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Lautes Geschrei der Tiere
Pfauen lassen Klever nicht mehr schlafen

Kleve: Pfauen lassen Klever nicht mehr schlafen
Der Pfauenhahn schlägt in einem Garten an der oberen Lindenallee in der Klever Oberstadt ein Rad, um die Henne hinter ihm zu beeindrucken. Seit etwa zwei Wochen ist das männliche Tier in dem Stadtteil. Die Henne sahen Anwohner dort erstmals am vergangenen Dienstag. FOTO: privat
Kleve. Anwohner leiden nachts unter dem lauten Geschrei der freilaufenden Wildtiere im Bereich der oberen Lindenallee. Andere füttern dort die Vögel. Stadt sucht mit Fachleuten nach Einfang-Möglichkeiten. Noch sind viele Fragen ungeklärt. Von Dieter Dormann

Manch wildes Tier gilt als gefährlich - manch wildes Tier ist es auch. Der Pfau gilt als Wildtier. Doch die Vogelart gehört zur Ordnung der Hühnervögel. Und Wilhelm Schnabel, der die Greifvogel- und Wildtierauffangstation Kreis Kleve e.V in Weeze leitet und zuvor elf Jahre Betriebsmeister im Klever Tiergarten war, beschreibt den Pfau und dessen Gefährlichkeit deshalb wohl auch so: "Er ist nichts anderes als ein großer, bunter Truthahn. Echte Gefahr geht von ihm nicht aus. Aber die Vögel können mit ihrem Geschrei richtig Radau machen. Ihre Schreie sind weit zu hören - 200 Meter schon mal leicht."

Das können Klever, die rund um die obere Lindenallee wohnen, seit zwei Wochen aus eigener, für manchen leidvollen Erfahrung bestätigen. Erst gab es nur das Gerücht, dort laufe ein Pfauenhahn umher, schlage sein Rad und schreie. Dann gab es erste Beweise - Anwohner machten Fotos von ihm, die dann auch im Internet kursierten. Seit dem vergangenen Dienstag hat sich nun eine Pfauenhenne zum -hahn gesellt. Das weibliche Tier hält sich laut den Anwohner tagsüber meist im Verborgenen auf.

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Doch geht die Sonne unter, nehmen die beiden Vögel auf Dächer von benachbarten Häusern an der oberen Lindenallee Platz, und der Hahn schreit - so lange, bis der Morgen graut. Ein Graus für manche Anwohner. Geschlafen haben sie in den vergangenen zwei Wochen wenig. "Das ist vor allem für meine siebenjährige Tochter, meinen zehnjährigen Sohn und meinen Mann belastend, die morgens früh raus zur Arbeit und zur Schule müssen", meint eine 36 Jahre alte Anwohnerin. Andere freuen sich über den Anblick der Wildtiere - und sie füttern sie auch.

Inzwischen haben sich auch "Offizielle" - Polizei, Ordnungsamt, Kreis-Veterinäramt sowie Klever Tiergarten und Weezer Auffangstation - den Kopf über die Wildtiere der Lindenallee zerbrochen. Doch noch suchen sie nach einem Weg, wie sie die Pfauen fangen können. Aber die Chancen stehen schlecht. Versuche von Polizisten und einer Züchterin aus Nierswalde sollen bereits kläglich gescheitert sein.

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Fachleute überrascht das nicht. "Freilaufende Pfauen zu fangen, das ist praktisch unmöglich", meint Dietmar Cornelissen vom Klever Tiergarten. Und diese Einschätzung teilt sein Kollege Wilhelm Schnabel. Wenn es nicht gelinge, die flinken, scheuen und durchaus kräftigen Vögel in eine Garage oder einen ähnlichen Raum zu locken und dort einzusperren, seien die Aussichten, sie zu fangen, geringer als die auf einen "Sechser" im Lotto.

Nicht nur die Frage, wie die Pfauen zu fangen sind, ist noch ungelöst. Unklar ist auch, von wo und wie sie an die Lindenallee kamen? Was den Hahn betrifft, so soll eine Frau aus Rees behauptet haben, der Vogel gehöre ihr. Sie sei am vergangenen Dienstag auch an der Lindenallee gewesen, um den Pfau einzufangen - vergeblich. Dennoch hatte der Besuch nach Ansicht mancher Folgen. "Seither ist die Henne hier", berichtet die 36-jährige Anwohnerin. Hat die Reeserin das weibliche Tier ausgesetzt, um den Hahn anzulocken oder ihn standorttreu zu machen?

Große Sachschäden verursachen die Pfauen nach Einschätzung von Dietmar Cornelissen und Wilhelm Schnabel in Wohngebieten nicht. "Wenn sie was Leckeres in Gärten finden, probieren sie mal", sagte der Leiter des Klever Tiergartens. Rosenbeete würden sie jedoch nicht verwüsten. "Eine Sauerei" sei allenfalls der Kot, den die Vögel hinterlassen würden. Und Kratzer im Lack könne es geben, wenn die bis zu vier Kilogramm schweren Tiere auf Autos springen.

Die 36-jährige Anwohnerin von der Lindenallee meint dennoch: "Es muss dringend was geschehen." Immerhin sei beobachtet worden, wie der Pfauenhahn "Kontakt" zur Henne gehabt habe. Die 36-Jährige sagt: "Vielleicht haben wir statt zwei bald sechs, acht Pfauen." Auch diese Angst kann Tierwirtschaftsmeister Wilhelm Schnabel mindern: "Das geht nicht so schnell. Und wenn Jungen schlüpfen, müssen sie Glück haben, um zu überleben."

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Quelle: RP
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