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Kleve
Kleve droht eine Immobilienblase

Kleve: Kleve droht eine Immobilienblase
Einzelne Häuser weichen für neue Komplexe: An der Bahnhofstraße werden viele Wohnungen entstehen. Noch nimmt der Markt die Immobilien an. FOTO: van OffeRn
Kleve. Dem ungebrochenem Bauboom könnte eine Blase folgen: Schon jetzt verzeichnet der Haus- und Grundbesitzerverein längere Leerstände. Günstige Kleinwohnungen fehlen weiter, der Bedarf an Single-Wohnungen bleibt hoch. Von Matthias Grass

Noch sind es nur erste Anzeichen: "Zur Zeit bestehen längere Leerstände bei der Vermietung. Ein weiterer Bauboom könnte jedoch zu einer Immobilienblase führen", befürchtet Hiltrud Schoonhoven. Die Klever Rechtsanwältin ist Geschäftsführerein des Haus- und Grundbesitzervereins Kreis Kleve. Sie stellt fest, dass ausgehend von dem hohen Wohnungsbedarf nach Neugründung der Hochschule jetzt aufgrund der hohen Bautätigkeit eine Sättigung im Wohnungsmarkt in Sicht ist. "Die Mietspiegelwerte sind bis auf Kleinstwohnungen stabil", sagt sie. Wer höhere Mieten erzielen möchte, riskiert lange Leerstände. Das Ergebnis: Eine Nullrunde bei den meisten Mieten. Dagegen sei im Bundesgebiet der Index der Mieten um 1,7 Prozent gesteigen, rechnet Schoonhoven. "Der Haus- und Grundbesitzerverein sieht die Entwicklung von weiteren vielen Bauvorhaben in Unterstadt und Kellen mit Sorge", sagt Schoonhoven. Nicht betroffen seien allerdings kleinere und Kleinstwohnungen.

Das bestätigt Hugo Hendricks, öffentlich bestellter Gutachter: "Überall werden alte, meistens Einfamilienhäuser, von Bauträgern abgerissen und durch neue Mehrfamilienhäuser ersetzt. Hier entstehen große Wohnungen, die wir in Kleve nicht brauchen, die dann auch noch überteuert am Markt angeboten werden", sagt er. Singlewohnungen oder Wohnungen für Alleinerziehende fehlen. "Solche Wohnungen sind fast nicht auf dem Markt, weil durch die Studenten für diese Wohnungen ein noch größerer Bedarf entstanden ist", sagt Hendricks.

Den Mangel an bezahlbarem Wohnraum sieht auch Herbert Looschelders vom Verein für Sozialberatung. Vor allem hier im Norden des Kreises, wo die Konkurrenz um günstigen Wohnraum mit Studenten groß sei. Dabei seien es nicht einmal die Grundmieten, die für Problemfamilien zu hoch seien, das Komplettpaket mit Nebenkosten sei das Problem. Ob die in der Unterstadt geplanten kleineren Wohnungen helfen, dies zu entspannen, werde sich zeigen, wenn die Preise am Markt sind, sagt Looschelders.

"Der Bedarf für Wohnungen bis 55 Quadratmeter und kleiner ist weiter festzustellen", sagt Schoonhoven. Allerdings gebe es hier einen Trend zur Unterstadt wegen der Hochschule. Anders die großen Wohnungen: "Hochpreisige Neubauwohnungen über 75 Quadratmeter in Mehrfamilienhäusern sind schwer zu vermieten, noch schwieriger sind Wohnungen über 95 Quadratmeter zu vermieten, deswegen sind in diesem Segment seit vier Jahren die Mieten nicht mehr erhöht worden", so Schoonhoven.

In dem Tempo könne der Wohnungsbauboom nicht weiter gehen, sagt Thomas Euwens von Reppco. Der Projektentwickler sieht zwar noch keine Blase, aber es seien bestimmte Segmente betroffen: Eine Dreizimmerwohnung mit 85 bis 90 Quadratmeter ist nicht an den Mann zu bringen, eine von 68 bis 75 Quadratmeter wohl. Den Eigentümern würden die Wohnungen wie in den vergangenen fünf bis sechs Jahren nicht mehr aus der Hand gerissen. Aber das beinhalte auch Chancen: "Ältere Bestände müssen gründlich saniert werden, damit sie nicht hintenüberfallen", erklärt Euwens. Denn: "Die Menschen schauen auf den Energiepass, den der Vermieter vorlegen muss. Das ist jetzt ein Vermarktungskriterium".

Die Nachfrage nach Doppelhaushälften bleibt aber ungebrochen, erklärt Schoonhoven. Das Problem einer Wohnbau-Blase habe man jüngst thematisiert, sagt Gerd Driever, Sprecher der CDU-Fraktion.

Fraktionschef Wolfgang Gebing: "Wir spüren den Bedarf, die zunehmende Nachfrage nach Einfamilienhäusern oder Doppelhaushälften. Das wollen wir bei der Planung berücksichtigen, damit Bauwillige nicht nach Kranenburg oder Bedburg-Hau ausweichen müssen. Es müssen auch bei der Binnenverdichtung nicht immer Sechs- oder Achtfamilienhäuser sein".

Quelle: RP
 
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