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Kleve
Die Föhn-Fee von der Wasserbahn

Kirmes in Kleve: Die Föhn-Fee von der Wasserbahn
FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Kleve. RP-Mitarbeiterin Nicole Scharfetter arbeitete einen Nachmittag auf der Kirmes. Fazit: Das geht in den Rücken! Von Nicole Scharfetter

Arbeiten auf der Kirmes? Das wollte ich als Kind immer machen, wenn ich mal groß bin. Ich habe die Kirmes geliebt, alles was hoch, schnell und verrückt war. Und das Beste: Man kann immer umsonst fahren, alles ausprobieren, noch bevor die normalen Leute drauf dürfen. Inzwischen bin ich groß, ich arbeite nicht auf der Kirmes, aber wenn Rummel ist, dann werde ich immer wieder gern klein. Und zumindest für einen Nachmittag durfte ich meinen Notizblock eintauschen gegen einen Aushilfsjob auf der Kirmes in Kleve, bei Nikola Schneider, die die Wildwasserbahn Piraten-Fluss betreibt.

Ich bin ein bisschen früh da, wir waren für 14 Uhr verabredet. Aber ich bin aufgeregt, weil ich bei einem so großen Fahrgeschäft mal hinter die Kulissen gucken darf. Ein paar Männer in blauen T-Shirts kontrollieren gerade die Bötchen, checken alle Fensterscheiben und lassen langsam das Wasser aus dem Hauptbecken in die Fahrspur einlaufen. Da bellt mich von hinten etwas an. Nikola Schneiders Beschützer: Oscar und Coco. Die beiden sind immer dabei, begleiten ihr Frauchen über den Platz und leisten ihr Gesellschaft im Kassenhäuschen. Bevor ich loslegen darf, quatschen Nikola Schneider und ich ein bisschen und sie bietet mir gleich eine Testfahrt an.

Das Super-Angebot: einmal Trocken-Föhnen nach der nassen Rutschfahrt für Gijs in den Bosch und Dennis van Mierle. FOTO: gottfried evers

Das gehört natürlich auch zum Job, ich muss wissen, wo es nass wird. Gleich zwei Mal geht es im Piraten-Fluss abwärts: erst harmlos, dann richtig steil. Zum Glück gibt es die kleinen Fensterchen am Bug, sonst wäre ich schon vor der eigentlichen Arbeit klatschnass gewesen. Als ich aussteige, hilft mir Aurel aus dem Boot und drückt mir den Wischer in die Hand. Ich kann gleich mein eigenes Boot trockenwischen. Vorne ansetzen, bis nach hinten durchziehen - damit die nächsten Fahrgäste nicht schon vor der Tour einen nassen Hintern bekommen. Das schaffe ich, denke ich. Das ist ja nicht so schwer. Schließlich wische ich auch regelmäßig feucht über die Fliesen zu Hause. Weil ich meinen Job gut machen will, nehme ich mir natürlich jedes Boot vor, das am Ein- und Ausstieg ankommt. Aurel und sein Kollege Mario beobachten mich, grinsen. "Das musst du nur machen, wenn jemand mitfahren will", sagt Mario. Gut, dann warte ich, bis der Nächste einsteigen will. In der Zwischenzeit plaudere ich mit den beiden Männern, die aus Rumänien kommen. Aurel zieht seit 16 Jahren von Stadt zu Stadt, hilft beim Auf- und Abbau, kümmert sich um die Fahrgäste und kontrolliert täglich die Bahn. Er hat Familie in Rumänien, eine Frau, zwei Kinder. "Meine Tochter ist Ärztin", sagt er, der Sohn Computerspezialist.

Wir werden kurz unterbrochen, die Pflicht ruft. Ich muss wischen, ordentlich, versteht sich, damit die Leute an der Kasse nicht meinetwegen ihr Geld zurückverlangen. Beim Einsteigen helfe ich natürlich auch - eine Wildwasserbahn ist und bleibt trotz des ganzen Gewisches eine rutschige Angelegenheit. Und dann ist Aurel wieder an der Reihe: Er sagt, dass er immer drei Monate in Deutschland ist und dann wieder für vier Wochen nach Hause fährt. Das sei in Ordnung so, die Familie habe sich dran gewöhnt. Wahrscheinlich wird die aktuelle Rummel-Saison seine letzte sein, fügt er hinzu, 16 Jahre seien eine lange Zeit.

So, gewischt habe ich jetzt genug, von Technik verstehe ich nicht viel und mache deswegen einen großen Bogen um die Foto-Station. Weil ich mich aber nützlich machen will, biete ich am Ausgang einen Service, den es sonst nicht gibt beim Piraten-Fluss. Bewaffnet mit einem kleinen Reiseföhn gibt es bei mir das Rundum-Trocken-Angebot.

Die Leute sind skeptisch, der Föhn könnte zu heiß sein, oder sie müssen dafür wieder zahlen. Nein, sage ich, das ist alles ganz umsonst. Und weil das Wetter so usselig ist, nehmen die nassen Wasserbahn-Fahrer das Angebot schließlich einer nach dem anderen an. So wie Gijs in den Bosch und Dennis van Mierle. Sie hat es ordentlich erwischt. Zugegeben, ganz unschuldig bin ich nicht daran. Die beiden Holländer mussten mit mir den ultimativen Wasserbahntest machen.

Ich glaube, ich habe eine Marktlücke entdeckt, gerade für kühlere Tage. Vielleicht wird es ja doch noch was mit dem Traumjob auf der Kirmes. Wobei: Ein paar Stunden arbeiten auf der Kirmes ist schön und gut. 1000 Boote am Tag wischen, und das immer wieder - ich glaube, das ist anstrengend. Und geht sicher ganz schrecklich in den Rücken.

Übrigens: Heute ist Familientag auf der Klever Kirmes, da lohnt sich ein Besuch gleich doppelt.

Quelle: RP
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