der Rat angesichts der stark angespannten Haushaltssituation kein weiteres Personal genehmigen möchte, stellte sich die Frage, wie umgehen mit dem Thema. "So sind wir darauf gekommen, Kräfte zu rekrutieren, die im Sinne des Bundesfreiwilligendienstes tätig werden müssen", erklärt Stechling. So ganz einfach sind geeignete junge Leute nicht zu finden. Deshalb will Kalkar versuchen, auch aus den Reihen der Asylbewerber Männer oder Frauen auszuwählen, die ihre Schicksalsgenossen unterstützen könnten.

"Das dürfen Sie sich allerdings nicht so einfach vorstellen", erklärt der Verwaltungsfachmann, denn bevor eine Kommune Leute im freiwilligen sozialen Jahr beschäftigen darf, muss sie dafür ihre Eignung nachweisen. Sprich: zertifiziert sein. "Das hat sechs Wochen gedauert, aber jetzt haben wir die Bewilligung bekommen", erklärt Stechling auf Nachfrage. Fünf Stellen hat er beantragt - ob so viele Leute gefunden werden, sei schwer abzuschätzen. Aber auch drei würden sicherlich schon erheblich helfen.

Das Problem: In Kalkar wie in den meisten anderen Gemeinden gibt es eine große Anzahl Ehrenamtler, die sich um die Flüchtlinge kümmern, und die Verwaltung, die schauen muss, welche Unterstützung möglich ist und welche nicht. "Was fehlt, ist die Vernetzung, der enge Draht zwischen den Betroffenen", sagt Stechling, wobei er vermeidet, das politisch umstrittene Thema "Integrationszentrum beim Kreis" anzusprechen. Jedenfalls fehle eine Struktur, die zwischen den beteiligten Gruppen vermittle. "Unterbringung und Versorgung sind geregelt, aber bei Themen wie Sprachkursen, Freizeitbeschäftigungen oder Integration in die Gesellschaft wäre Hilfe dringend nötig." Nicht zuletzt die Regeln, die das Zusammenleben der Menschen im Alltag weniger konfliktträchtig machen, müssten vermittelt werden. "Wer soll den Leuten, die aus völlig anderen Kulturkreisen zu uns kommen, erklären, wie Abfalltrennung funktioniert, wie man Energie spart oder dass man nicht jeden Dreck ins Klo werfen kann?" Die Heizung voll aufdrehen und für die gute Luft dazu die Fenster offen stehen lassen ist nur einer der Punkte, die die Mitarbeiter im Rathaus nicht regeln können.

Deshalb also die Idee, möglichst auch zwei, drei Unterstützer unter den unmittelbar Betroffenen zu finden. "Ich habe schon den einen oder anderen im Kopf, mit dem ich mir das vorstellen könnte", sagt Stechling. Ein Sprachentalent sei dabei, das sich mit fast allen Migranten unterhalten könne und auch einige Bildung aufweise, was sicherlich ein Vorteil sei. Voraussetzung sei eine Bleibeperspektive, also die Ausicht auf dauerhaftes Asyl, weil jemand etwa aus Syrien, dem Irak oder Eritrea geflüchtet ist. Natürlich sind auch deutsche oder andere in Kalkar lebende Interessierte willkommen. "Am liebsten wären uns Männer und Frauen ab 25 Jahre, weil die weniger Betreuung durch uns benötigen", sagt der Fachbereichsleiter. Und natürlich sollten die "Buftis" auch lebenspraktiche Kenntnisse haben. "Wir haben unsere Flüchtlinge ja nicht in Heimen oder Hochhäusern untergebracht, sondern meist in kleineren Häusern, die auch einen Garten haben. Darum kann sich nicht auch noch unser Bauhof kümmern, deshalb wäre es gut, den Bewohnern auch Gartenarbeit beizubringen." Vermutlich wird über die Caritas ein Koordinator "eingekauft", der die Freiwilligen optimal einsetzt. Die haben übrigens monatlich 372 Euro und die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge zu erwarten. Interessenten sollten sich bei der Stadtverwaltung melden

Quelle: RP
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