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Kalkar
Kalkars Bürger feiern 775 Jahre Freiheit

Kalkar: Kalkars Bürger feiern 775 Jahre Freiheit
Wunderschön: Gilden, Bruderschaften und Ratsleute ließen sich beim Umzug von den übrigen Bürgern bestaunen. Symbol der einst mächtigen Stadt: das Rathaus. FOTO: van Offern Markus
Kalkar. Die selbstbewusste Bürgerschaft der 775 Jahre alten Stadt Kalkar erlebt am Wochenende den Höhepunkt des Jubiläums. Ein Festakt auf dem Marktplatz, die Lichtershow und gestern das Mittelalter-Fest in historischen Gewändern. Von Anja Settnik und Markus van Offern (Fotos)

Wer recht früh am Freitagabend erschien, um sich den Festakt anzusehen und später der Lichtinszenierung beizuwohnen, konnte sich kurz sorgen: Würde der (vorläufige?) Höhepunkt der Jubiläumsfeier von den Bürgern durch zahlreiches Erscheinen überhaupt hinreichend gewürdigt? Aber nach und nach füllten sich die Sitzreihen, und in der Dunkelheit genossen zahlreiche Kalkarer die Lasershow, die ihren Marktplatz in ungewohnte Farben tauchten. Eie blutrote Gerichtslinde, knallgrüne Strahlen aus den Rathausfenstern, über die Fassaden der alten Stadthäuser geisternde Kreise - da fiel manches "Ah" und "Oh". Das Gläschen Wein und die Grillwurst schmeckten dazu, und jeder, der beim Auftakt zum Wochenende dabei war, nahm sich bestimmt vor, auch am Sonntag in seiner Stadt zu bleiben. Denn das mittelalterliche Stadtfest, von den Bürgern selbst geplant und durchgeführt, war ein großer Erfolg und wird lange im Gedächtnis bleiben. Nicht zuletzt die Gilden und Bruderschaften (ausführlicher Bericht folgt) nutzten den Sonntag, um ihre Bedeutung für Kalkars gesellschaftliches Leben zu betonen.

Wer früher in die Stadt hinein wollte, musste Zoll zahlen - etwa am Kesseltor, das hier Franz-Josef Boenke bewacht. Bei ihm gab's auch Festmünzen zu kaufen. FOTO: van Offern Markus

Aber zurück zum Freitag. Die Zahl 775 prangte in mannshohen Ziffern vor dem historischen Rathaus, Bürgermeisterin Britta Schulz und Kulturamts-Chef Harald Münzner begrüßten die Gäste, unter denen auch eine Delegation aus der polnischen Partnerstadt Wolin war. Die heutige Ratsvorsitzende brachte den Zuhörern in Erinnerung, dass die Freiheit, die sich die Bürger Kalkars im Mittelalter erkämpften, eine Errungenschaft sei, von der die Gemeinschaft noch heute profitiere. Dass Kalkar noch über Stadtmauern, Türme und Tore verfüge, um die andere Orte die Stadt beneideten, sei wunderbar und eine Verpflichtung, das Gemeinwesen für die Zukunft lebendig zu erhalten. "Ein solches Fest ist der beste Weg, unsere gemeinsamen Kräfte sichtbar zu machen", befand die Bürgermeisterin.

Filme über subjektiv empfundene Kalkarer Lieblingsplätze, ein Tanz von Schülerinnen des Gymnasiums, verschiedene Musik- und Wortbeiträge, nicht zuletzt die Auftritte historischer Figuren der Stadtgeschichte waren ein guter Start ins Jubiläumswochenende. Der Freundeskreis überreichte den wiedergefundenen Torso der Justitia, die einst das Rathausportal schmückte. Und am Sonntag lebte die Nicolai-Stadt der Vergangenheit wieder auf.

So hatte das Jubiläumswochenende angefangen - mit einem Bühnenprogramm für alle und einer tollen Lichtershow am späten Abend. FOTO: van Offern Markus

Mit einem Amboss-Schlag hatte Pastor Alois van Doornick die Messe in der Pfarrkirche eröffnet, später trug er zur Ehre der Eligius-Gilde, die in diesem Jahr ihr 625-jähriges Bestehen feiert, noch die Amboss-Polka auf der Flöte bei. Begeistert waren viele Gottesdienstbesucher zudem von der Schubert-Messe, die gesungen wurde.

Von St. Nicolai aus formierte sich der Umzug der Gilden und Bruderschaften; rund 300 Kalkarer trugen an diesem Tag historische Kostüme. Federgeschmückte Hüte, Rüschenhemden, feine Westen und enge Beinkleider zierten die Herren, die Damen schwelgten in Samt und Seide und schützten ihre Gesichter unter prächtigen Hüten. Vor dem Rathaus hatte die Schmiedezunft aufgebaut, was früher benötigt wurde, um Pferde zu beschlagen, Eisen zu biegen oder Waffen zu schmieden. Beim Festakt der Gilde im Rathaussaal wurde nicht zuletzt dran erinnert, dass ohne die Kunst, Eisen zu verarbeiten, die Menschen noch lange in Holzhütten gelebt hätten . . .

Auf dem Marktplatz präsentierten sich sehr vielfältig die Vereine, sorgten für die Bewirtung der Gäste und den Spaß der jüngsten Bewohner. Auch die künstlerischen Ergebnisse der Projektwoche am Gymnasium waren zu bewundern.

Quelle: RP
 
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