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Kirmes in Kleve
Lass uns eine Runde drehen!

Kirmes in Kleve 2016: Lass uns eine Runde drehen!
Mitfahren, nach den kleinen Gästen gucken, die Raumschiffnase putzen und Tickets einsammeln – das sind die Aufgaben, die RP-Mitarbeiterin Lena Köhnlein auf der Klever Kirmes hat. FOTO: Evers, Gottfried
Kleve. RP-Mitarbeiterin Lena Köhnlein arbeitete einen Nachmittag auf der Kirmes. Fazit: eine große Verantwortung. Von Lena Köhnlein

Hoch, schnell, wild: nicht mein Ding – zumindest wenn es um die Fahrgeschäfte auf einer Kirmes geht. Schon als Kind, war meine erste Anlaufstelle auf dem Rummel nicht das rasanteste Fahrgeschäft oder das hohe Riesenrad. Mit Skepsis reagierte ich daher auf den Vorschlag der Redaktion, einmal meinen sicheren Schreibtisch gegen einen Job auf der Kirmes einzutauschen. Doch meine Kollegen meinten es gut mit mir und zwangen mich weder auf das Riesenrad, noch in die Achterbahn, nein, ich durfte bei den Kleinen im Karussell – wohlgemerkt ein Fahrgeschäft mit alter Tradition – helfen.

Klever Kirmes 2016: Mein Tag beim Karussell

Am Nachmittag stelle ich mich also meiner neuen Chefin Sandra Voss (48) vor und bekomme prompt einen Putzlappen in die Hand gedrückt, denn das Polieren der Karussell-Fahrzeuge gehört auch zum Job. Also putze ich Pferdenasen, Autoscheiben und Blinklichter bis die ersten Gäste kommen, denn die möchten nur eins: schnell rauf auf das Pferd, in das Raumschiff oder das bunte Auto und eine Runde drehen. Ich helfe den Kleinen beim Aufsteigen, dann sammele ich die blauen Tickets ein. "Vielen Dank", sagt ein kleiner Junge freundlich und los geht die Fahrt. Ich sehe erstmal mit Sicherheitsabstand zu.

Dann darf ich (fast 28 Jahre alt) auch eine Runde mitfahren – das erste Mal seit bestimmt 20 Jahren. Der kleine, höfliche Junge – er stellt sich mir als Jeremy vor – lädt mich ein, in seinem schicken Flitzer mitzufahren. Doch das ist schwieriger als gedacht, denn trotz meinen zierlichen 1,64 Metern passen meine Beine nicht wirklich rein in meine "Mitfahrgelegenheit". Sandra Voss lacht. "Es fahren Kleinkinder bis sieben oder acht Jahren bei uns mit". Manchmal seien sie auch schon zehn. Es komme immer auf die Größe der Kinder an. Als ich mich endlich reingezwängt habe, geht es los: schneller als es von außen aussieht. Jeremy ist begeistert: "Ich bin schon ganz oft mitgefahren." Das hört man als neue Mitarbeiterin doch gerne.

Kirmes in Kleve

Allerdings sind nicht alle Kinder so furchtlos wie der Junge. Einer kleinen Dame ist die Fahrt nicht ganz geheuer, unsicher nimmt sie die Hand ihrer Mutter. Denn Eltern dürfen kostenlos mitfahren und sich neben die Pferdchen oder Autos stellen. "Manche Kinder weinen schon mal, wenn es losgeht", erzählt Voss. Dann würden die Mitarbeiter versuchen, das Kind während der Fahrt zu beruhigen. "Wenn es gar nicht geht, nimmt ein Mitarbeiter das Kind raus und bringt es zu den Eltern oder wir halten natürlich an", sagt die 48-Jährige. Denn einige Kinder würden auch während der Fahrt aufstehen und die Sicherheit der Kinder geht immer vor, betont Voss. Daher müssen die Karussell-Betreiber auch immer ein Auge auf die Kleinen haben. Mir wird klar, dass man als Mitarbeiter eine große Verantwortung tragen. Bei den nächsten Fahrten passe ich besonders auf die kleinen Fahrgäste auf und bin froh, dass doch viele Eltern dabei sind.

Sandra Voss ist da natürlich schon geübter, seit 1999 betreibt sie zusammen mit weiteren Familienmitgliedern das Karussell. "Es ist seit Generationen ein Familienbetrieb", sagt sie. Später soll es einmal ihre heute 20-jährige Tochter weiterführen. Auch jetzt sitzt sie schon hinter der Kasse. Einfach sei es nicht immer, denn hohe Energiekosten und  schlechtes Wetter sind nur zwei der Sorgen, mit denen sich die Karussellbesitzer beschäftigen müssen. Wenn es viel regnet, würden auch weniger Gäste kommen.

Fotos von der Sommerkirmes in Kleve FOTO: Evers, Gottfried

Wie das wilde Leben auf dem Rummel so ist, frage ich? Voss lacht: "Ich gehe ganz normal morgens aus dem Haus und komme Abends wieder zurück." Denn auf der Kirmes schläft die Chefin selten. Sie hat ein Haus am Niederrhein – die weiteste Platz, auf der sie ihr Karussell aufbaut (was übrigens vier bis sechs Stunden dauert), ist 120 Kilometer entfernt.

Zuhause fühle sie sich am wohlsten und könne in aller Ruhe abschalten vom Trubel der bis spät abends auf dem Kirmesplatz herrscht. "Ich bin den ganzen Tag konzentriert und passe auf, den die Verantwortung ist groß". Trotzdem liebt die 48-Jährige ihren Job. "Ich möchte nichts anderes machen", sagt Voss. Ich kann es beim Blick in die Augen des kleinen Jeremy verstehen.

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