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Bedburg-Hau
Kindern mit weniger Tabletten helfen

Bedburg-Hau: Kindern mit weniger Tabletten helfen
Klaus Conrad ist der neue Leiter der Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Hier erläutert der Psychotherapeut die Arbeit des "Neurofeedbacks" bei der Behandlung von ADHS-Betroffenen. FOTO: Gottfried Evers
Bedburg-Hau. Klaus Conrad ist der neue Leiter für die Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LVR-Klinik in Bedburg-Hau. Der Psychotherapeut möchte mit seinem Team weiter die Therapie in den Mittelpunkt stellen. Von Matthias Grass

Die Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LVR-Klinik Bedburg-Hau hat einen neuen Chef. Sie wird jetzt von Psychotherapeut Klaus Conrad geleitet, der bereits seit 2001 in der Kinder und Jugendpsychiatrie der LVR-Klinik arbeitet. Conrad möchte "im Team daran arbeiten, dass die Therapie vorne steht und die Medikamente heruntergefahren werden können", sagt der neue Leiter..

Gute Erfahrungen hat Conrad beispielsweise mit dem "Neurofeedback" gemacht, das als Training zur Verbesserung der Symptome bei ADHS gehört. Dabei lernt das Kind zusammen mit dem Therapeuten, sich selbst und die Reaktionen seines Körpers auf bestimmte Situationen besser einschätzen zu können. Damit könne man die Gabe vom umstrittenen Mittel "Ritalin" deutlich reduzieren oder vielleicht ganz absetzen, sagt Conrad. Dieses Bio- und Neurofeedback bietet die Ambulanz inzwischen auch kostenfrei an. "Wir verrechnen das mit der Fallpauschale, das ist so mit dem Landschaftsverband abgestimmt", sagt Conrad. Schließlich sollten davon möglichst viele Kinder profitieren und lernen, wie sie mir der Energie in ihrem Kopf am besten umgehen können.

Diese Behandlung ist aber nur ein Teil einer ganzen Angebotspalette, die die Ambulanz ihren Patienten bieten kann. Das junge Team hat die Angebote zielgerichtet auf die Probleme moderner junger Menschen abgestimmt und setzt neben der Einzeltherapie vor allem auf Gruppenarbeit. So läuft seit geraumer Zeit das TRuSt-Training für Jugendliche, die Probleme mit Kontakten zu Gleichaltrigen haben und sich in Gruppen zurückgesetzt fühlen, sich verstecken. Es gibt die SMILE-Mädchengruppe zur Selbstwertsteigerung von Mädchen, es gibt das SKT, das Soziale Kompetenz-Training, das ein sicheres Verhalten im Umgang mit anderen trainieren soll. Vergessen werden dabei auch nicht die Eltern der Kinder, wie die neue Gruppe KES-Kompetenztraining für Eltern zeigt, die nicht mehr weiterwissen, wenn ihr Nachwuchs (zwischen sechs und zwölf Jahre alt) ständig die Regeln verletzt, streitsüchtig ist oder Konzentrationsmängel hat. Oder Jugendliche, die zu Suchtmitteln greifen. "Wir müssen klären, ob hinter der Sucht nicht eine psychische Erkrankung, ein Trauma steht", sagt Conrad, der lange Jahre in der Cannabisambulanz für Kinder-, Jugendliche und junge Erwachsene gearbeitet hat.

In der Regel kommen Eltern und Kinder per Überweisung von ihrem Haus- oder Kinderarzt an die Ambulanz der LVR-Klinik. Pro Jahr werden in Bedburg-Hau über 2800 Kinder- und Jugendliche mit den verschiedensten Diagnosen von den Therapeuten der Ambulanz behandelt. "Am Anfang steht die Diagnose - welches Problem müssen wir behandeln", sagt Amir Djawadi, Facharzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Danach wird eine Therapie erarbeitet. Die Ambulanz der LVR-Klinik kann auf eine große Bandbreite von therapeutischen Angeboten zurückgreifen. In der Ambulanz werden auch Kinder und Jugendliche behandelt, die aus der stationären Therapie kommen.

Weitere Infos: Telefon 02821 81 34 01

Quelle: RP
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