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Bedburg-Hau
Kindern suchtkranker Eltern helfen

Bedburg-Hau: Kindern suchtkranker Eltern helfen
FOTO: Evers Gottfried
Bedburg-Hau. Die LVR-Klinik Bedburg-Hau startet neues Programm für Kinder von sucht- oder psychisch kranken Eltern. Ohne Hilfe wird ein Drittel der Kinder selbst abhängig und nur ein Drittel schafft es, den Teufelskreis zu durchbrechen. Cacau hilft. Von Matthias Grass

Es soll viel gelacht werden, es soll gespielt werden, geredet. Jungen und Mädchen sollen sich austauschen, sich entspannen, sich vom Alltag verabschieden - um später mit diesem Alltag besser umgehen zu können. Denn wenn auch viel gelacht wird, ist es ein ausgesprochen ernstes Thema, das das neue Programm "Trampolin plus" an der LVR-Klinik Bedburg-Hau angeht. Das Programm will Kindern aus suchtbelasteten Familien helfen. Es will den Jungen und Mädchen Selbstbewusstsein und vor allem wieder Selbstwertgefühl geben. Ihnen zeigen, dass das Leben lebenswert ist - vor allem ohne Alkohol oder andere Drogen.

"Wir richten uns gezielt an Kinder aus Suchtfamilien, Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren", sagt Anke Kühl, Krankenschwester bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bedburg-Hau und ausgebildete "Trampolin-plus"-Trainerin. ",Trampolin' ist erprobt und wissenschaftlich begleitet, hat an anderen Orten in Deutschland schon bewiesen, dass es gefährdeten Kindern helfen kann", sagt Kühl. Als Kronzeugen für ihre Arbeit hat sie dabei keinen Geringeren als Ex-Fußballnationalspieler und VfB-Stuttgart-Profi Cacau, der das Projekt landesweit unterstützt und der ebenfalls in einer schwierigen familiären Situation aufwuchs.

In Deutschland leben heute mehr als 2,6 Millionen Kinder mit suchtkranken oder psychisch kranken Eltern unter einem Dach und sind dadurch vielfältigen Belastungen aus gesetzt, erklärt Klinik-Sprecherin Maria Ebbers. Das Bittere: Ein Drittel dieser Kinder wird später selbst abhängig, ein Drittel entwickelt psychische und/oder soziale Störungen und nur ein Drittel schafft es, unbeschädigt aus der Situation herauszukommen. Wenn es keine Angebote gibt. Damit mehr Kinder die Situation meistern können, bietet die LVR-Klinik Bedburg-Hau jetzt "Trampolin" als niederschwelliges Angebot für so gefährdete Kinder. Es wurde vom Deutschen Zentrum für Suchtfragen am Uni-Klinikum Eppendorf entwickelt und vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

In den "Trampolin"-Gruppenstunden sehen die Kinder sehr bald, dass sie nicht alleine mit einer solchen Situation zu kämpfen haben. Denn da ist nicht nur Cacau, der vom Poster lächelt, da sind auch die anderen Kinder in der Gruppe. "Wir werden über das Thema reden, wir werden sehen, dass auch andere das Problem beispielsweise trinkender Eltern haben und damit fertig werden müssen", sagt Kühl.

Die Kinder werden auch lernen, mit den Stresssituationen, mit denen sie sehr viel öfter als andere Kinder konfrontiert werden, umzugehen. "Wir machen das mit Entspannungsübungen, wir setzen die Kinder nicht unter Druck", erklärt Kühl das Prinzip. Es wird Rollenspiele geben, die durchaus stressig sein können, wenn der nicht immer schöne Alltag durchbricht und aufgearbeitet wird. "Deshalb werden wir immer am Ende der Sitzungen ausführliche Entspannungsübungen machen, uns von diesen Dingen erholen: Keiner soll die bei uns endlich angesprochenen und ausgesprochenen Probleme auch noch wieder mit nach Hause nehmen", sagt die Trainerin.

Kühl will die Jungen und Mädchen psychisch aufbauen. Da wird es die Zettel geben, auf die jeder schreiben wird: "Ich kann stolz auf mich sein, weil...", es wird Stunden geben, in denen sich die Kinder nur gute Beurteilungen schreiben. Und vor allem lernen die Kinder: Es gibt Menschen, die mir helfen. Es gibt Menschen, die kann ich anrufen, wenn ich Hilfe brauche: Ich muss es nur tun. Am Ende des Programms will Kühl mit "Trampolin" die Kinder so unterstützt haben, dass sie mit der Suchterkrankung der Eltern und ihren eigenen Gefühlen besser umgehen können. Dafür treffen sich die Kinder an neun Gruppenterminen, die jeweils 90 Minuten dauern und einmal wöchentlich stattfinden. In jeder Gruppenstunde wird ein neues Thema angegangen, die Gruppen sind zwischen fünf und acht Kinder stark und werden von Fachkräften der LVR-Klinik begleitet.

Für die Eltern findet vor dem ersten Gruppentreffen und nach dem letzten Gruppentreffen ein Info-Abend statt. Die Finanzierung der "Trampolin plus"-Gruppe übernimmt größtenteils die LVR-Klinik. Die Kinder erhalten vor Gruppenbeginn ein Gespräch mit einer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin und benötigen eine Überweisung vom Arzt. Das Programm startet im August. Anmeldung: Tel.: 02821 81 3433 oder 01520 9318008, anke.kuehl@lvr.de.

Quelle: RP
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