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Kleve
Kleve hat seine ersten Stolpersteine

Kleve: Kleve hat seine ersten Stolpersteine
Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in der Kavarinerstraße. Klever Schüler (links) unterstützten die Gedenkstunde durch Vorträge. FOTO: Stade
Kleve. Ein "für Kleve historisches Projekt" sei es, mit dem gestern begonnen wurde, sagt Ron Manheim. Die ersten 17 von 150 vorgesehenen Stolpersteinen zum Gedenken an die verfolgten jüdischen Mitbürger Kleves wurden verlegt. Von Anja Settnik

Die ersten Steine brachte er 1996 in Berlin illegal ins Pflaster ein. Weil sich nicht nur am Niederrhein einige Menschen schwer tun damit, die Erinnerung mitten hinein ins Leben zu holen. Kleve hat sich dazu per einstimmigem Ratsbeschluss entschieden, und seit gestern ist die Umsetzung zu beobachten. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat damit begonnen, Pflastersteine zu verlegen, an denen man sich durchaus stoßen soll: Stolpersteine zum Gedenken an die verfolgten und ermordeten Juden, die früher in Kleve zuhause waren.

Vor den Häusern Kavarinerstraße 31 und 42 sowie an der Tiergartenstraße 14 und 24 lebten bis in die Zeit des Nationalsozialismus 17 Menschen jüdischen Glaubens. Klever waren sie, betonte Bürgermeisterin Sonja Northing, und wurden nicht nur von dem verbrecherischen System, sondern von Mitbürgern geächtet und verfolgt. Viele wurden ermordet, andere überlebten in der Fremde. Oder es ging ihnen wie Hedwig Müller, die als Ehefrau eines Katholiken in einer "Mischehe" lebte, dennoch verfemt wurde, sich verstecken konnte und nach dem Krieg lange in einer städtischen Baracke untergebracht war. Mit 250 Mark wurde sie kurz vor ihrem Tod "entschädigt". Begraben ist sie auf dem Jüdischen Friedhof - ihr Mann auf dem städtischen.

Edmund Verbeet, ebenso wie Helga Ullrich-Scheyda und Ron Manheim aktiv im Verein Beth Mifgash, nannte die Aktion "ein für Kleve historisches Projekt", weil neben der Gedenkstätte Synagogenplatz, der Plakette an der Bleiche und einigen Texttafeln in der Stadt die Aufmerksamkeit nun auf die Orte gelenkt werde, wo jüdische Menschen "gelebt, geliebt, gelitten" haben. Es werde einen längeren Zeitraum brauchen, bis für alle 150 Juden, die im Jahr 1933 in Kleve lebten, Stolpersteine verlegt seien. Edmund Verbeet betonte, dass wichtig sei, dass die Stolpersteine von Bürgern für Bürger gespendet würden; es handle sich eben nicht um eine Einzel-Initiative.

Darauf zielte auch Sonja Northing ab, die sich darüber freute, "dass es endlich soweit ist, unsere Erinnerungskultur zu ergänzen. Wir können den bislang namenlosen Opfern ihre Namen zurückgeben, ihrem Leiden nachträglich einen Sinn geben." Northing betonte, es seien Klever gewesen, die weggeschaut hätten. Nun würden sich die Passanten verbeugen (müssen), um die Namen der Klever Juden auf den kleinen Gedenksteinen lesen zu können. Seit gestern sind es Mitglieder der Familien Müller, Fargate, Gonsenheimer und Franken, die zurück ins Bewusstsein der Klever geholt wurden.

Besonders eindrucksvoll kann Eva Weyl von der Zeit sprechen, die sie als kleines Mädchen erlebte. Ihre Eltern, Geschäftsleute in Kleve, hatten dafür gesorgt, dass Eva 1935 nicht in Deutschland, sondern in Amsterdam geboren wurde. 1942, als die Deutschen die Niederlande besetzt hatten, kam die Familie ins Durchgangslager Westerbork. "Den Stacheldraht um das Lager habe ich als Kind gar nicht so wahrgenommen." Der Anstellung des Vaters in der Lagerverwaltung hat es Eva Weyl wohl zu verdanken, dass sie überlebte und heute Schülern von dem berichten kann, was sich nie wieder ereignen darf. "Die jungen Leute sind es, auf die es ankommt. Ihr seid meine Zweit-Zeugen", betonte die 80-Jährige, die sich darüber freute, dass Schüler der Karl-Kisters-Realschule und des Stein-Gymnasiums sich mit verschiedenen Beiträgen an der Stolpersteinverlegung beteiligten.

Ob Steine, gegen die man tritt, würdig genug für das Andenken seien, wollte Verbeet wissen. Ja, weil jede Publizität wichtig ist, meint Eva Weyl.

Quelle: RP
 
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