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Kalkar
Kalkarer spendet 100.000 Euro für Flüchtlinge

Kalkar. Weltenbummler Norbert Bergmann spendet für Malteser-Lager an der syrischen Grenze und schart jede Menge weitere Helfer um sich. Von Heinz Kühnen

Reisen war und ist sein Leben. Schon als junger Mann zog es Norbert Bergmann rund um die Welt. Beruflich ist der gebürtige Moerser als Handelsvertreter für Deko- und Möbelstoffe aus China und Taiwan für den Nahen und Mittleren Osten unterwegs. "Ich habe immer gut verdient und gerne abgegeben", erzählt der Mann mit dem Vollbart. Ob Bettler am Straßenrand, Patenkinder, ein Kinderkrankenhaus oder die Hilfe für Flüchtlinge: Geld gibt er gerne an Bedürftige weiter. Nun will der Kalkarer, der die meiste Zeit seines Lebens in Xanten wohnte, aus Mitteln einer Stiftung jeden Spenden-Euro, den die Malteser für die internationale Flüchtlingshilfe der Malteser in und an der Grenze zu Syrien sammeln, bis zu einem Betrag von 100.000 Euro verdoppeln. "Der Aufruf im Internet war schon unglaublich erfolgreich", sagt Michael Görner, Vorstand der Malteser Stiftung in Köln. 125.000 Euro kamen in den vergangenen Wochen zusammen. Macht 225.000 für die Arbeit der Flüchtlingshilfe. Die Bergmann-Aktion geht weiter. Begründet liegt sie in der Lebensgeschichte des 78-Jährigen.

Wenn seine Hände die 30 Reisepässe umfassen, die vor ihm auf dem Tisch liegen, greift Norbert Bergmann einen großen Teil seiner Lebensgeschichte. Der Handelsvertreter, der die Waren großer internationaler Textilfirmen verkauft, ist ein Weltenbummler - seit 50 Jahren. Denn kaum hatte er als junger Mann die Lehre zum Kaufmann abgeschlossen, zog es ihn in die Welt.

1966: Der Sohn eines Reviersteigers wollte im Jahr 1966 den Grundwehrdienst bei der Bundeswehr in Deutschland partout nicht leisten. Und begab sich gemeinsam mit einem Freund aus Duisburg auf die Reise - per Anhalter über Jugoslawien, Griechenland, die Türkei, Iran, Pakistan bis nach Indien. Dabei kamen sie mit vielen interessanten Menschen in Kontakt - wie zum Beispiel dem Maharadscha von Kerala im Süden Indiens, der die beiden jungen Männer aus Deutschland zur Jagd auf dem Rücken eines Elefanten mitnahm.

Es ging immer weiter Richtung Osten bis nach Australien, wo sich irgendwann ihre Wege trennten. Als das Geld verbraucht war, schuftete Bergmann sechs Monate lang beim Bau eines Staudamms. Dann führte ihn seine Reise nach Afrika und in den Nahen Osten. In einem Kibbuz in Israel lernte er die Schweizerin Elisabeth kennen. Die beiden gingen nach Deutschland, zurück an den Niederrhein - und heiraten. Von der Bundeswehr hörte Norbert Bergmann nichts mehr.

Auch wenn die Familie in den nächsten Jahren um drei Söhne wuchs, so blieb das Verlangen nach der Ferne bestehen. Das gut gehende Geschäft gab Bergmann die Möglichkeit, sich auf seine eigenen Reisen zu machen, die ihn in einfache Unterkünfte und auch zu den armen Menschen führen.

Die Reisen bargen oft Gefahren. In Äthiopien entkam er wie durch ein Wunder unverletzt mit einer kleinen Gruppe den Rebellen, die ihren Lkw beschossen. Der einheimische Fahrer kam ums Leben. Im Sudan fuhr er auf dem Nil in der 4. Klasse mit vielen armen Menschen unter miserablen Umständen. Er gelangte bis Luxor, wo ihn eine Gelbsucht lange Zeit niederstreckte.

Norbert Bergmann wird sein Geschäft nun aufgeben. Was ihn aber nicht hindert, mit Hilfe seiner Familie die nächste Reise zu planen. Sein persönliches Kapital sind die Begegnungen mit den Menschen und Bräuchen. In seinem Haus in Kalkar zeugen zahlreiche Gegenstände und Fotos davon. Er traf mehrmals Mutter Teresa in Kalkutta, den Dalai Lama in Indien und andere Menschen, die ihn faszinieren. Sein Fazit: "Auch wenn es in Asien und Afrika viele arme Menschen gibt, so sind sie oft glücklicher als die in der westlichen Welt, denen es an wenig mangelt." Das, so Bergmann, sei der Antrieb für seine Hilfsaktionen.

Quelle: RP
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