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Anwohner verärgert
Häuser in Kleve durch Bauarbeiten beschädigt

Kleve: Häuser in Kleve Bauarbeiten beschädigt
Helene Heilen in ihrem Treppenhaus vor einem Riss, der jetzt deutlich erkennbar ist. FOTO: Evers Gottfried
Kleve. Risse in den Wänden, gesprungene Kacheln im Bad, instabile Mäuerchen: Bei der Sanierung der Waldstraße in Kleve sind an mehreren Wohngebäuden Schäden entstanden. Die Anwohner ärgern sich, denn die Stadt will für die Schäden nicht umfassend zahlen. Von Peter Janssen

Die Waldstraße in Kleve ist ein teures Pflaster. Besonders für die Anwohner. Seit mehr als einem Jahr wird hier gearbeitet. Die Fahrbahn bekommt eine neue Deckschicht, und der Kanal wird erneuert. Die Anliegerbeiträge für die Maßnahmen sind beachtlich. So muss ein Anwohner mehr als 15.000 Euro zahlen. 75 Prozent des Betrags wurden vor Baubeginn abgerechnet, der Rest ist zum Abschluss fällig.

Fliesen sind kurz davor herunterzufallen. An dieser Stelle empfehlen die Gutachter eine Holzverkleidung anzubringen. FOTO: Evers Gottfried

Doch sind es nicht Beiträge oder Dauerlärm, die die Anwohner wütend machen. Der Grund ist, dass die Bauarbeiten teilweise erhebliche Schäden an ihren Häusern verursacht haben. Größtenteils wohl hervorgerufen durch die Erschütterungen bei der Bodenverdichtung. Zusätzlich sorgt die Haltung der Stadtverwaltung für Empörung, die nach Ansicht der Betroffenen alles andere als schnell und unbürokratisch hilft.

Die 78-jährige Paula Lenders wohnt seit 55 Jahren an der Waldstraße. Ihr Haus ist grundsolide gebaut und in einem guten, sauberen Zustand. Bevor mit den Straßenarbeiten begonnen wurde, besaß die ältere Dame ein tadelloses Badezimmer. Jetzt nicht mehr: Etliche Kacheln weisen Risse auf, einer zieht sich von der Decke bis auf den Boden. Am Türsturz lösen sich Kacheln, auch die Wände haben Risse. "Ich habe immer alles in Ordnung gehalten. Es gab in meinem Bad keine Schäden", betont die 78-Jährige.

Norbert Thies sitzt auf seinem Mäucherchen, das teilweise schief steht. Den Spalt gab es vor den Arbeiten nicht. FOTO: G. Evers

Sie wandte sich an die Stadt, die einen Sachverständigen schickte. Der kam extra aus einem Meerbuscher Büro und erstellte eine zehn Seiten umfassende Schadensaufnahme. In der kommt er zu dem Ergebnis: Die Fliesenrisse seien "wahrscheinlich" nicht auf die Tiefbauarbeiten zurückzuführen. Das Lösen der Fliesen am Türsturz schon eher. Wandrisse, die sich vergrößert oder verbreitert haben, waren schon vorher da. Es würde sich um ältere Setzungen handeln. Zur Beseitigung der durch Tiefbauarbeiten entstandenen Schäden gibt es: 50 Euro für Fugenarbeiten, 150 Euro sollen für die herausfallenden Kacheln über dem Türsturz überwiesen werden. In dem Gutachten wird empfohlen, eine Holzverkleidung am Türsturz anzubringen, damit wäre das Problem gelöst.

"Ich will aber keine Holzverkleidung", sagt die 78-Jährige. Sie fühlt sich von der Stadt über den Tisch gezogen. "Ich hatte ein ordentliches Badezimmer und das will ich wieder haben." Paula Lenders ging zum Anwalt, der schrieb für 78 Euro einen Brief an die Stadt. Die Antwort aus dem Rathaus: 200 Euro würden pauschal angeboten, falls sie mit dem Betrag nicht einverstanden sei, müsse sie selbst ein Gutachten in Auftrag geben. Die ältere Dame kann keine eigene Expertise anfertigen lassen. Dafür fehlt ihr das Geld. Sie muss wohl die 200 Euro akzeptieren.

Die Schäden bei der Nachbarin von Paula Lenders, Helene Heilen (83), sind größer. Im Haus sind etliche Risse an den Wänden. "Das ganze Haus hat bei den Arbeiten gewackelt", sagt sie. Die 83-Jährige sitzt in ihrem Wohnzimmer und blättert in einem Gutachten. Auch sie hatte Besuch vom Sachverständigen. In seiner Beurteilung kommt er unter anderem zu dem Ergebnis, dass Putzrisse wohl neueren Datums seien, doch könnten diese bei den nächsten Renovierungsarbeiten selbst saniert werden. Die Schäden außen am Haus seien älter, oder man habe schlicht vergessen, sie anzumelden. Demnach gibt's dafür auch kein Geld.

Sieben Stellen, mit teilweise mehreren Macken, wurden untersucht. Um diese auszubessern, sollen 400 Euro reichen. Auch Helene Heilen spielt mit dem Gedanken, alles so zu lassen und erklärt: "Die 400 Euro reichen wohl nicht aus. Aber ich weiß auch nicht, ob sich renovieren noch lohnt. Es könnte ja sein, dass ich schon bald sterbe."

Besonders gefährlich war es während der Arbeiten für die Mäuerchen vor den Häusern. Norbert Thies sitzt auf seiner Einfriedungsmauer, die jetzt an einer Stelle einen großen Riss hat. Im weiteren Verlauf sind etlichen Stücke herausgebrochen. Thies hat sich noch nicht bei der Stadt gemeldet. "Ich will gar keinen großen Ärger machen. Es soll nur alles wieder so sein, wie es vorher war", sagt er.

Heinz-Jürgen Naß hat sich bereits mit der Stadt geeinigt. Er lässt seine Mauer wieder instand setzen. Die Stadt zahlt aber nur die Hälfte. "Man muss schon selbst die Initiative ergreifen, sonst kommt da nichts. Das ist eine elende Lauferei", erklärt er. Ein weiterer Anwohner verhandelt gerade mit der Stadt. Bei ihm haben die Arbeiten für drei Risse verteilt auf zwei Zimmer gesorgt. Hier ist die Stadt bereit, diese auszubessern. Vor dem Haus steht eine Bruchsteinmauer, bei der Fugen beschädigt sind. Jetzt wackelt sie teilweise. Da sieht die Situation anders aus. "Die Verwaltung behauptet, sie hätte vorher Bilder gemacht und darauf wären die Schäden bereits zu sehen. Da sieht man gar nichts", so der Anwohner. Er kennt sich aus, was derartige Verfahren betrifft und wird weiter verhandeln.

Heinz-Jürgen Naß hat für sich eine einigermaßen zufriedenstellende Einigung erzielt. Die älteren Damen hingegen sind auf fremde Hilfe angewiesen. Andere Bewohner der Waldstraße wohl auch. Sie haben Sorgen, dass sie auf den Kosten sitzenbleiben. Eine Anwohnerin, die sich über das Verhalten der Verwaltung ärgert, sagt über die Vorfälle: "Den Zweiten Weltkrieg haben die Häuser überstanden. Die Arbeiten der Stadt nicht."

Die Verwaltung hat eine RP-Anfrage zu dem Thema, die am Montag, 12. September, gestellt wurde, bislang noch nicht beantwortet.

Quelle: RP
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