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Kleve
Kleve bekommt eine alte Fassade zurück

Kleve: Kleve bekommt eine alte Fassade zurück
So sieht das Antiquitäten-Geschäft von Clemens Giesen an der Marktstraße 8 in Kleve derzeit noch aus. FOTO: Evers
Kleve. Der in Kleve geborene, dort lebende und seine Heimatstadt liebende Restaurator Clemens Giesen gibt seinem Elternhaus das "ursprüngliche Gesicht" zurück. Unterstützt wird er dabei von dem Architekten Werner van Ackeren. Von Dieter Dormann

Wer das Antiquitäten-Geschäft des in Florenz ausgebildeten Restaurators Clemens Giesen als wohl beste Adresse für stilecht und hochwertig wiederhergestellte Möbel in Kleve nicht kennt, dürfte an dem Haus in Marktstraße 8 wohl vorbeilaufen, ohne es bemerkt zu haben. Eher schon fällt die "Schmudel-Fassade" der unmittelbar benachbarte Kneipe "Route 66" dem Passanten auf.

Dabei sind in dem winzigen Laden alte Schmuckstücke in vielerlei Epochen-Stilen zu bewundern. Aber nicht nur die ausgestellten Möbel können faszinieren. Wer mit Clemens Giesen in dessen Geschäft, in dem sowohl sein Vater als auch sein Großvater als Metzger ihre Familien ernährten und er selbst als Hausgeburt auf die Welt kam, dort aufwuchs und nach seinen Lehrjahren in Italien Werkstatt und Geschäft betrieb, spricht, wird rasch von den Geschichten über das Haus und dessen frühere Bewohner gefesselt sein.

So soll die Fassade "zurückgebaut" werden: dunkelgrüne Holzfassade, veränderte Fenster und eine Dachgaube, FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Da gab es mal den Holzbalken mit der Jahreszahl "1792", den der Opa vor dem Krieg im Giebel entdeckte, erst aufbewahrte, dann aber wegen der Not im Krieg doch verheizen musste. Da gibt es noch die Notverglasung aus Kriegszeiten in einer 200 Jahre alten Holztür zum winzigen Innenhof voller südländischem Flair. Da gibt es die wohl nur zwei Quadratmeter kleine Kühlkammer, in der noch die Fleischerhaken des Vaters an einer Eisenstange hängen. Da gibt es noch die alte, ausgetretene Holztreppe, die inzwischen in die Restaurator-Werkstatt im ersten Stock des Hinterhauses führt und an der unten die Stufen schmaler gemacht wurden, damit der Vater mit einer Karre vorbeikam, um Fleisch in die Wurstküche schaffen zu können. Da gibt es noch einen uralten Sicherungskasten - und, und, und.

Man spürt - Clemens Giesen hängt an all dem sehr. Man glaubt ihm, dass er selbst in Finsternis erspüren würde, wo er sich in seinem Elternhaus gerade befindet. "Jede Türe, jede Stufe quietscht hier anders. Jeder Schritt auf dem Fußboden hört sich je nach der Stelle, wo man geht, anders an", versichert der Klever. Man kann nachempfinden, wenn er sagt: "Das alles gehört zu meiner Geschichte - das alles ist Teil meines Lebens." Und man glaubt ihm, dass es ihm schwer gefallen ist, nun die Umsetzung einer lang gehegten Idee anzugehen: Clemens Giesen will sein Elternhaus aufwändig restaurieren - oder wie der für die stilvolle Sanierung von denkmalgeschützten Häusern über die Grenzen Kleves hinaus bekannte Architekt Werner van Ackeren es in einem Satz sagt: "Eigentlich ist es ein Rückbau." Das Haus, das nachweislich des vom Opa gefundenen Balkens mindestens 1792 schon gebaut worden ist, werde wieder so aussehen, wie es früher einmal war.

Dass Clemens Giesen alte Gebäude stilgerecht und qualitativ hochwertig wiederherstellen kann, hat er bewiesen. Vor Jahren kaufte der Restaurator ein heruntergekommenes Haus auf der Römerstraße und sanierte es denkmalwürdig. Seit Mitte dieser Woche werden an der Marktstraße 8 Kacheln und Putz von den Wänden gehauen. Eine neue Heizung wird es geben, neue elektrische Leitungen und Wasserrohre verlegt. Schmuckstück des "Rückbaus" wird die Fassade werden, die der Eigentümer mit Werner van Ackeren - auch anhand von Fotografien aus Kriegs- und Vorkriegszeit - entworfen hat. Im Erdgeschoss wird sie eine dunkelgrün gestrichene, mit Schnitzereien verzierte Holzverkleidung bekommen. Große, durch Sprossen unterteilte Schaufenster werden einen Einblick ins Geschäft gewähren - ebenso wie die Eingangstüre aus Holz und viel Glas. Auch die Fenster in den Obergeschossen mit Putzfassade werden ursprüngliches Maß und Sprossenunterteilung bekommen. Auf dem Dach ist eine Gaube geplant.

Einerseits fällt Clemens Giesen der "Rückbau" wie gesagt schwer. "Irgendwie breche ich damit meine eigene Geschichte ab", meint er. Deshalb habe er das fotografiert, von dem er sich trennen wird - damit es nicht vergessen werde. Aber andererseits müsse man irgendwann sein eigenes Leben leben. Er wolle noch etwa zwei Jahrzehnte in seinem Elternhaus seiner Berufung als Restaurator nachgehen. "Deshalb will ich es mir hier schön und angenehm machen", gesteht er. Werner van Ackeren sagt: "Er schafft sich damit eine Adresse, die seiner ganzen Haltung entspricht." Dass die neue Giesen-Fassade architektonisch im Gegensatz zur Nachbarschaft und vielen anderen Bausünden in Kleve steht, stört den Architekten nicht. Er sagt: "Man muss auch mal missionieren."

Mag sein, dass Clemens Giesen auch dieses Ziel verfolgt. Fest steht für ihn, dass spätestens vor Weihnachten dieses Jahres sein "Rückbau"-Projekt vollendet sein soll. Für seine Kunden ist der Restaurator auch während der Bauphase da - er präsentiert ihnen seine "Schätze" unter der Werkstatt (Obergeschoss) im bereits sanierten Hinterhaus.

Quelle: RP
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