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Kreis Kleve
Kleine Museen im Kreis stellen sich vor

Kreis Kleve: Kleine Museen im Kreis stellen sich vor
Von Haus aus kein Schuster, aber ein Fan der Materie: Theo Knips in "seinem" Klever Schuh-Museum. FOTO: Evers
Kreis Kleve. Sie müssen ohne öffentliche Förderung auskommen und haben keinen professionellen Direktor. Spannende Einblicke in die Heimatgeschichte liefern sie trotzdem. RP stellt die "kleinen Museen" des Verbunds in lockerer Reihenfolge vor. Von Anja Settnik

Eine Ausstellung über die Geschichte des Roten Kreuzes, ein Naturschutzzentrum und ein Schuhmuseum - was können derart unterschiedliche Einrichtungen gemeinsam haben? Chronischen Geldmangel, wissen die Betreiber. Kleine Museen im Kleverland bekommen keine oder kaum öffentliche Förderung, müssen sehen, wie sie Besucher auch ohne teure Werbung auf sich aufmerksam machen. "Das kann nur gemeinsam klappen", meint Theo Knips, der Vorsitzende des Vereins "Kleefse Schüsterkes". Knips ist Initiator des Gemeinschaftsprojekts "Klein, aber fein - Museen am Niederrhein" und freut sich, die erste Broschüre vorstellen zu können, die zwölf sehr unterschiedliche Häuser vorstellt.

Museumsdirektoren sucht man im Stiftsmuseum Wissel, im Griether Heimatmueum oder im Royal-Air-Force-Museum vergeblich. Alle diese Häuser werden ehrenamtlich betreut, viele haben deshalb nur am Wochenende geöffnet. "An der Kasse sitzen dann Freiwillige, die dafür keinen Cent Geld bekommen, und sie beantworten auch Fragen oder führen durch die Ausstellung", erzählt Knips. Jeder Euro, den zum Beispiel das Klever Schuhmuseum einnimmt, werde dringend benötigt, um allein den Unterhalt zu finanzieren. "Wir sind sehr dankbar, dass wir die schönen hellen Räume unentgeltlich nutzen dürfen, nur die Betriebskosten müssen wir bezahlen", sagt er.

Reinhold Tobisch, stellvertretender Vorsitzender der Schüsterken, zeigt schmunzelnd auf allerlei Handwerksgerät und einen Schraubensatz: "Wir sind im Verein sehr breit aufgestellt, haben Fachleute für vieles und machen praktisch alle Reparaturen selbst", erklärt er. Das spart Geld und schweißt die Aktiven zudem zu einem richtig guten Team zusammen.

Wer erstmals durch die weitläufigen Hallen spaziert, in denen bis zum Jahr 2000 Schuhe produziert wurden, wird sich fast zwangsläufig an seine Kindheit erinnern. Lauflernschühchen, wie wir sie wohl alle getragen haben, oft mit dem weltberühmten Elefanten-Emblem verziert, sind da in allen Farben zu sehen, aber auch Schuhe, bei denen jeder Orthopäde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde. Solche zum Beispiel, die Chinesinnen getragen haben, denen man eines "Schönheitsideals" wegen die Füße verkrüppelt hat, damit sie in zwölf Zentimeter kurze Pantinen passen. Aber auch Damenschuhe nach westlichen Vorstellungen, elegante Herrenschuhe sowie die klassische Fußbekleidung der hiesigen Landbevölkerung werden präsentiert: Holzschuhe, die mancher noch heute gerne im Garten trägt.

Theo Knips, der sich sein Wissen erst spät angeeignet hat, denn eigentlich war der pensionierte Ingenieur Güterverkehrsexperte beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI), kann über alle Gegenstände seines Museums umfänglich Auskunft geben. Besonders gern mag er das alte Schuhmacherwerkzeug und zeigt, wie die Laufsohle mit kurzen Holznägeln mit der Brandsohle verbunden oder wie das Leder in Form gebracht wurde. Die Lokalgeschichte Kleves ist ohne die Schuhindustrie nicht zu denken: Bis zu 4000 Menschen arbeiteten dort zeitweise. Neben Elefanten waren es zahlreiche andere, deutlich kleinere, oft auch in Heimarbeit produzierende Firmen, die Schuhe herstellten. "Viele Schuster gingen mit der Hucke von Tür zu Tür, um ihre Ware zu verkaufen", weiß Knips. Er freut sich besonders, wenn Familien das Museum der "Kleefse Schüsterkes" besuchen. Gelegenheit dazu besteht jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Eine Familienkarte kostet sechs Euro.

Die Broschüre "Klein, aber fein - Museen am Niederrhein", für die es 2015 den Hochschulpreis gab, liegt in allen zwölf Häusern und vielen Rathäusern aus. QR-Codes fürs Handy liefern Zusatzinformationen. Knips hofft, dass sich der Initiative mehr kleine Museen - gerne auch aus dem Nachbarland - anschließen und dass die Touristiker in den Kommunen, wenn sie Radtouren oder Stadtspaziergänge organisieren, künftig verstärkt die Heimatmuseen einbeziehen.

Quelle: RP
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