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Kalkar
Kalkars Männerchor hat sich aufgelöst

Kalkar. Altersdurchschnitt von 75 Jahren, kein Nachfolger für Dirigent Hubert Leenen. 14 Sänger "heimatlos". Von Anja Settnik

Er könnte jammern, schimpfen, nach Erklärungen suchen. Aber das ist gar nicht nötig, die Sache ist völlig eindeutig: Kalkars Männergesangverein hat sich aufgelöst, weil Mitglieder und Dirigent hoch in Jahren sind und der Nachwuchs fehlt. Hans-Wilhelm Müller, der Vorsitzende, hatte die Aufgabe, die Öffentlichkeit von der Auflösung seines Vereins zu unterrichten. Leicht gefallen ist ihm das nicht, aber der Kalkarer weiß, dass viele andere Chöre das Schicksal des Sängerbundes von 1883 teilen.

Nach 132 Jahren ist eine Ära zu Ende gegangen, stellt Müller fest. Noch vor wenigen Jahren wurde ein wichtiges Jubiläum gefeiert - 2008 blickten die Sänger auf 125 Jahre zurück. Schon damals war der Kreis, der allwöchentlich zu den proben kam, nicht mehr so groß, und Ende des vergangenen Jahres waren noch gerade mal 14 Sänger aktiv. Das war nicht mehr genug, um mehrstimmige Werke einzustudieren, zumal das Stimmvolumen von Männern, die allesamt über 70, viele auch über 80 Jahre alt sind, natürlich nicht mehr so kräftig ist wie Jahrzehnte zuvor. "Hinzu kam, dass unser Dirigent Hubert Leenen, der uns 48 Jahre lang begleitet und geführt hat, mit 84 Jahren auch nicht mehr so konnte. Wir haben gemeinsam Ausschau nach einem Nachfolger gehalten, leider erfolglos", berichtet der Vorsitzende.

Das Problem kennen auch andere Chöre: Qualifizierte Dirigenten sind rar, zu bieten habe man wenig: wenig Geld, wenig Potenzial. "Wir können längst keine Konzerte mehr geben, deshalb beschränken sich unsere Einnahmen auf die Mitgliedsbeiträge.

36 Männer, der Großteil passive Mitglieder, zahlten zuletzt ein. Mit einer solchen Summe sind keine großen Sprünge zu machen.

Soweit Hans-Wilhelm Müller informiert ist, hat sich keiner seiner nun heimatlosen Chorsänger in einer anderen Vereinigung angemeldet. "Mit über 70 ist es schwierig, sich in einen neuen Chor einzufinden", weiß er. Außerdem sei ein Traditionsverein wie der MGV einfach nicht zu ersetzen. "Wir alle erinnern uns an das Karnevalstreiben, das schon bald nach Kriegsende aufgenommen wurde, an St. Martin, an Goldhochzeiten und Jubiläen. Auch das Kalkarlied zum 750-jährigen Stadtjubiläum stammt aus der Feder des Vereins und wird noch heute zum Beispiel bei der Verleihung des Ochsenordens gern gesungen", erzählt Müller. Auch beim Gedenken an die Kriegsopfer habe der MGV, der auch Träger der Zelterplakette war, immer zum würdigen Ablauf beigetragen.

Der Vorsitzende dankt allen Förderern und Helfern, den aktiven und passiven Mitgliedern und allen voran dem Dirigenten für ihre langjährige Unterstützung. Wer Männerstimmen hören möchte, kann sich noch am Chor "Abendstern" in Niedermörmter, dem Shanty-Chor Grieth oder auch dem Schützenchor erfreuen. Und natürlich an den gemischten Kirchenchören.

Quelle: RP
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