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Kleve
Kinder aller Nationen erklären die Kunst

Kleve: Kinder aller Nationen erklären die Kunst
Filmemacher Anis Hamdoun (v.l.) mit Co-Regisseur Maan Mouslli, Dirk Keller (Saturn), Miriam Mecking, Prof. Harald Kunde, Klara Heimbach, Valentina Vlasic und Max Ingo Festing, Saturn Geschäftsführer in Kleve, und die Kuh von Mataré. FOTO: evers
Kleve. Zur Ausstellung der Sammlung Wörner startet das Museum Kurhaus das Filmprojekt "5000 Augen" des syrischen Regisseurs Anis Hamdoun. Finanziert wird das Projekt über die Aktion "We Help" von Media-Saturn. Von Matthias Grass

500 Jahre Kunstgeschichte erklärt von Kindern und Jugendlichen. Jungen und Mädchen gucken sich Kleinskulpturen an, Zeichnungen, Buchseiten und erzählen, was sie da sehen, was die Bilder für sie bedeuten. Vor allem aber, was sie vor dem Hintergrund ihres Kulturkreises darin sehen. Denn die zehn- bis 14-Jährigen kommen aus aller Herren Länder: Aus Deutschland und den Niederlanden, aus Syrien und Afghanistan, aus der Ukraine oder Polen oder der Türkei. Es sind Flüchtlingskinder, Einheimische, Übersiedler.

Die 24 Kinder und Jugendlichen, die an dem Projekt teilnehmen, kommen aus den Schul- und Seiteneinsteigerklassen der Sekundarschule Kleve. Die beiden Lehrerinnen Miriam Viola Mecking und Kerstin Brendgen bereiten die Jungen und Mädchen aus den Klassen fünf bis acht bereits vor, in wenigen Wochen werden sie in die Wunderkammer des Museums Kurhaus gehen und zusammen mit Klara Heimbach über Bildhauer der klassischen Moderne sprechen, über barocke Gartenanlagen und barocke Altmeisterzeichnungen und nicht zuletzt über wunderbar bemalte mittelalterliche Buchseiten. Es ist Kunst aus der Sammlung Wörner, die in der Ausstellung "Von Haltung und Leidenschaft" gezeigt wird. Die Ausstellung wird aus konservatorischen Gründen drei Wochen später am 23. Oktober eröffnet. Außerdem wird auch noch eine Gruppe Erwachsener über einzelne Kunstwerke reden.

Diese Treffen der Kids und der Erwachsenen münden in ein Filmprojekt des syrischen Regisseurs Anis Hamdoun, den Museums-Kuratorin Valentina Vlasic von dem interkulturellen Projekt überzeugen konnte. Hamdoun wird mit einem Filmteam die Sitzungen der Jungen und Mädchen und ihrer Pädagoginnen mit Klara Heimbach in der Wunderkammer und im Museum begleiten. Hamdoun, Regisseur und Filmemacher, kämpfte in Homs gegen die Assad-Truppen, verlor ein Auge und floh in den Westen, der 32-Jährige arbeitet auch in Deutschland als Filmemacher und Theaterregisseur. Er will aus dem gedrehten Material kurze Filme schneiden. Die beobachten die Kids, wie sie nach Worten suchen oder verschmitzt vielleicht Matarés Kuh beschreiben. Hamdoun wird sie aus "5000 Einstellungen und Blickwinkeln filmen", sagt Vlasic. Die daraus entstehenden Filme werden zusammengeschnitten und im Museum gezeigt. Es wird ein Film, der mit der Ausstellung wächst, weil zur Eröffnung erst die erste Gruppe diskutiert hat. "Es wird ein spannendes Experiment", sagt Hamdoun. Das werde bestimmt künstlerisch anspruchsvolle und auch menschlich berührende Szenen bieten, ergänzt Kurhaus-Direktor Harald Kunde.

Finanziert wird das Projekt mit knapp 10.000 Euro aus dem Saturn-Topf. Max Ingo Festing, Saturn-Geschäftsführer in Kleve, erwartet viele neue Sichtweisen auf die Dinge, und einen Film, den man später vielleicht noch im Kino sehen kann ("Diese Qualität wird er haben", sagt Festing) und der bei "Youtube" so manchen Klick haben dürfte.

Quelle: RP
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