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Kleve
Kleinode entlockten Elan und Spielfreude

Kleve. Bewegt von den jüngsten Ereignissen in Paris begann das Konzert der Städtischen Singgemeinde mit einer Schweigeminute - ein intensiver Moment, der die zahlreichen Besucher in der Unterstadtkirche innehalten ließ. Es folgte ein "englisches" Programm, das mit "The Old Hundredth Psalm Tune" des Komponisten Ralph Vaughan Williams begann. Das Ensemble Classic Brass Ruhr begleitete die Singgemeinde unter der Gesamtleitung von Stefan Burs mit vier Trompeten, drei Posaunen, Tuba undzwei Schlagwerken. Von Barbara Mühlenhoff

Mit den traditionellen Worten "All people that on earth do dwell - Sing to the Lord with cheerful voice" - "Alle Menschen, die auf Erden leben - Singet dem Herrn mit froher Stimme" stimmten Chor und Musiker mit glänzendem Bläserklang auf das prunkvolle Geschehen ein. Es folgte eine teils atonale, auch virtuose Improvisation über den "Old Hundreth Psalm Tune" von Otto M. Krämer, die überleitete zu Werken von John Rutter, einem zeitgenössischen, postmodernen Komponisten, geboren 1945 und Gründer der Cambridge Singers.

Dessen Sakralmusik gehört zur Entfaltung ihres vollen Effekts definitiv nicht ins heimische Wohnzimmer, sondern in eben so eine Kirche als rechter Kulisse. Im "Gloria" ergänzten Sopranistin Mirjam Hardenberg und Mezzosopranistin Birgit Welsing sich hervorragend zu dem gemischten Chor. Hardenberg interpretierte anschließend glasklar zur Orgel das "Et misericordia" aus Rutters "Magnificat", wonach das gemeinsame "Te Deum" mit dem Beckenschlag begann.

Auch hier waren die Muster schnell durchschaut, die Rutters pompöser Musik mit ihren Crescendowirkungen zugrunde liegen: sparsam begleiteter Chorabschnitt, stärker werdendes Orchester, schließlich brausendes Fortissimo mit Bläserfanfaren und Beckengetöse. Tatsache aber ist, dass Rutter sein Handwerk sehr gut beherrscht. Kompositorisch sind seine Stücke hervorragend und weil das so ist, schlittert er immer wieder scharf an der Grenze zum Kitsch und zur melodischen Banalität vorbei, überschreitet sie aber nie wirklich.

Seine Arrangements haben eher Unterhaltungs- als Bedeutungspotential, bestechen durch perfekt gearbeitete Chorsätze und die für Rutter so typisch lichte Textur der Orchesterbegleitung. Das hörbar gute Handwerk der Ausführenden machte diese Stücke daher wertvoll und die netten musikalischen Kleinode entlockten allen Elan und Spielfreude. Aber am schönsten war es doch, gemeinsam mit Zuhörern und Konzertierenden als Zugabe die letzte Strophe des Konzertstücks "Now thank we all our God" - "Nun danket alle Gott" nach der bekannten Melodie auf Deutsch mitsingen zu dürfen.

Für die beeindruckenden Momente ernteten die Ausführenden großen Applaus und stehende Ovationen.

Quelle: RP
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